Gott ist mittendrin

Liebe Gemeinde,

so ändern sich die Zeiten. Für Petrus war völlig klar, was Ostern, Jesu Auferstehung für sein Leben bedeutet. In ganz wenigen Worten fasst er hier seinen Glauben zusammen. Taufe, Heiliger Geist, Jesus tat Gutes, heilte Leib und Seele, wurde ans Kreuz gehängt starb ist auferweckt, auferstanden von den Toten und hat den Auftrag gegeben zu predigen. Wer an ihn glaubt, empfängt Vergebung der Sünden.

Heute kann man sicherlich nicht mehr so ohne weiteres voraussetzen, dass alle wissen, welchen tieferen Sinn das Osterfest und Karfreitag haben. Trotzdem ist Ostern ist in aller Munde: Osterfeuer und Ostermärkte, Ostereier und Osterhasen werden viele angeboten. Schlagzeilen hat vor allem das Mitternachtsshopping an Gründonnertag gemacht.

Der „Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, hat einen "fantasielosen und gleichgültigen" Umgang mit Feiertagen beklagt. In weiten Teilen der Gesellschaft würden Tage wie Gründonnerstag oder Karfreitag dem "Einheitsbrei des Alltags" immer ähnlicher gemacht, erklärte Steinacker am Dienstag in Darmstadt.

Menschen brauchten den Wechsel von Arbeits- und Feiertagen, betonte der Kirchenpräsident. "Unsere Gesellschaft verarmt, wenn sie alle Tage gleich werden lässt. Wir gehen an unseren Lebensmöglichkeiten vorbei, wenn wir nur noch zwei Lebenszustände kennen: Geld verdienen und Geld ausgeben."

Warum kommt jemand auf die Idee ein Mitternachtsshopping in der Nacht auf Karfreitag anzubieten? Weil er sich gute Geschäfte erhofft, Menschen, die aus Langeweile einkaufen gehen oder die noch schnell eine Geschenk für Ostern brauchen, wäre doch toll für die Wirtschaft, wenn Ostern genauso ein Geschenkefest würde wie Weihnachten.

„Oh, ich kauf mir was, Kaufen macht soviel Spaß. Ich könnte ständig kaufen gehen“ (Herbert Grönemeyer, Kaufen 1983) so wünscht man sich den perfekten Kunden.

Hat eigentlich jemand auch an die Menschen gedacht, die an diesen zusätzlichen Ladenöffnungszeiten arbeiten müssen? Soll denn jeden Tag Werktag sein? Bemisst sich der Wert eines Menschen danach, wie oft und wie lange er arbeiten kann? Am besten 7 Tage die Woche im Schichtbetrieb, damit noch mehr Gewinn gemacht wird – nur dann ist der Mensch sein Geld wert, das er verdient.

Der Mensch als Kunde oder als Arbeiter, wenn das alles ist, dann bleibt nur Geld verdienen oder Geld ausgeben.

Zeit für Freunde, Zeit für die Familie, Zeit für den eigenen Glauben und für Gott?

Ja, ist der Mensch denn nur etwas wert, wenn er genug einkauft und Geld ausgibt? Bist du soviel wert, wie dein Handy? Oder soviel wie dein Auto?

Was ein Mensch wert ist, hängt davon ab, mit welchen Augen man ihn betrachtet:

Ein Chemiker würde sagen: Ein Mensch das sind ca. 50 Liter Wasser, 16 Kilo Kohlenstoff, 4,5 Kilo Sauerstoff und 1,5 Kilo Stickstoff. Nicht gerade wertvolle Bestandteile.

Die Versicherung würde sagen, die Kranken, die kosten nur Geld, wertvoll sind nur die Gesunden.

So kann man leben und denken, muss man aber nicht. Wir Christen haben eine andere Botschaft! Und Petrus hat Recht, wir sind beauftragt sie weiterzugeben.

Mit Gottes Augen betrachtet ist der Mensch sehr viel mehr wert als seine Leistung oder sein Besitz. Gott sagt uns zu: du bist mein Geschöpf d.h. so viel wie – du bist mein geliebtes Wunschkind.

Gott sagt: Ich bin bereit, dich dein Leben lang zu begeleiten, komme, was da wolle. Ich lasse dich nicht im Stich. Ob Du arbeitslos wirst, kein Geld hast, ob du krank bist oder richtig schwere Fehler gemacht hast – ich halte zu dir, ich schreibe dich nicht ab.

Das hat Gott in der Taufe versprochen.

Sogar in Sterben und Tod lässt Gott uns nicht allein. Vielmehr will er uns in ein neues Leben holen, wo unser Wert nicht von Leistung, Besitz, Gesundheit oder Berühmtheit abhängt. Niemand muss Superstar oder Topmodell werden.

Das hat Jesus Christus mit seinem ganzen Leben gezeigt. Er hat von Gott erzählt als liebevollem Vater, dessen Liebe größer ist als sein Zorn. Er hat die den Kranken gesund gemacht, nicht nur körperlich, sondern auch an ihrer Seele. Er hat sich den Armen und den Verachteten zugewandt. Gerechtigkeit, Frieden, Nächstenliebe und Glaube hat er vorgelebt. So konsequent, dass er sich weder von Macht, Politik noch Geld verbiegen ließ. So konsequent, dass er sich nicht mit Gewalt gegen seine Feinde gewehrt hat.

Weltlich könnte man sagen, er ist für seinen Glauben und für seine Überzeugung in den Tod gegangen.

Aber Jesus ist mehr als ein vorbildlicher Mensch.

Er hat den Tod auf sich genommen, um Hoffnung und Zukunft zu bringen, wo Menschen verzweifeln. Er hat den Tod, Schmerz und Verachtung auf sich genommen, damit niemand mehr einsam und gottverlassen sein muss. Unser Gott weiß, wie man sich dann fühlt. Er steht nicht über den Dingen, er ist mittendrin.

Ja, er kennt sogar die Trauer um das eigene Kind.

Unser Gott ist nicht fern in der Höhe des Himmels.

Christus lässt einen Menschen auch dann nicht fallen, wenn er Schuld auf sich geladen hat. Das, was wir uns selbst nicht verzeihen können, was wir nicht wieder gut machen können, was uns jeden Tag wie ein Stein auf dem Herzen liegt, er nimmt die Last wie ein Kreuz auf seine Schultern.

Und er hat sogar Macht über den Tod. Jesus wurde am dritten Tag auferweckt von den Toden bezeugt Petrus. Schon damals war das umstritten, das hätte den Römern so in den Kram gepasst, wenn sie diesen Christen hätten nachweisen können, dass sie den Leichnam Jesu aus dem Grab gestohlen hatten.

Auferstehung lässt sich nicht beweisen aber auch nicht hieb und stichfest widerlegen. Es gibt mehr als wir sehen können. Es gibt mehr als unser Verstand fassen kann. Und Gott ist soviel größer und mächtiger als alle unsere Vorstellungen von ihm.

Ostern kann zum Wendepunkt im eigenen Leben werden. Ostern kann eine neue Sicht auf das Leben eröffnen.

Ostern sagt uns: Du bist geliebt und wertvoll. Gott lässt dich nie im Stich. Wenn du dich ihm anvertraust, hilft er dir Schuld, Krankheit und Verzweiflung zu tragen. Christus sagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt wird leben auch wenn er stirbt.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Und der Friede Gottes …

drucken