Mühsam, aber lohnend

Er hat es nicht immer leicht gehabt dieser Paulus, gerade mit den Schwestern und Brüdern. Da gab es Etliche, die im Wege standen, die die Gemeinden verwirrten, weil sie andere Schwerpunkte legten.

Der Apostel beklagt sich in diesem Kapitel über die Unmündigkeit der Korinther. Eifersucht und Zank haben sich breit gemacht. Es gibt Parteien, oder gar Spaltungen in der Gemeinde. Die einen halten sich zu Paulus, die anderen zu Apollos. In den vorliegenden Versen betont der Apostel das Gemeinsame: Wir alle sind Diener Gottes, Diener mit unterschiedlichem Auftrag. Paulus gibt zu bedenken, dass Spaltungen die Gemeinde zu zerstören drohen.

Manchmal lässt er ein Donnerwetter gegen Andere los und trotzdem gehören sie zu seiner Kirche, wie er betont.

Er hat Angst in zwei Richtungen: Erstens vor Irrlehren, die den gemeinsamen Boden verlassen und zweitens vor Streitereien, die verhindern, dass man das, was wichtig ist, miteinander teilt. Darum schreibt er in seinem Brief an die Korinther:

[TEXT]

Gottes Mitarbeitende sind wir. Das ist die wesentliche Feststellung, der sich alles Andere unterordnen muss. Es geht in der Gemeinde Gottes nicht um olympische Spiele, bei denen der Vierte nur der Beste von den Schlechten ist. Es gibt nur ein gemeinsames Ziel: Dass das Wort Gottes gehört wird, seine Liebe gelebt wird, sein Heiliger Geist gefeiert wird.

Es gab Parteistreitigkeiten in Korinth, verschiedene Prediger hatten ihre ‚Duftmarken’ hinterlassen in der Gemeinde. Und einzelne Gemeindeglieder stritten nun wie die Wilden, wer denn nun am meisten Recht hat.

Verschiedene Lehrmeinungen sind typisch für evangelische Kirche. Die Frage, was gilt, ist mitunter nicht zu klären. Darunter leiden oft auch Gemeindeglieder. Paulus versucht hier aufzuzeigen, welche Kriterien es geben kann. Seine Frage ist, was richten die verschiedenen Prediger und Lehrer an in ihrer Gemeinde, was bewirken sie? Streit oder Aufbruch zu neuen Ufern? Dient das, was sie tun, der Stärkung der Gemeinde oder der Profilierung ihrer Person.

Für Paulus ist ganz deutlich: Auch die, die nicht seiner Meinung sind, sind Diener und Dienerinnen Gottes. Es gibt wohl nicht nur eine richtige Antwort auf die Fragen nach dem Evangelium. Die Früchte, die Ergebnisse machen deutlich, was wesentlich und richtig ist.

Da gibt es andere Prediger, aber kein anderes Evangelium.

Grundlage ist das Bild vom Hausbau, das Jesus geprägt hat und Paulus weiter entwickelt. Gemeinde ist in der Entwicklung. Und wesentlich ist, dass viele mit ihren Begabungen und ihren Meinungen an dem Bau mitarbeiten. Das ist mühsam und oft schmerzhaft.

Wer schon einmal mit Mehreren zusammen ein Projekt voranbringen musste, weiß, wie das ist.

Wenn aber dann dieses Projekt gemeinsam zu Ende gebracht hat, werden die Beteiligten (hoffentlich) feststellen: Es war mühsam, aber es hat sich gelohnt. Dort wo mehrere an einem Strang ziehen, kommt es zu einem Ergebnis, das einer allein nie zustande gebracht hätte.

Paulus betont dabei das Tun Gottes: Gottes Mitarbeiter sind wir, Gottes Pflanzung, Gottes Bauwerk sei ihr. Für ihn ist ganz wichtig, dass alle, die da zusammen arbeiten, sich wirklich an Gottes Willen orientieren. Wo etwas Anderes geschieht, kann er ganz schön bissig werden.

Aber hier ist klar, dass alle, die da Predigen, Gottes Wort predigen. Aber die Gemeinde soll miteinander darauf schauen, ob das Fundament wirklich stimmt, ob der Wert des Gottes unverfälscht erhalten bleibt.

Paulus malt hier ein idealistisches Bild, das von hehren Motiven spricht und Überprüfbarkeit. Aber das Ziel ist eindeutig. Alle, die an Gemeinde bauen, müssen darauf Acht haben, dass sie mitbauen, dass sie Teile eines Bauwerks sind und nicht für sich bauen. Manchmal leiden wir darunter, dass eben nicht alle, die in Gemeinde mitarbeiten so hehre Ziele haben und Gottes Wort nur um seiner selbst Willen verkünden. Aber vielleicht möchte Paulus uns auch nur zu mehr Gelassenheit ermutigen: Lasst laufen, was ihr nicht verhindern könnt, weil der Heiligen Geist unter euch lebendig ist und verhindert den Missbrauch des Wortes, wo ihr ihn erkennt – und Alles zusammen legt in Gottes Hände.

Paulus beklagt sich zwar über die Streitereien, die sich breit gemacht haben in der Gemeinde, aber er spricht kein Machtwort, sondern betont die gemeinsame Verantwortung aller ChristInnen.

Eigentlich: Schade! Ich hätte jetzt gerne etwas gehört über Ausschluss oder Abgrenzung. Hätte mir gut gepasst zum Fall Clement. Aber das gibt es heute nicht. Vielleicht auch weil Paulus unterstellt. Wer wirklich das Wort Gottes verkündet wird auch daran arbeiten mit den anderen ChristInnen Frieden zu haben, und wer im Unrecht ist, das wird der Heiligen Geist erweisen.

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