Weißt du, wie viel Sternlein stehen?

„Wenn Sie Vorgesetzte überzeugen und Geschäfte erfolgreich abschließen wollen, gäbe es kaum einen besseren Zeitpunkt als jetzt.“

Das, liebe Gemeinde, ist mein Horoskop aus den „Kieler Nachrichten“ von gestern. Mein Sternzeichen ist „Schütze“ – also, wenn noch jemand hier zwischen dem 23. 11. und 21.12. geboren ist – aufgemerkt! Und beeindrucken Sie Ihre Vorgesetzten und schließen Sie schnell noch irgendwelche Geschäfte ab.

Das alles ist zugegebenermaßen etwas wage formuliert. Aber wir alle wissen, dass dies natürlich Absicht ist. Irgendwas passt schließlich immer.

Wer es genauer haben will, der muss für die Berechnung bei einem astrologisch geschulten Menschen dann den Stand irgendwelcher Aszendenten mit einbeziehen lassen. Und diese Berechnung hat dann wiederum direkten Einfluss auf den Stand des eigenen Bankkontos.

Ich persönlich weigere mich, an die Macht der Sterne zu glauben. Dass einer nicht so gut verlieren kann und eine Begabung für südländische Sprachen hat, dass eine gut kocht und am liebsten blaue Halstücher trägt – das ist so, weil er „Steinbock“, weil sie „Widder“ ist?! Ich bitte Euch und Sie – das kann doch nicht unser Ernst sein …

Einen Blick in die Sterne – allerdings von anderer Art – den hat ein Mensch vorgenommen, den wir den „zweiten Jesaja“ nennen oder auch „Deuterojesaja“. Seine Worte sind uns im 40. Kapitel des Jesajabuches überliefert. Und wenn dort, gleich im ersten Vers, von einem „Heer“ die Rede ist, dann bitte ich in Gedanken „der Sterne“ zu ergänzen, denn darum geht es. Der Text insgesamt lautet:

[TEXT]

Wer schon einmal in einer sternenklaren Nacht unter dem weiten Himmelszelt gestanden hat – ich denke, die oder der bekommt schon eine Ahnung von Weite und Größe und Vergänglichkeit …

Deuterojesaja schaut hinauf in den Sternenhimmel. Und fordert seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf, es ihm nachzutun. Hebt eure Augen in die Höhe und seht: Wer hat all dies geschaffen?

Zu wem sagt er das?

Er spricht zu Menschen, die klagen, die sich von Gott verlassen fühlen.

Diese Menschen, es sind Verschleppte, Deportierte aus Juda und Jerusalem. Sie sitzen an den Wassern Babylons und weinen. Auf den Zusammenhang mit einem Hit von Boney M. bin ich vor einigen Wochen schon einmal eingegangen – mache ich jetzt nicht.

Die Menschen dort also tief verzweifelt. Steht ihr Schicksal in den Sternen? Sie wissen es nicht.

Aber was sie begreifen ist dies: die Supermacht Babylon, eine Weltmacht, in der ein Gemisch aus Astronomie und Astrologie durchaus eine wichtige Rolle spielt – dieses Babylon hat gewonnen. Hat gewonnen gegen ihren Gott. Muss ja so sein, denn sonst säßen sie nicht da, wo sie jetzt sind.

Hebt eure Augen in die Höhe und seht: Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt., sagt der Prophet.

Sagt es und macht damit ganz deutlich, wer hier der Stärkere ist. Denn wenn die einen sich auf das verlassen, was der andere geschaffen hat – welcher Gott ist dann wohl mächtiger?

Eine ernsthafte Frage ist das nicht – und die Männer, Frauen und Kinder, die damals zugehört haben, haben es bestimmt begriffen.

Dieser Prophet, der hatte es wirklich raus. Er hat es geschafft, den Verzweifelten und am Boden Zerstörten neuen Mut und neue Hoffnung einzuflößen.

Und das durch seinen Hinweis auf den Gott, der genau weiß, wie viel Sternlein stehen – weil er sie nicht nur gezählt, sondern eben auch erschaffen hat. So war das.

Und jetzt, liebe Gemeinde am ersten Sonntag nach dem Osterfest, jetzt fehlt uns noch der Weg vom „So war das!“ zum „So ist das!“

Was hat der Text mit uns zu tun?

Gott hat neue Hoffnung gemacht durch seinen Propheten, den zweiten Jesaja. Hat Hoffnung gemacht in schier auswegloser Situation. Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. – das kann ich auch heute noch gut hören.

Und uns Christinnen und Christen ganz besonders hat Gott ebenfalls Hoffnung gemacht in schier auswegloser Situation, in tödlicher Bedrohung. Der Tod, der unser Leben bedroht, wird nicht das letzte Wort haben. Dieser Hoffnung haben wir uns versichert und sie wieder einmal gefeiert am vergangenen Wochenende.

„Wenn Sie Vorgesetzte überzeugen und Geschäfte erfolgreich abschließen wollen…“ erinnern Sie, erinnert Ihr euch an den Predigteinstieg? Ja, ich gebe es zu, aus Amüsement lese ich so manches Mal das, was für mich eintreffen soll, weil ich vom Sternzeichen her Schütze bin.

Was ich aber noch nie im Horoskop gefunden habe – nicht bei „Schütze“ und auch bei keinem anderen Tierkreiszeichen – das ist die folgende Prophezeiung: „Wenn Sie eines Tages gestorben sind, werden Sie nicht tot bleiben. Stattdessen werden Sie auferstehen und das ewige Leben haben.“ Und dieser Trost ist nicht Lichtjahre weit entfernt, ist nicht ganz weit oben und darum weit weg. Sondern ganz nah dran, seit Gott Mensch geworden ist. Und darum werden diejenigen, die ebenfalls auferstehen werden, zahlreicher sein als die Sterne am Himmelszelt.

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