Suchen und fragen

Während seiner zweiten Missionsreise, im Sommer des Jahres 50 n. Chr., kommt Paulus nach Athen. Als er dort durch die Stadt geht ist er schon beeindruckt von den vielen Tempeln, Götterbildern und Altären, und auch die religiöse Kunst, die er hier wahrnimmt, scheint Paulus zu überwältigen. Aufgrund dieser Eindrücke stellt er fest, dass bei diesen Menschen eine Ahnung von Gott vorhanden sein muss.

Die Gesprächspartner des christlichen Missionars sind Philosophen, Stoiker und Epikuräer. Hier wird gelehrt, gebildet und diskutiert. Für Paulus eine ganz neue und schwierige Aufgabe, denn bisher hat er auf seinen Reisen nur Synagogen besucht und in diesen gepredigt.

In vielen Gesprächen über Gott mit Menschen anderer Religionen, Moslems, Buddhisten oder Hindus, höre ich immer wieder die gleiche Antwort: „Wir glauben alle an das Gleiche, auch wenn dies verschiedene Namen hat.“

Mit wem haben wir es dann eigentlich zu tun? Für viele Menschen und auch für uns heute, ist Gott ein nicht mehr bekannter und recht fragwürdiger Gott. Von Gott selbst haben auch wir nur noch eine Ahnung, dass er vorhanden sein muss.

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In Athen sieht Paulus die vielen Altäre, die zur Verehrung vieler Götter und auch für die verschiedensten Situationen des Lebens sind. Paulus sieht, dass die Menschen in Athen etwas brauchen, woran sie sich halten können. Sie brauchen für jede Sorge einen entsprechenden Altar, für jede Sorge einen passenden Gott.

Statt auf die Suche nach dem einen Gott zu gehen, der alle Fragen beantwortet und den ganzen Hunger nach Sehnsucht stillt, machen sich die Athener ihre Götter selber. Ähnlichkeiten mit der heutigen Zeit sind nicht zu übersehen. Denn auch wir verehren Götter, die ihren Platz haben, ja sogar Gottes Platz eingenommen haben.

Menschen haben ihre Altäre und ihre Opfer, sie haben eine Religion, von der sie gar nicht merken, dass es ihre Religion ist. Anstatt ihren Lebenswandel zu hinterfragen, nehmen sie für jedes körperliche und seelische Wehwehchen die passende Medizin.

Da gibt es für mehr oder weniger vordergründige Bedürfnisse allerlei Pillen und Dragées, die für äußere Schönheit und ein langes Leben sorgen. Für die tiefer sitzenden Wehwehchen gibt es Horoskope, Kupferarmbänder, Edelsteine und ähnliches.

Und da gibt es den Gott, der sich Disco, Kino oder Fernseher nennt. Da gibt es den Gott, der sich Auto oder Motorrad nennt, ein anderer heißt Computer, Internet, oder Drogen, gleich welcher Art ─ und wer will sie alle zählen unsere neuen Götter?

Mit wem haben wir es zu tun, wenn wir von Gott sprechen? Ist es wirklich immer der gleiche Gott, auch wenn er nur verschiedene Namen hat? Woher weiß ich denn, dass ich im Besitz der Wahrheit bin und die andern nicht?

Woran glauben wir? Wie gut kennen wir Gott, in dessen

Namen, die wir einst konfirmiert worden sind? Ist er für uns ein unbekannter Gott geblieben?

Gott, liebe Gemeinde, kann uns sehr fremd bleiben, obwohl unsere Sehnsucht nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden oft eine Sehnsucht nach Gott ist, ja, eine Sehnsucht nach dem allmächtigen und barmherzigen Gott, der es gut mit uns meint und der uns die Fülle des Lebens finden lässt.

Wir, die wir auf den Namen Jesu Christi getauft sind, haben bei unserer Konfirmation das Versprechen erneut gelobt, dass Gott der Schöpfer und Erhalter der ganzen Welt und allen Lebens ist. Er bedarf keines Tempels und auch keiner Opfer. Er hat die Menschen geschaffen. Durch seine Allmächtige Hand ist aus dem Nichts seine Schöpfung ins Dasein gerufen.

Doch wie können wir heute die gute Nachricht von Jesus Christus verbreiten, dass sie von unserer Nächsten und unserem Nächsten aufgenommen werden kann?

Die gute Nachricht von der Liebe Gottes, der uns Sünder annimmt, der uns hier und heute ein gutes Leben schenken will und bei ihm ein ewiges Leben. Wir sollen Gott suchen und ihn finden. Gott ist einer jeden und jedem von uns ganz nahe.

Der Sinn unseres Lebens ist, liebe Gemeinde, dass wir Gott suchen, ihn wahrnehmen und finden. Gott ist einem jeden von uns ganz nahe. Ja, in Gott leben wir. Nur wenige gibt es unter uns, die sich von dieser guten Nachricht begeistern lassen.

Die Predigt des Paulus vor den Philosophen in Athen, unser heutige Predigttext, kann unser heutiges Suchen und Fragen nach Gott in positive Aspekten entfalten und uns einladen zu vertrauendem Glauben, an Gott unseren Schöpfer, an Jesus Christus, unseren auferstandenen Herrn, und an Gottes Heiligen Geist, der die Herzen der Menschen zu wandeln vermag.

Dass wir dieses hier erfahren dürfen und dass wir dieses hier und auch unseren Nächsten herüberbringen dürfen, das wünsche ich uns allen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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