Von der Freiheit, für die sich zu leben lohnt

<i>[Anmerkung: Himmelfahrt ist in unserer Gemeinde ein Gottesdienst mit allen Jugendlichen, die an Pfingsten konfirmiert werden und ihren Familien. Darum werden sie auch besonders angesprochen.]</i>

‚Sitzend zur Rechten Gottes’, heißt es im Glaubensbekenntnis. Was das bedeutet war Thema im kirchlichen Unterricht. Ich habe nicht den Eindruck, dass das damals Erarbeitete auch wirklich angekommen ist. Bei Euch nicht und bei mir vielleicht auch nicht. Weil wir vielleicht im ganzen Leben nicht verstehen werden, was dieser Satz für uns bedeutet. Die katholische Kirche betont an dieser Stelle, wo kaum verstehbares Thema ist, gerne das ‚Geheimnis des Glaubens’ – und manchmal bin ich dankbar, wenn das Platz hat im Gottesdienst und im Leben der Gemeinde, dass ich nicht alles verstehe und nicht alles weiß.

Aber manchmal geht diese Aussage auch gegen mich. Ich mag das nicht – da höre ich diesen uralten Erwachsenen-Satz: Das verstehst Du nicht, halt einfach den Mund. Ich will mich mit solchen Denkverboten nicht abfinden auch dort nicht, wo ich spüre, dass die Aufgabe meine Möglichkeiten übersteigt. An dem Punkt bin ich, wenn ich über ‚Sitzend zur Rechten Gottes’ nachdenke oder über den Sinn von Himmelfahrt insgesamt. Ich will gerne verstehen oder zumindest ahnen worum es da geht. Und das alte Bild vom Sitzen zur Rechten Gottes, das wohl dem Bild des antiken Hofstaates mit seinen Beratern voraussetzt hilft nur bedingt.

Ich muss für mich selbst erst einmal verstehen, was das bedeutet, dass Gott zu Besuch auf dieser Erde war und sie wieder verlassen hat. Ist diese Erde nun gottlos, weil ER weg ist, oder hat diese Erde einen neue Qualität bekommen, weil sie in Christus Gott kennen gelernt hat.

Das Letztere glaubt wenigstens der Epheserbrief, wenn er in einem Lied bekennt:

[TEXT]

Was bedeutet Himmelfahrt für unseren irdischen Glauben. Der Hymnus erdet Christus, in dem er beschreibt, was Christus für seine irdische Gemeinde bedeutet. Er versucht vor 2000 Jahren eine Antwort, die wir vorhin mit einem Lied noch einmal betont haben: 123 Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig. Aber ich glaube nicht, dass das den meisten unserer Jugendlichen weiter hilft – und den Erwachsenen wohl auch nicht. Da gibt es so viele Begrifflichkeiten, die nur noch Altertumswert haben. Könige unserer Tage sind eher Grüß-Auguste oder Gewaltherrscher als Bilder für Jesus Christus. Wir müssen eigene Bilder finden, die uns weiter helfen und die in unsere Welt passen und die alten Bilder wollen uns dabei helfen.

Christi Himmelfahrt so wie ihn uns das Lukas-Evangelium in der Lesung geschildert hat, ist eben kein Weg nach oben, keine Abreise in weit entfernte Sphären. Jesus Christus bleibt derselbe als Kind in der Krippe als Mann am Kreuz als Herr seiner Gemeinde. Auch als ‚Wesir am Hofe Gottes’ bleibt er der, der gekommen ist, gerade denen zu dienen, die am Boden liegen, die zu Opfern werden in einer unmenschlichen Gesellschaft.

Himmelfahrt ist eines der beliebten biblischen Bilder, ein Bild aus jenen alten Zeiten als der Himmel noch geheimnisvoll und unerforschbar war. Ein Bild hinter dem die Botschaft steht von dem Herrn, der gekommen ist sein Volk zu besuchen und es nun verlässt, damit dieses Volk Gottes seinen Glauben als Erwachsene Gemeinde leben kann.

Eine alte Legende erzählt dazu: Als Christus zum Himmel aufgefahren war, fragten ihn die Engel, wie es den nun mit seinem Reich auf der Erde weitergehen solle. ‚Ich habe doch meine Jünger auf Erden’, antwortete Christus. Aber die Engel sahen, wie unbedeutend, wie schwach und wie verzagt die Jünger waren und fragten erschrocken: ‚Herr, hast du denn wirklich keinen anderen, keinen besseren Plan?’ Und Christus entgegnete: ‚Nein, einen anderen Plan habe ich nicht.’

Das ist das Phantastische. Mit uns schwachen, verzagten und unbedeutenden Menschen will Jesus sein Reich aufbauen. Er ist bei Gott um uns die Freiheit zu lassen unser Leben zu leben und seinen Willen Wirklichkeit werden zu lassen mit unserem Leben. Davon erzählt unser Lied, davon erzählt unser Feiertag: Von der Freiheit, für die sich zu leben lohnt.

Wir dürfen Botinnen und Boten dieses Königs sein, die in er Freiheit der Kinder Gottes, seinen Willen tun und Leben möglich machen. Das Bild des Königs war damals dasselbe wie heute das Bild des Politikers: Das Bild eines Menschen, der Macht verliehen bekommen hat, um zu herrschen und da zu sein für die, die in seinem Machtbereich leben. Jesus setzt uns ein als seine StellvertreterInnen auf Erden. Und das Fest, das wir heute feiern – Himmelfahrt – heißt: Er traut uns das zu,. Uns als Einzelpersonen und uns als Kirche. er traut uns zu, als seine Jüngerinnen und Jünger zu leben. Er traut uns zu seine Kirche zu sein im Gottesdienst, im Abendmahl und im Alltag.

Kirche lebt dort, wo sie sich von ihrem dienen lässt und wo sie bereit ist, ihm und den Nächsten, zu dienen im Mahl und im Alltag.

Die Ämter die diese Kirche zu verteilen hat, sind Himmelfahrtsämter. Ämter gegen die Kopflosigkeit, Ämter, die uns helfen, nicht nur ins Blaue zu starren. Das sind Ämter für alle, die sich berufen fühlen in seiner Gemeinde zu leben. Himmelfahrt öffnet den Blick zu den Menschen.

Himmelfahrt hilft uns, ihn König sein zu lassen und das in unseren Alltag einzubringen.

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