Gottes Geist weht, wo und wann er will

Liebe Schwestern und Brüder!

Ja, ja das Pfingstfest, das Fest des Heiligen Geistes, der eine Einheit mit Gott dem Vater und dem Sohn Jesus Christus bildet, ist das dritte der kirchlichen Hochfeste, neben Weihnachten und Ostern. 50 Tage nach Ostern wird es gefeiert, das Fest des Heiligen Geistes, das Fest der Kirchengründung. Aber wie arm an Bräuchen und Sitten ist dieses Fest!? An Weihnachten da feiern wir die Geburt unseres Heilandes. Da gibt es Geschenke und ein Krippenspiel. Alle sind wir fröhlich oder tun wenigstens so. Das Essen ist festlich, die Menschen sind festlich gekleidet und die Städte und Dörfer haben sich festlich herausgeschmückt. Und überall sind leuchtende Weihnachtsbäume in unseren Dörfern und Städten zu bestaunen.

Und an Ostern, da feiern wir die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Da gibt es Ostereier und Osternacht und natürlich auch leckeres Essen.

Aber an Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes und der Geburt der Kirche, eben diesem Pfingsten, da gibt es außer einem zusätzlich bezahlten gesetzlichen Feiertag, Familienausflügen, Kurzurlaub und den ersten langen Staus auf den Autobahnen nichts. Nicht einmal die Werbeindustrie hat sich etwas einfallen lassen, um uns zum Geschenkekauf zu verführen. Vielleicht hilft uns aber heute wenigstens die eine oder andere Tasse Kaffee, um uns den Tag zu verschönen. Am besten die "Krönung" von Jacobs oder Onko ‚der Festliche‘. Und jetzt erklärt uns Paulus auch noch mit dogmatischen Sätzen, d.h. mit festen Glaubenssätzen, was der Heilige Geist sei, welche Beziehung er zu Gott und Jesus Christus hat und warum er für uns nützlich ist? Ja, wenn der Apostel wenigsten etwas farbenfroher und bilderreicher vom Heiligen Geist erzählen könnte, statt uns hier mit dogmatischen Sätzen zu belehren! "So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind." Wer glaubt schon an die Verdammnis? Oder welche Macht soll die Sünde über uns haben? Und dann soll auch noch der Geist frei machen von der Macht des Todes? Was für einen Unsinn erzählt uns eigentlich der Apostel hier, höre ich die Spötter der Religion sagen.

<b>Verdammnis, Sünde und Befreiung vom Tod!</b>

Solche Ammenmärchen hat sich die Kirche, ja besser haben sich die Kirchenfürsten nur einfallen lassen, um uns einzuschüchtern und klein zu halten. Das ist Volksverdummung, Opium fürs Volk, Unterdrückung und heute würde man sagen Psychoterror oder Gehirnwäsche. Als moderner und aufgeklärter Mensch ist man autonom, d.h., man verwirklicht sich selbst. Am Allerliebsten denkt man dabei zuerst einmal an sich selbst. Ja, und die Religion und der Glaube, dass ist doch Privatsache. Dafür braucht man doch keine Kirche und schon gar nicht deren Heilsvermittler, so werden die Argumente von weniger kritischen Zeitgenossen weitergeführt. Beten und Gottes schöne Natur bewundern, kann man auf der Bodesruh auch. Dafür muss man nicht in den Gottesdienst hier in die Kirche gehen.

Liebe Brüder und Schwestern, sie werden diese oder ähnliche Argumente schon des öfteren gehört haben. Als Christen in der Welt sind wir auch der Welt und ihrer Kritik ausgesetzt. Christen sind auch nicht bessere Menschen als andere Menschen. Christen machen Fehler, Christen verletzten auch ihre Mitmenschen und Christen sind auch unversöhnlich. Das ist wohl wahr. Und auch zum Kirchgang und dessen Nutzen, will ich auch noch etwas sagen. Es mag wohl stimmen, dass ich Gottes schöne Natur bewundern kann und es stimmt bestimmt auch, dass ich zu Gott beten kann, wo und wann ich will, denn der Geist Gottes weht, wo und wann er will. Aber das ist noch lange nicht ein schlagkräftiges Argument, um nicht in den Gottesdienst zu gehen. Denn im Gegensatz zu denjenigen, die meinen Gott nur und ausschließlich in der Natur sehen zu können oder erleben zu können, bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass Gott durch seinen Heiligen Geist auf jeden Fall im Gottesdienst anwesend ist. Und dem möchte ich noch hinzufügen, dass die Kirche von Jesus Christus durch den Heiligen Geist gegründet wurde, um nicht jeden Einzelnen von uns mit seinem Glauben alleine zu lassen. Glaube beginnt beim Einzelnen, aber wird in der Gemeinschaft gelebt und gefeiert. Deswegen sind wir heute alle hier.

<b>Freiheit von der Verdammnis, der Sünde und Befreiung vom Tod!</b>

Liebe Schwestern und Brüder, der Apostel gibt uns eine große Verheißung und Zusage. Wir alle hier sind befreit von der Verdammnis und der Sünde. D.h., wir sterben nicht in ein Nichts. Wir werden, wenn wir sterben nicht nur verwesen und zu Skeletten werden – ja rein biologisch gesehen werden wir es- aber im Glauben sind wir neue Menschen geworden. D.h., die Macht des Todes regiert nicht mehr ausschließlich über uns.

Und nur um hier keinen Naivitäten Vorschub zu leisten, ich sage nicht, dass wir Christen keine Angst vor dem Tod oder der Macht der Sünde haben sollten. Das wäre unmenschlich. Ich sage mit dem Apostel, dass die ewige Verdammnis, das Nichts und die Hoffnungslosigkeit nicht unser Ende sind. Wir Christen sind durch unsere Taufe neue Menschen geworden. Wir haben durch unsere Taufe eine neue Form der Existenz gefunden. Wir leben im Geist, der uns Gerechtigkeit und Gnade zu spricht. Und der Apostel redet hier auch nicht von Kaloriensünden oder Verkehrstonne oder irgendwelchen katholischen Todsünden.

Sünde ist nach paulinischer und evangelischer Lehre, die bewusste Abkehr von Gott, d.h. bewusster Unglaube. Weiterhin zeigt sich Sünde darin, dass ein Mensch dem Hochmut verfällt und sich für etwas Besseres hält. Durch diesen Hochmut macht der Mensch sich zum Zentrum seiner selbst. Solche Menschen können alles, wissen alles. Eine dritte Form der Sünde ist die Begierde, dh. die Begierde einen anderen Menschen zu einem Objekt zu machen. Eben zum Objekt der Begierde und Lust. Solche Menschen werden nur noch von ihrer Gier und Lust getrieben. Und damit ist nicht nur Sexsucht gemeint. Die Gier alles zu besitzen alles Haben zu wollen kann auch der Wille zur Macht sein. Wie wir alle wissen, kann Macht korrumpieren.

Durch die Sünde entfremdet sich der Mensch von Gott, seinen Mitmenschen und von sich selbst. Die Sünde wird quasi zu einer Macht, die unser Denken und Handeln regiert und steuert.

Von dieser Sünde, der wir tagtäglich ausgesetzt sind, werden wir Christen auch regiert und deformiert. Manchmal hat sie einen mehr oder weniger im Griff. Aber sie ist immer in uns, denn die Sünde ist das Kennzeichen des Menschen. Und deswegen ist es auch Unsinn, wenn manche meinen, kleine Kinder und Säuglinge wären ohne Sünde. Ja, unschuldig im rechtlichen Sinne sind sie, aber nicht sündlos, denn in ihnen ist die Anlage zur Sünde. Sie werden einigen Tages sündigen, ob sie wollen oder nicht Martin Luther hat einmal gesagt jeder Mensch sei sowohl ein Sünder als auch gerecht vor Gott durch die Gnade Jesu Christi. Das ist die Summe der reformatorischen Erkenntnis und der evangelischen Kirchen. Jeder von uns ist peccator in re, iustus in spe. Wir sind in der Wirklichkeit Sünder, aber Gerechte in der Hoffnung, dh. durch unseren Glauben. Das alles meint Paulus, wenn er uns verheißt, dass der Geist dich frei macht von der Sünde und der Macht des Todes. Denn der Geist schenkt Befreiung und ein neues Leben. Ein Leben, das Trost schenkt. Ein Leben, das sich durch den Glauben nicht mit der Macht des Todes abfindet. Ein Leben, das einen neuen Anfang finden kann, wenn es in die Sackgasse geraten ist. Ein Leben, das nicht nur den Eigennutz als oberstes Prinzip hervorhebt, sondern von seinem materiellen und ideellen Reichtum abgibt. Dieser befreite Glaube macht sich dann nicht mit den Regeln der Welt gemein, sondern wird in der Gemeinschaft aller Christen gelebt.

Wir leben in dieser Welt und wir müssen die Gesetze dieser Welt respektieren, aber durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus müssen uns die Gesetze dieser Welt nicht beherrschen. Gott schenke uns die Kraft diesen Geistes, der in einem jeden von uns Christen wohnt, wie der Apostel schreibt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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