Licht-Bewusstsein (Joh 8,12b)

Joh 8,12b
[12b] „Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Es ist ein Mut machendes Bibelwort, das uns heute anlässlich unserer Taufe vorgehalten wird. Es ist zugleich das Bibelwort zur Taufe schlechthin, denn die Taufkerze, die wir auch schon für Xxx vorbereitet haben, zeigt es an: Christus will das Licht in meinem Leben sein. Wir alle wissen, was Licht bedeutet: es erhellt uns unseren Weg, es nimmt uns die Angst, die in uns steckt vor allem Dunklen, in dem wir das Böse und die Abgründe in uns selbst vermuten. Licht hilft uns bei der Orientierung, wenn wir nicht weiter wissen. Und Licht erhellt sogar im wahrsten Sinne unser Gemüt und bessert unser Wohlbefinden. Sie werden es vielleicht an sich selber merken, jetzt nach dieser langen und ungewöhnlich kalten Zeit, in der es auch schon früh dunkel wurde: jetzt, wo es wieder heller wird und die Sonne öfter durchkommt (so wie heute), macht unser Herz gleich einen Sprung nach vorne und wir bekommen einen Vorgeschmack auf den Frühling. Deswegen wird das Christsein so gerne mit dem Symbol des Lichtes verbunden. Wir finden es an allen wichtigen christlichen Festen: in der Advents- und Weihnachtszeit auf den Kränzen und am Christbaum, in der Osterzeit als das Zeichen schlechthin, dass der Tod und das Leiden überwunden sind, an allen hohen Festtagen wird in der Kirche weiß gedeckt – als Zeichen für dieses Licht. Auch bei der Taufe decken wir Weiß auf, um all dies nochmals zu unterstreichen. Wenn Sie, liebe Familie Xxx heute ihr drittes Kind Xxx zur Taufe tragen, dann machen sie dies damit nach außen deutlich und öffentlich: Sie wollen ihren Sohn dieser Macht anvertrauen, Sie wollen Xxx ermöglichen dass er in dieses Licht-Bewusstsein des Christentum hineinwachsen kann, damit er später, wenn er selber denken und urteilen kann darin eine echte Hilfe für sein Leben erkennt und begreift.

In der Taufe waschen wir heute von Xxx alle Sünde ab und das heißt: alles, was ihn von Gott trennen könnte ist nun wie weggewischt und sein Weg ist offen und frei, dass er sich selber wird anrühren lassen von der kraftvollen Botschaft in Jesus Christus. So hoffen wir heute, dass er später seine eigene Entscheidung in die gleiche Richtung lenken wird, wie heute seine Eltern. Ich bin nämlich gewiss: wer an Jesus Christus glauben kann und das heißt ja nichts anderes als: wer für sein Leben darauf vertrauen kann, dass Christus bei ihm ist, ihm beisteht und ihm hilft, der wird im Leben erfahren, dass er auf der Seite dieses Lichtes steht. In seinen Entscheidungen, in seinen Nöten, in seiner Freude aber auch in seinem Leid wird er erfahren dürfen, dass er niemals allein gelassen wird. Wir haben es ja, liebe Familie Xxx auch im Taufgespräch angesprochen: jetzt hat Xxx schon ein solches Vertrauen, nämlich in Sie als seine Eltern: er weiß, dass jemand da ist, dass er nicht allein gelassen wird, dass er Wärme und Nahrung bekommt und natürlich die Liebe, die ein jeder Mensch braucht, um wachsen aber auch grundsätzlich, um überhaupt leben zu können.

Diese Liebe hält Gott für uns alle aber bereit, größer als die Liebe von Eltern sein kann und über die Dauer eines ganzen Lebens mit der Aussicht, dass dies Leben auf der Erde mit dem Tod in ein neues, gereinigtes Leben bei Gott überführt wird.

Darum feiern wir heute Taufe: wir hoffen, wir glauben, wir vertrauen darauf, dass Xxx solches in seinem Leben erfahren kann – die Liebe Gottes an ihm.

Aber wir dürfen die Taufe nicht verwechseln mit einem magischen Schutzritus: weder das Wasser, noch unsere Worte legen um unseren Täufling heute ein unsichtbares Kleid, das ihn schützen könnte vor all dem, was Menschen in ihrem Leben widerfahren kann. Wir können nicht in die Zukunft blicken – Gott-sei-Dank, wage ich zu sagen. Wir wissen nicht, was unserem Täufling einst geschehen wird: wird er ein glückliches Leben führen können mit Erfolg im Beruf und Erfüllung in der Partnerschaft? Wird er weitgehend frei bleiben von der Bedrohung durch Leid und Schmerz? Wird er in der Schule und Ausbildung sich zurechtfinden und seinen Weg ungehindert gehen können? All das, liebe Taufgemeinde, legen wir heute auch in Gottes Hand und wir wollen uns sagen lassen, dass wir versuchen werden, auch den bittren Kelch auch seiner Hand zu nehmen, wenn er es so für uns zulässt.

Im Falle des Falles den bittren Kelch zu nehmen – das aber können wir nur, wenn wir eben jenes Vertrauen in Gott gewonnen haben, von dem ich eben sprach. Nur dann, wenn wir gewiss sind, dass Christus tatsächlich das Licht in unserem Leben sein möchte. Denn Gott verspricht uns eine Gerechtigkeit, die mehr ist, als die Gerechtigkeit, die wir auf Erden kennen. Es ist eine Gerechtigkeit, die jedem einzelnen Menschen gerecht wird – die jeden einzelnen Menschen gerecht macht und eine Gerechtigkeit, die darauf zielt, den Ausgleich zu schaffen für jene, die in diesem Leben nicht das bekommen haben, was ihnen in der Schöpfung zugedacht worden ist. Deswegen reden wir von der Auferstehung der Toten, von der Überwindung des Leides und von dem Abwischen aller Tränen an dem Tag der neuen Schöpfung und des neuen Jerusalems. Natürlich hoffen wir, dass Xxx in diesem Leben keiner solchen Prüfung unterzogen wird, aber wenn wir sagen, wir legen unsere Leben in deine Hände, Gott, dann schließt es eben das ganze Leben mit ein: mit allen Höhen und Tiefen, mit allem Freud und Leid.

Die Orientierung aber bleibt in den Worten des Taufspruchs von Xxx gegeben: Du, Jesus Christus, bist das Licht meines Lebens und ich will dir folgen und mir helfen lassen in deinem Namen. Denn so spricht der Herr: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Und der Friede Gottes, der wie ein Licht unsere Dunkelheit durchbricht, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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