Glaubensgrundlage

Das Verhältnis zwischen Juden und Christen war nicht immer vorurteilsfrei. Der Holocaust hat seine Jahrhunderte lange Vorgeschichte in ganz Europa und er hat auch seine Wirkungsgeschichte bis in unsere Tage.

Wir sind Teil dieser Geschichte. – Wir sind aber auch Teile der Geschichte Israels, weil wir als christliche Gemeinde zu den Menschen gehören, die sich Gott selber berufen hat, so wie er in der Vorzeit Abraham und Israel berufen hat, so hat er sich in Jesus Christus die ChristInnen berufen. Beides ergänzt sich und darf nicht im Widerspruch stehen. Aber auch Unterschiede wollen respektiert werden.

Wichtig aber ist, dass wir auf die gemeinsame Glaubensgrundlage hören, die wir Altes Testament nennen. Dort steht eines der großartigsten Glaubensbekenntnisse, die uns die Bibel überliefert:

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Dieses Bekenntnis macht auch etwas deutlich, was im Judentum für religiöses Verhalten wichtig ist – und wir können vielleicht auch für unser christliches Miteinander, unsere christliche Erziehung lernen.

Schema Israel: Dieses Glaubensbekenntnis des Alten Bundes lebt davon, dass es rezitiert wird, immer wieder. Nur dort, wo es ausgesprochen ist, behält es auch seine Bedeutung. Nur dort wo dieses Glaubensbekenntnis und Liebesbekenntnis immer wiederholt wird, bleibt es lebendig, bleibt die Liebe lebendig. Zum richtigen Gebrauch dieses: ‚Höre Israel’ gehört das Hören, das Weitersagen und das immer wieder wiederholen. Dazu gehören auch die Zeichen, die jüdischen Gebetsriemen und –kapseln.

Das Ganze hört sich für unser liberal christlichen Ohren vielleicht schrecklich an. Als wäre es so wesentlich, dass ich Formeln hersage, dass ich sie meinen Kindern einpräge und dann noch diese Signale.

Mir fällt ein guter Freund ein. Er hatte einen Urlaubshut, ein scheußliches Ding, aber wenn er es auf dem Kopf hatte, wusste er: Jetzt ist Urlaub. Und die, die ihn kannten wussten es auch. Für ihn war das ein wichtiges Signal an sich selber.

Manchmal brauchen wir solche Signale – wellness-Anzüge für die Seele, mit der ich mir selber zublinzle und sage: Entspann dich.

Dieses schema jisrael immer wieder zu wiederholen, macht nicht fromm, aber es kann selbstbewusst und fröhlich machen. Es kann mir helfen, mir klar zu machen, dass ich nicht alleine bin, sondern dass ich begleitet und gehalten werde. Und es kann mir als Christ helfen mir bewusst zu machen wer in Jesus Christus Mensch geworden ist, seine Geschöpfe zu besuchen.

Dabei können Merkorte helfen oder feste Zeiten. Merkorte wie Wegkreuze, Kreuze, die an der Wand hängen, feste Zeiten. Dazu kann auch der Gottesdienst gehören mit seine Glaubensbekenntnis, mit einem Bekenntnis, das ich wohl ein Leben lang durchkämpfen muss, um mich ihm anzunähern.

Du sollst lieben ist für uns ein unüberbrückbarer Gegensatz. Aber vielleicht für den der diese Schema jisrael immer wiederholt ein logische Folgerung: Wer soviel mit Gott erlebt hat, muss einfach den lieben, der immer da gewesen ist.

Mit dem schema Israel antwortet Jesus auf die Frage des Pharisäers nach dem höchsten Gebot.

Ob wir dieses Gebot ‚Gott lieben’ wirklich erfüllen können, steht hier nicht zu Diskussion.

Wichtiger ist wohl der einladende Charakter, der schon mit dem Höre eröffnet wird. Das ist keine Gebrauchsanweisung, das ist eine Einladung. Du musst nichts tun, du musst einfach nur hören, vergegenwärtigen, in dein Leben und Denken aufnehmen.

Dieses Bekenntnis sind keine leeren Worte, sondern Worte, die zu Herzen genommen werden wollen, das heißt Worte, die in das Intimste des Lebens dringen wollen und damit die Lügen strafen, die immer behaupten,. Kirche und Glaube habe nichts mit Privat- und Intimleben zu tun. Das ist Folge einer pervertierten Kirchengeschichte, in der immer mehr Kirche sich zum Moralapostel aufspielte und dabei vergaß Moral und Gottes Gebot zu trennen. Auch darum sollen die Gläubigen dieses Bekenntnis immer wiederholen, um sich vor Augen zu führen, dass es um die Leibe geht und dass sie Liebe eine Gabe Gottes ist, die wir füreinander haben. Nicht nur in der Partnerbeziehung und auch nicht nur als sexuelles Geschehen. Aber auch dort. Das dürfen wir uns zu Herzen nehmen.

Zu diesem zu Herzen nehmen gehört auch das Lehren der Kinder und Kindeskinder. Wir spüren oft, was da im Argen liegt. Wie oft lassen PatInnen und Eltern, ja oft auch Großeltern ihre Kinder im Stich, wenn es um Lehre im Glauben geht. Zum jüdischen Sabbatritual gehört dieses Frage- und Antwortspiel: warum? Ein bisschen davon täte unserer Kirche gut. Das will ja auch der kleine Katechismus von D. Martin Luther.

Jüdische Rituale, die wertvoll sind, die aber auch verkommen können, wenn sie nur noch Gesetzlichkeiten sind. Wir müssen für unser Leben lernen, wie wir Inhalte unseres Glaubens pflegen und weitergeben können. Wir dürfen uns aber auch angesprochen fühlen: Als Angeredete erfahren wir, wer Gott ist, wer er für uns ist und sein will, was wir tun können um bei ihm zu bleiben.

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