Zeig, wer das Sagen hat

Liebe Gemeinde,

jetzt wäre es gut, wenn Jesus beweisen würde, ob er auch wirklich Gottes Sohn ist. Es kostet ihm nichts. Er könnte es der ganzen Welt zeigen, woher er kommt. Wenn Du schon die Macht hast, dann gebrauche sie doch jetzt. Zeig, wer das Sagen in der Familie, im Betrieb, in der Schule, in der Kirche, in der Partei oder Politik hat. Wenn Du ein Christ bist, dann beweis es jetzt. Schließlich bist Du der Präsident, der Bürgermeister, der Pfarrer, der Lehrer, der Vater, die Mutter oder wer auch immer.

Die Versuchung, den Leuten es jetzt doch einmal zu zeigen, wer wir sind, liegt immer nahe. Sie kommt von außen auf uns zu. Sie kommt von innen auf uns zu. Wenn Du Gottes Sohn bist, dann mach aus diesen Steinen Brot. Verlass Dich auf Gott, Deinen Rang und Deine von Gott verliehene Macht. Zeig, was so der geliebte Sohn alles drauf hat.

Der Sohn Gottes kann sich auch vom Hochhaus stürzen, denn sonst wäre er ja nicht der Sohn Gottes. Prüfe, ob Gott Wort hält und seine Engel dich auffangen. Es hätte ihm doch ganz gut gestanden, wenn er der Welt bewiesen hätte, wer er ist. Also, runter vom Kreuz und mitten durch die staunende Menge gehen und ihnen zeigen, wer der Herr der Welt ist.

Jesus hat das, was die Welt und die Verlockungen forderten, getan. Doch hat er sich anders entschieden, als sie es erwarteten. Er hat ihnen und uns gezeigt, dass allein der lebendige Gott, der Herr der Welt ist. Dem wusste er sich als sein Sohn verpflichtet.

Wie immer wir uns den Teufel vorstellen wollen, so ist mit ihm die Macht bezeichnet, mit der wir uns selbst zum Scheitern bringen. Das Böse sollten wir böse und vielleicht auch teuflisch böse nennen, wenn es uns in boshaftester Weise begegnet oder im Griff hat. Die Versuchung sollten wir Versuchung nennen, wenn wir ihren verführerischen Reiz verspüren, gegen unsere Einsicht und Überzeugung zu handeln.

Weder uns noch einen anderen Menschen sollten wir Teufel oder vom Teufel besessen nennen. Aber das Böse, das Verwerfliche, das Zerstörerische, die Versuchung sollten wir klar und deutlich beim Namen nennen. Sie bewirken, uns von Gott abzuwenden. Sie lassen uns unsere eigenen Vorteile ohne nach Gott und der Welt zu fragen wahrnehmen.

Es erliegen nicht nur Politiker und Staatsmänner der Versuchung, ihre Macht, ihre Kenntnisse und ihr Wissen um größere Zusammenhänge, für ihre eigenen Vorteile und ihre Bereicherung zu missbrauchen. Das ist auch in vielen Berufen möglich und geschieht auch.

Es stimmt sehr nachdenklich, wenn die große politische Macht in der Welt feststellt, wo die Achse des Bösen verläuft, um damit den eigenen Kriegsgelüsten zum Erfolg zu verhelfen. Sagen wir, wer böse ist und gehen hin, um ihn zu beseitigen? Ist das noch geboren aus der Abwehr verbrecherischer Anschläge. Oder zielt es darauf ab, die eigene Macht auszubauen, um sich ferne Bodenschätze zu sichern? Schwarz/weiss Denken und Krieg sind keine Diplomatie und stärken unseren Verdacht, eigene Macht zu festigen zu wollen.

Jesus sah die Macht, die ihm Gott verliehen hatten. Er konnte sie gebrauchen. Er konnte eine Bewegung ins Leben rufen, durch die er die Menschen gnadenlos ausbeutete. Er konnte die Menschen so bestimmen, wie er es wollte. Doch er richtete die Menschen und sich selbst ganz und gar auf Gott aus.

Jesus zeigt unübersehbar, wes Geistes Kind er ist. Er ist Gottes Kind. Darum benutzte er die ihm von Gott verliehene Macht nicht dazu aus, sich glanzvoll und mächtig der Welt darzustellen. Er ist Wegweiser zum Leben und zur Liebe. Er ist Wegweiser zu Gott, dessen Wort und Wille allein zählen.

Jesus weiß um die Versuchungen in unserem Leben, Gott und ihm absagen zu wollen. Er weiß um unsere Versuchungen, gegen unsere eigenen Überzeugungen zu leben und zu handeln. Er weiß um die Versuchung, dem Glauben abzusagen. Er weiß um die Versuchung, mit dem Wort Gottes Schindluder zu betreiben. Der Unterschied ist nur ganz gering. Wir geben Gottes Wort so als Gottes Wort aus, nennen Bibelstellen, damit es unsere eigenen Interessen dient.

So geht hier auch die Versuchung vor. “Sollte Gott wirklich gesagt haben?”, fragt die Schlange. (Gen 3,1)

“Wenn Du Gottes Sohn bist, dann …!” In der Bibel steht schon, erklären und streiten wir. Dann steht Gottes Wort gegen Gottes Wort. Das führt zur der enttäuschten Feststellung, dass mit der Bibel alles belegt werden kann, was nur einer will. Es ist eben Sache der Auslegung. Das aber stimmt nicht! Auch hier liegt die Versuchung gerade in den Bibelzitaten. Auch Jesus weiß biblisch und damit theologisch zu argumentieren. Er ist ein hervorragender Kenner der Schrift. Er steht fest im jüdischen Glauben verwurzelt. Er ist keinem anderen bereit zu dienen, als dem Gott Israels.

Der Glaube ist nicht nur Gefühlssache und Herzensangelegenheit. Er ist in hohem Maß auch geistige Auseinandersetzung. Wer dazu keine Lust hat, wird Jesus nachahmen können, aber nicht nachfolgen. Der wird Zeit seines Lebens auf Verlockungen hereinfallen, die seiner Überzeugung spotten. Der wird sich ständig in Widersprüche zwischen Wunsch und Wirklichkeit hineinmanövrieren und diesen Zustand dumpf ertragen oder daran zerbrechen müssen.

Jesus zeigt, wes Geistes Kind er ist. das aber ist der Geist Gottes, der Heilige Geist. Der Heilige Geist lässt sich nicht auf Sparflamme schalten. Er brennt nur ganz oder gar nicht. Wenn er brennt, hält nichts stand, was nicht Gottes Willen entspricht. Auch wenn es ein Bibelzitat ist. Die alte Geschichte vom himmelweiten Unterschied zwischen dem Geist und den Buchstaben.

Fragen wir uns, wenn wir meinen, uns auf die Bibel zu berufen, ob wir eigene Interessen, Meinungen und Ansichten verfolgen oder Gottes Sache treiben. Fragen wir uns, ob uns die Liebe zum geringsten Nächsten dazu drängt, ihm Gottes befreienden Wort und das Leben anzusagen oder ob wir ihn auf unsere Anschauungen einzuschwören versuchen.

Das Wort Gottes ist mehr, als eine Zitatensammlung, mit der wir unliebsamen Überzeugungen entgegentreten können. Wir richten uns nach dem Wort Gottes aus, an dem jeder erkennen kann, dass wir Gottes Kinder sind. Es ist uns eine Quelle der Kraft, allen Versuchungen des Unglaubens widerstehen zu können. Es ist Quelle unseres Glaubens und des ewigen Lebens.

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