Leitbild (Ps 23,1)

Ps 23,1
[23,1] Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Liebe Familie Xxx, liebe Taufgemeinde,

der Taufspruch für Xxx findet sich im Alten Testament in den Psalmen. Für mich ist es immer wieder erstaunlich und erfreulich, welche Kraft doch diese Gebete, die z.T. älter als 2500 Jahre sind, heute gerade für uns Christen noch haben können. Hören wir die Worte aus dem 23. Psalm, den ersten Vers, der als Taufwort über der Taufe von Xxx stehen soll:

[TEXT]

Es ist ein Leitbild, das die ganze Heilige Schrift durchzieht: Gott als der gute Hirte, der auf die ihm Anvertrauten Acht gibt, sie lenkt und leitet und sie so ihn ihrem Leben begleitet, dass ihnen schlussendlich Gutes widerfährt. Es ist ja nicht so, dass die Schafe so dumm wären, dass sie nicht alleine überleben könnten: nein, sie wissen zu essen und zu trinken; sie wissen, sich zu vermehren und bei Gefahr zu fliehen; sie sind gut ausgestattet für unwegsames Gelände und bei Kälte. All dies, liebe Gemeinde, ließe sich im Bild auch für uns Menschen sagen: wir leben ganz gut auch ohne Hirte – unser alltägliches Geschäft: dafür sorgen, dass wir den nächsten Tag erleben, indem wir essen und trinken, indem wir unsere täglichen Kleinigkeiten erledigen und indem wir unseren Verstand benutzten, der uns vor allen anderen Lebewesen auszuzeichnen scheint: all das können wir tun, ohne je an einen Hirten denken zu müssen – und in der Tat, liebe Gemeinde: viele Menschen leben auch so. So, als wäre alles in ihrem Leben ihr eigener Verdienst. Das Bild vom Hirten aber sagt mehr aus: da ist einer, der die größeren Zusammenhänge überblickt; einer, der sich darum kümmert, dass die Herde auch weiterzieht, hin zu fruchtbareren Gegenden, hin zu Gegenden, in denen die Gefahren ausgeschlossen oder zumindest minimiert werden können. Und, liebe Gemeinde: da ist einer, der auch dem verloren gegangenen Schaf hinterher geht: dem Schaf, das ziel- und haltlos geworden ist, dem Schaf, das möglicherweise gestürzt oder verletzt, hilflos und dem Feinde ausgeliefert ist. Auch das gilt im Bilde wieder für uns Menschen. Gott ist der gute Hirte, der genau all dies für seine Menschen tut: ein Gott, der nachgeht, wenn sich Hilflosigkeit und Verletzung und krumme Wege ohne Ziel auftun. Sehr viel mehr können wir als Verkündiger, als Christen, gar nicht sagen, als genau dieses: auch für dein Leben gilt, was der gute Hirte den Menschen zugesagt hat: „Der Herr ist für euch wie ein Hirte: euch wird nichts mangeln!“ Die Erfahrung, dass es tatsächlich so ist, dass Gott tatsächlich euer aller Leben behütet und begleitet – die kann ich euch nicht herstellen, weder in der Schule, noch in der Konfirmandenarbeit, noch in den Gesprächen, die ich mit den Menschen führe. Diese Erfahrung, dass Gott auch euer Leben begleitet, die könnt ihr nur eines Tages selber machen – und eben genau darin: wenn ihr spürt, dass ihr nicht alleine seid, dass eine gute Macht euch wunderbar behütet – dann hoffe ich, dass ihr euch auch dieses Taufspruches erinnert und diese Macht nicht bloß Zufall oder Glück oder Liebe oder Freundschaft nennt, sondern, dass ihr wisst, dass etwas Größeres, dass Gott dahinter steht.

Dass Xxx dies erfahren soll, das versprechen im Anschluss die Eltern und die Patin, indem sie versichern, alles in ihrer Macht stehende zu tun, damit unser Täufling in den Riten, in den Gewohnheiten der Kirche und vor allem mit den Erzählungen und Worten der Schrift aufwächst, damit er später selbst einholen kann, was Sie heute für ihn bekennen: nämlich dass Gott auch der gute Hirte seines Lebens ist.

Für die Eltern wird, wenn sie ihr Elternamt ernst nehmen, nie die Sorge für ihr Kind abreißen. Sie werden das Beste – hier in diesem Fall für Xxx – erreichen wollen. Wollen ihn behüten und beschützen. Wer aber sein Kind zur Taufe trägt, der weiß darum, dass der Mensch allein dies nicht ausreichend gewährleisten kann, bei aller Bewahrung, bei aller Voraussicht. So wissen wir es nicht – Gott sei Dank – wie es Xxx dereinst ergehen wird. Wir wissen nichts über seine Zukunft im Blick auf Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Auch deswegen sind wir heute hier: wir legen ein Stück weit diese Zukunft in Gottes Hände und beten darum, dass er´s wohl richten möge. Dabei wissen wir aber auch, dass der gute Hirte nicht alles, was uns schlimm erscheinen will, von Xxx wird abwenden können. Sondern es geht v.a. darum, dass Xxx als Kind Gottes nicht wird vergessen werden können. Ja, dass es eine Beziehung von Gottes Seite aus zu unserem Täufling gibt, die so fest ist und so unumstößlich, wie wir Menschen es niemals machen könnten. Diese Gewissheit kann Kraft, Mut und Hoffnung für ein Leben hier in dieser Welt schenken. Sie kann dazu beitragen, sich zu öffnen und auf den Nächsten zuzugehen, weil man erkannt hat, welche guten Gaben, der gute Hirte mir geschenkt hat: so viele, dass ich weiter davon verschenken kann.

All diese guten Wünsche hegen wir heute am Tag der Taufe von Xxx, wir wissen aber, dass Gott ihn heute als sein Kind annimmt und für ihn ganz persönlich diese Worte spricht: „Der Herr ist dein Hirte, dir wird nichts mangeln.“

Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als wir es erkennen können, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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