Gott hat Großes mit uns vor!

Liebe Gemeinde!

Es war wirklich ganz schlimm für mich … aber es soll uns nun nicht mehr belasten … fangen wir neu an …

Ich verzeihe Dir, weil ich an unsere Zukunft glaube …

Du hast mir sehr weh getan. Aber reden wir nun nicht mehr darüber. Geben wir uns eine neue Chance. Lernen wir aus dem, was vorgefallen ist …

Ich sehe ja, wie sehr Dir das nun alles Leid tut. Ich nehme Deine Entschuldigung an. Das Leben geht nun wieder weiter …

Was bringen solche Sätze in Ihnen zum Klingen? Können Sie sich an Situationen erinnern, in denen solche oder ähnliche Worte gefallen sind?

Wir alle sind Menschen aus Fleisch und Blut und wir machen Fehler, kleine, die schnell vergessen sind, große, mit manchmal schweren Folgen wir geraten manchmal aus dem Gleis, handeln gegen unsere Überzeugungen und Ideale, verletzen absichtlich, oder tuen weh ganz ohne Absicht …

Was war das Schlimmste, das sie jemals einem anderen Menschen zugefügt haben? Wie sind Sie damals damit umgegangen? Wie denken Sie heute darüber?

Und andererseits: Wann hat man Ihnen Schlimmes zugefügt? Wer hat Sie verletzt, beleidigt, betrogen, hintergangen, ausgenutzt, bedroht, geschlagen, gequält, schlecht gemacht? Was ging da alles in ihnen vor? Waren Sie damals nur das Opfer – oder haben Sie auf den Tag der Rache gewartet und dann …

Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut und wer behauptet, er sei ohne Sünde, der lebt nicht in dieser Welt.

Manche kommen dabei im Großen und Ganzen ganz gut über die Runden und leben ihr Leben ruhig und gleichmäßig mit nur wenigen vereinzelten, kleinen Erschütterungen, die kaum ins Gewicht fallen.

Andere stolpern von einem Erdbeben ins nächste und ziehen das Unglück geradezu an …

Wieder andere haben einmal etwas Schlimmes erlebt. Doch das Tragische steht noch heute unverrückt zwischen Ihnen. Sie können angeblich nicht vergessen… Sie wollen nicht verzeihen. Lange Zeit haben Sie nur in den letzten Krümeln gesucht und sich das Leben so schwer gemacht. Nun haben Sie sich schon längst an den Zustand ihres ewigen Beleidigt-Seins gewöhnt und kommen gar nicht mehr auf den Gedanken, die Hand zur Versöhnung auszustrecken … Alles soll bleiben, wie es war und ist.

Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut und wer behauptet, er sei ohne Sünde, der lebt nicht in dieser Welt.

Wie gehen wir mit den Fehlern um, die wir gemacht haben? Und umgekehrt: Wenn sich jemand an uns versündigt hat, – wie verhalten wir uns?

Man kann darüber lange grübeln – und dabei ist die Lösung doch so einfach:
„Vergib uns unsere Schuld,“ bitten wir, „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“, versprechen wir …

Das „Leben aus der Vergebung“, wie es theologisch korrekt heißt, macht einen wesentlichen Teil unseres evangelischen Glaubens aus. Es gab Gottesdienste, da konnte ich das Schuldbekenntnis vor dem Abendmahl aus vollem Herzen beten. Ich legte alles hinein, was mich belastete. Mir tat das alles leid und ich wollte wieder gut machen, so gut es ging. Und nach dem alles vor Gott ausgesprochen war konnte ich nach der Feier des Abendmahles zuversichtlich die Kirche verlassen …

Das Evangelium lautet: Gott liebt den Sünder, auch wenn er die Sünde hasst. Er will, das wir hier im Frieden mit ihm und allen Menschen leben.- Leben Sie versöhnt mit denen, die Gott ihnen auf den Weg gestellt hat?

Gerade mit Menschen, die große Fehler gemacht haben und tief gefallen sind, hat Gott manchmal Großes vor.

„Der Herr ist mein Hirte …“ spätestens seit unser Konfirmandenstunde sind wir alle mit diesem wunderschönen Gebet vertraut. Etwas unbekannter ist dagegen derjenige, dem der Psalm 23 zugeschrieben wird. Wer kennt den Harfe spielenden König David aus dem alten Israel? Er besiegte nicht nur Goliath, er führte nicht nur Kriege und er dichtete nicht nur Psalmen.

Als er einmal auf seinem Dachgarten spazieren ging bot sich seinen Augen ein wunderschöner Anblick. Er betrachtete voller Lust eine badende Frau! Natürlich hatte David seine Leute, die schnell ein näheres Kennenlernen arrangierten. Und natürlich kam der über alle Ohren verliebte König schnell zu seinem Ziel. Die beiden kamen sich näher und wurden schon bald mit den biologischen Folgen konfrontiert. Batsehba, so hieß die Schöne, wurde schwanger.

Doch leider geht die Geschichte vom König und dem hübschen Mädchen nicht märchenhaft weiter. Bathseba war verheiratet. David wusste es die ganze Zeit. Ihr Mann hieß Uria und war ein besonders treuer Soldat.

Scheinbar ohne moralische Skrupel löste David das Problem. Er beorderte seinen Uria in den Krieg und ließ ihn in die vorderste Frontlinie stellen. Dies war sein Todesurteil. Uria fiel an der Front und Bathseba war frei. Nach der rituell vorgegebenen Trauerzeit zog sie in den königlichen Harem ein, das gemeinsame Kind wurde geboren. Seitensprung und Ehebruch wurden so versteckt.

Jetzt möchten Sie bestimmt wissen, wie die Geschichte genau weitergeht. Da trifft es sich gut, dass sie heute unserer vorgeschriebener Predigttext ist. Ich lese uns den ersten großen Abschnitt aus dem 12. Kapitel des 2. Samuelbuches vor …

[TEXT]

Gott lässt uns nicht einfach so laufen … Er greift in unser Spiel des Lebens ein …

David bekommt Besuch vom Propheten Nathan. Nathan weiß, dass er mit einem bloßen Vorwurf nicht weit kommt. Er erzählt dem mächtigen König eine Geschichte, er hält ihm – ganz unmissverständlich – einen Spiegel vor die Augen.

David schaut voller Mitgefühl auf den Armen, der vom Reichen so betrogen wird …

Du bist der Mann, du hast dich genauso schrecklich verhalten; Gott hat dich so reich gemacht, er hat dir so viel geschenkt und dich groß gemacht – und du kümmerst dich nicht um seine Gebote. Erst begehst Du im Geheimen Ehebruch, dann einen Mord!

Niemand kann heute wissen, was alles in David vorgegangen ist. Ein Herz aus Stein hat er jedenfalls nicht. Er bereut seine Sünde und bittet um Vergebung, – vielleicht sogar mit den Worten des Psalmes 51, die wir nun noch einmal hören können.

[Lesung des Psalmes 51 durch einen Sprecher / eine Sprecherin ]

Vielleicht gab es Momente, in denen Sie sich in diesen Worten wiederfanden … Dieser Psalm berührt eine Seite in unserem Leben. Am Ausgang liegen Zettel mit diesem Psalm bereitet. Nehmen Sie ihn mit nach Hause, bewahren sie ihn an einen sicheren Ort auf. Niemand kann heute wissen, ob man nicht diesen Psalm einmal braucht.

Wir wissen heute, dass Gott seinem untreuen König David die Sünde vergab. So wird er auch uns vergeben, wenn wir fallen.

Und wenn wir darauf vertrauen, dass Gott uns vergibt und nichts mehr zwischen uns in ihm steht, können wir uns getrost daran wagen, wieder gut zu machen, so gut es nur geht.

Und dann können wir auch auf die zugehen, die uns weht taten, dann können wir das, was zwischen uns und ihnen steht, beiseite räumen, vergeben und verzeihen.

„und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir …“

Gott hat Großes mit uns vor!

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