Manche Dinge brauchen Zeit

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes …

Trinitatis: Fest der Dreieinigkeit feiern wir heute. Ein eigenartiges Fest, nach dem sich zwar über 20 folgende Sonntage benennen, aber das trotzdem keinen so richtig zu interessieren scheint.

Wenn ich einen Muslim frage, was ihm zum christlichen Glauben einfällt kommt möglicherweise schnell der Hinweis auf die drei Götter. Und wie viel Christinnen und Christen könnten ernsthaft widersprechen. Nicht, weil dieser Muslim Recht hätte, sondern weil die meisten ChristInnen wenig wissen von ihrem Glauben und darum oft so leicht zu verunsichern sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die Orthodoxie – die Rechtgläubigkeit – zumindest im Westen – weniger bedeutet als die Orthopraxie, das rechte Handeln. Mir ist das ja auch sehr sympathisch. Trotzdem leide ich manchmal darunter, gerade am Sonntag Trinitatis, dass so wenig von der Botschaft dieses Tages vertraut ist. Für Paulus war die Heilige Dreifaltigkeit ein klarer Teil seines Denkens, damit grüßt der die Gemeinde in Korinth:

[TEXT]

Friede, Freude und Eierkuchen: diese moderne Trias scheint in unserem Text die alte von Vater Sohn und Heiligem Geist zu ersetzen. Und tatsächlich ist Friede, Freude und Eierkuchen ja auch nichts Schlechtes. Seid alle lieb zueinander, wäre ja schon einmal ein Anfang. Das meint Paulus auch – und er meint auch mehr.

Manche Formulierungen, die er hier gebraucht, entstammen der alten kirchlichen Tradition, die er aufnimmt. Aber wie so oft. Er übernimmt und er wertet neu.

Zuletzt, Liebe Schwestern und Brüder, beginnt sein Briefschluss oder: ‚Übrigens’ – so beginnt dieses Ende eines Briefes, erinnert mich an die Uralt-Krimiserie ‚Columbo’, der schmuddelige Inspektor im Trenchcoat mit dem Zigarrenstummel, der sich im Gehen noch umwandte ‚Übrigens’ – und dann kam das Eigentliche, die entscheidende Frage oder Bemerkung. Paulus hat etwas davon. Er endet Übrigens – und sagt dann das Wichtige: Übrigens: freut Euch – auch daran, wenn Menschen euch erklären, wohin der richtige Weg führt, wenn Menschen euch ermahnen. Freut euch auch dort, wo ihr euch ärgert.

Es gab Streit zwischen dem Apostel und ‚seiner’ Gemeinde. Da waren Missverständnisse aufgetaucht, da gab es Meinungsverschiedenheiten, die an die Substanz gingen. Das wurde in dem 2. Brief an die Korinther deutlich angesprochen, aber nun endet Paulus mit dem, was wichtiger ist als All das: Gott Dank sagen für die Gemeinschaft, die wir in Allem und trotz Allem haben. Dort wo Menschen in allen Unterschieden immer aufs Neue die gemeinsame Mitte suchen, da wächst das Reich Gottes, da entsteht Frieden. Frieden entsteht nicht durch Konferenzen und Verträge, sondern zuallererst durch Menschen, die aufeinander zugehen, die den Frieden machen, soweit Menschen nur Frieden machen können. Aber Menschen, die das versuchen, haben auch die Zusage, dass sich die Gnade Gottes auf ihr Tun legen wird, dass ihr Handeln gesegnetes Handeln ist.

Der ‚Heilige Kuss’ ist kein Judaskuss, sondern die aufrichtige gegenseitige Bezeugung, dass wir zusammen gehören, dass das Trennende unwichtiger ist als das, was uns verbindet. Dieser Kuss ist ein Zeichen dafür, dass wir egal was uns trennt immer noch kämpfen um die gegenseitige Achtung und den Schutz einer für den Anderen.

Der Kuss ist eine Begrüßungsform war für Menschen, die zusammengehören, für Menschen, die sich als Schwestern und Brüder verstehen. Darin deutlich unterschieden von dem immer mehr gebräuchlichen ‚Küsschen rechts – Küsschen links’, das eher von Frankreich her inspiriert worden ist.

Paulus möchte uns vielleicht auch gar nicht anregen uns alle zu küssen, er möchte uns vielmehr anregen einen gemeinsamen Sinn zu finden, der uns hilft, Frieden zu machen und Gnade zu leben.

Er will uns anregen alle Drei als Teil unserer Gemeinschaft und unseres Glaubens zu empfinden: Vater, Sohn und Heiliger Geist – und aus dem Glauben an den einen Gott in seinen drei Erscheinungsweisen unser Leben zu gestalten.

Nach der Meinung des Apostels können wir an diesen Dreien beschreiben, was Gott für uns bedeutet. Die ganze Größe Gottes werden wir eh nie erfassen: Gott ist die Liebe, mit der die Welt geschaffen worden ist, mit der Menschen füreinander da sein können, in der Menschen sich geborgen fühlen können. Seine Liebe hat Gott bewogen in seinem Sohn Jesus Christus den Menschen zu begegnen. In der Taufe Christi am Jordan hat er sich klar zu diesem Wege bekannt wie an Ostern in der Auferstehung. Mit diesem Sohn hat er Menschen berufen aus allen Völkern, seine Gemeinde zu bauen. Den Menschen, die in seiner Liebe leben wollen, schenkt er seinen Heiligen Geist, macht aus ihnen Begeisterte, Menschen, die in dem Bewusstsein, das sie Kirche in der Kraft des Geistes sind, anderen Menschen zu Engeln, zu Botinnen und Boten dieses Gottes werden. Der Geist Gottes schafft in den Menschen neue Freude. Er lässt sie jubeln und feiern und weckt in ihnen die Kraft miteinander zu leben. Er schafft Gemeinschaft und hilft uns füreinander zu ‚Helfern der Freude’ zu werden, wie Paulus es an anderer Stelle beschreibt.

Der Geist und die Freude, die er weckt, schaffen neue Kräfte, Menschen zu ertragen, auch die eigenen Kinder, die eigenen Geschwister. Menschen, die in Familienzusammenhängen leben, wissen, das ist oft schwer. Kinder und Geschwister sind eine Gabe des Herrn, aber sie sind nicht immer einfach zu ertragen, wobei ich nicht diskutieren möchte, an wem das liegt. Aber wenn wir zuallererst die Gabe Gottes sehen, kann uns das helfen, auch das Schlimme zu ertragen, auch die Schwierigkeiten auszuhalten, Versöhnung zu leben in die Zukunft. Versöhnung dort zu leben, wo sie gerade wichtig ist.

Von Mark Twain gibt es die schöne Geschichte, wie ein 17-Jähriger zu ihm kam und sich über seinen Vater beklagte, mit dem man nun wirklich nicht reden könne. Der Dichter erzählte ihm, dass es ihm mit seinem Vater ähnlich ergangen sei, als er 17 war. Als er 27 war, ging es halbwegs und mit 37, so Mark Twain, hat er sich so weit entwickelt, dass ich ihn sogar um Rat frage.

Manche Dinge brauchen Zeit – auch die Dreieinigkeit. Geduld und Zeit, dass sie sich entwickeln, dass ich mich ihnen annähere und mit der Erkenntnis auch die Geduld entwickle für mich, für meine Mitmenschen und für den Frieden Gottes, der mehr ist als meine Vernunft.

Ermutigung und Fürbitte haben wir nötig und Hoffnung und Begleitung für uns und alle, die zur Gemeinde zählen.

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