Freude auf Pfingsten

Freude auf Pfingsten – auf den Geist, der uns geschenkt wird, von dem wir aber nicht so genau wissen, was wir von ihm erwarten dürfen. Vielleicht ist darum in der Wirklichkeit von einer Freude auf Pfingsten nichts zu spüren. Dem Weihnachtsbaum, dem Osterei – und den Pfingststau auf den Autobahnen. Vielleicht schon fast ein Symbol: die Menschen fliehen vor diesem seltsamen Fest, von dem sie nicht so genau wissen, was es ihnen einbrockt.

Viele Menschen wissen: Pfingsten hat irgend etwas mit Kirche und irgend etwas mit Geist – gar Heiligem Geist – zu tun. Aber das Alles sehr vage und zugleich schuldbeladen: Da müsste man doch eigentlich mehr wissen.

Exaudi (Herr, höre meine Stimme! Psalm 27,7) heißt dieser Sonntag. Er will mir Mut machen hinzuhören, dass ich zwischen den Tausenden Stimmen, die an meine Ohr kommen, die höre, die wichtig sind für mich und mein Leben. Dass ich den Geist der Wahrheit, den Geist Gottes wirklich spüre, dass Pfingsten ankommt bei mir. Darum geht es Paulus auch im Römerbrief. Er schreibt Menschen, die er – im Wesentlichen – nicht kennt, aber mit denen er sich im Glauben verbunden weiß. Ihnen schreibt er, was ihm an Pfingsten wichtig ist:

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Wofür ist unsere Kirche eigentlich da? Eine kurze Befragung würde uns ein wenig weiter bringen: Da kommt der sozial-diakonische Bereich in Frage genauso wie das Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Da kommen die Neunkircher Tafel, die kirchlichen Kindergärten oder Sozialstation genauso wie der Pfarrer, der für Menschen da ist, die Probleme haben. Vielleicht auch der Hinweis auf Brot für die Welt, das Diakonischen Werk und andere Einrichtungen, die für Frieden in der Welt arbeiten.

All das zeichnet Kirche aus, macht aber nicht ihr wahres Wesen aus.

Das, was wir gerne als Erscheinungsform der Kirche wahrnehmen, der Einsatz für Schwache ist die Ergebnis, auf das wir stolz sein dürfen. Und dieses Ergebnis hat eine spezifische Basis. Dieses spezifisch-kirchliche ist der Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus Christus und seinen Geist der in der Kirche lebendig ist. Wo dieser Geist weht, das ist Vergebung von Schuld und das Gebet für die Menschen und für diese Welt. Wer Schuld vergibt und Fürbitte hält, der kann dann auch nicht anders, als gegen Umstände kämpfen, die Menschen schuldig werden lassen und für Verhältnisse eintreten, die der Fürbitte entsprechen. Das Tun kommt aus dem Glauben – nicht umgekehrt.

Im 8. Kapitel des Römerbriefes schriebt Paulus, dass sich die ganze Schöpfung – alle Kreatur danach sehnt, dass die Menschheit eine Andere wird. Es geht dabei auch um Fragen der Ökologie, aber vor Allem um die Frage nach dem Glauben der Menschheit. Die Frage, was denn zu halten sei, von Menschen, die an Gott den Schöpfer glauben, aber seine Schöpfung missachten und leiden lassen. Was bewirkt Euer Glaube, was bewirkt der Geist Gottes bei euch, ist die Kernfrage.

Im Mittelpunkt steht die Christenheit, die den Geist der Kindschaft und den Namen Abba für ihren Gott erhalten hat, damit sie ihn in kindlichem Vertrauen anrufen darf. ChristInnen sind schon gerettet in der Hoffnung. Sie haben die Liebe ihres Gottes und damit die Gewissheit, dass sie nicht tiefer fallen könne als in die Hände ihres Gottes.

Ihnen spricht Paulus seinen Trost zu: Gott sucht den Menschen, der nicht weiß, wie er Gott suchen soll. Er sucht den Menschen mit seinen Fehlern und seinem Versagen – gerade diesen Menschen. Sein Geist tritt auf die Seite derer, die sich nach der Erlösung sehnen.

Eine kleine Randnotiz bleibt für mich wichtig: Paulus redet hier nicht im Futur, sondern in der Gegenwart. Daraus folgert: Ihr seid etwas, ohne euch dafür anzustrengen – allein aus Gnade. Lebt das, was ihr seid. Für mich unglaublich tröstlich gerade im Zusammenhang dieses Textes, der manchmal daherkommt, als sei alles, was geschieht längst vorherbestimmt. Als hätte Gott meine Wege schon längst gebaut, bevor ich einen Schritt tue. Ich glaube etwas Anderes ist gemeint: Gott liebt mich bevor ich etwas dazu tun kann. Er hat sein Ja zu meinen Sein gesprochen, bevor ich dazu etwas sagen konnte. Er wird auch dort nach hinter mir stehen und mich tragen, wenn ich mein ziel verfehle.

Darum schenkt er mir den Zugang zu ihm: Ich darf ihn Abba nenne, Papa, lieber Vater. Ich darf mich voller Vertrauen ihm nähern auch dort, wo ich den Eindruck habe, dass nicht alles in meinem Leben richtig gelaufen ist. Er schenkt mir die Gabe des Gebetes, das auch dann noch ein gutes Gebet ist, wen es auch nur Geschwätz und Gestammel ist, weil Gott selber mir seine Gebetshilfe zur Verfügung stellt, den Geist, der aus meinem Geschwätz noch Lob Gottes machen kann.

Vers 28 ‚Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen,’ war mal ein beliebter Konfirmationsspruch und geistliche Allzweckwaffe unter der Überschrift ‚Wer weiß wofür es gut war. Ich muss nur ordentlich Gott lieben, dann dient mir alles zum Besten. Darum geht es aber nicht so platt, wie ich es eben ausgedrückt habe. Es geht wohl eher darum, dass ich im Glauben darauf vertrauen darf, dass Gott auch dort bei mir ist, wo ich leide, wo ich auf eine Operation warte oder Angst um einen lieben Menschen habe. Er lässt mich nicht im Stich, er ist bei mir auch in meinem Leid.

Freude auf Pfingsten – auf den Geist der uns geschenkt wird, von dem wir aber nicht so genau wissen, was wir von ihm erwarten dürfen. Eine Bresche schlägt da unser Text. Er hilft uns – er will uns helfen uns zu freuen auf diesen Geist, der uns stärkt im Glauben und in der Hoffnung: Vielleicht dürfen wir ja davon ausgehen, dass wir alle Berufene sind und so leben als vom Geist erfüllte StellvertreterInnen unseres Herrn Jesus Christus auf dieser Erde in der Schöpfung Gottes, in einer Gesellschaft, die immer weniger von christlichem Glauben wissen will und immer mehr nach der Durchsetzung des eigenen Ich fragt.

„Weck die tote Christenheit aus dem Schlafe der Sicherheit’ (eg 262,2), das haben wir vor der Predigt gesungen und es könnte ein Gebet sein für die Zukunft der Gemeinde und für unsere Zukunft, genau wie, wenn wir jetzt singen: Sprich Ja zu meinen Taten!

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