Ostern eben!

Liebe Ostergemeinde,

eben noch hieß es: Es ist aus. Er ist tot!

Blitzschnell hat sich die Nachricht vom Tod Jesu im ganzen Land verbreitet. Das war damals nicht anders als heute. Schlechte Nachrichten verbreiten sich zigfach schneller als gute: Hoffnungslos, der wird nicht wieder! Den kannste vergessen. Aus die Maus!

Schon wenige Stunden später hat es so gut wie jeder gewußt und manche bang gefragt: Und was wird nun? Wie soll es weitergehen?

Nichts geht mehr! Der hat den Löffel abgegeben. Ins Gras gebissen, als er am Keuz hing! Ende, aus, vorbei!

Die kurze Zeit der Hoffnung ist vorbei gegangen wie Nichts. Und Nichts würde sich ändern. Der Silberstreif am Horizont hat sich als Fata Morgana entpuppt.

War es nicht so? So wie immer? So wie am Ende jedes Tages eine lange Nacht wartet und am Ende des Lebens der Tod?

Sie haben ihn totgesagt. Wie sie all die anderen totgesagt haben, die nicht mehr da waren. Wie wir die tot sagen, von denen wir Abschied nehmen: Vielleicht war es das so beste, eine Erlösung. Damit müssen wir fertig werden. Wir werden es schon schaffen. Das Leben muss ja weiter gehen.

Welches Leben? Ohne ihn!

Und dann das!

Auf die schlechte Nachricht folgt schnell die gute, von erschrockenen Frauen erzählt: Er ist auferstanden von den Toten ! Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Ostern, liebe Gemeinde, die Gute Nachricht:

Das Leben geht weiter! Welch ein Leben! Mit ihm!

Der Schriftsteller Peter Bichsel erzählt eine schöne kleine Geschichte, überschrieben ist sie mit: Tragen

Ihres Charmes bewußt bewegte sie sich den ganzen Tag in ihrer Lieblingsbluse, der bläulichen mit dem Rundkragen, schlug ein Bein übers andere, den Notizblock auf dem Knie, und stellte sich vor, wie der Rundkragen über das Deux Piece in Anthrazit fällt.

Abends erschrak sie vor dem Spiegel, als sie sah, daß sie den ganzen Tag die weiße getragen hatte mit den Spitzen und dem großen Auslegekragen.

Da lacht sie.

Auch wenn es ihr kein Trost war, daß sicher niemand bemerkt hatte, daß sie sich einen ganzen Tag falsch bewegt hatte.

Kleider machen Leute, liebe Gemeinde! Auch Kleider, die wir im Geist anziehen wie die Geschichte beweist:

Ihres Charmes bewußt bewegte sie sich den ganzen Tag in ihrer Lieblingsbluse, der bläulichen mit dem Rundkragen, schlug ein Bein übers andere, den Notizblock auf dem Knie, und stellte sich vor, wie der Rundkragen über das Deux Piece in Anthrazit fällt.

Ostern anziehen, im Geist!

Wie eine Lieblingsbluse, ein Lieblingskleid oder einen Lieblingsanzug.

Ostern wie einen Schlips umbinden oder wie eine neue Frisur tragen. Wie neue Nike´s, wie ein T-shirt von Adidas.

Ostern etwas aus uns machen lassen, liebe Gemeinde! An Ostern etwas aus uns machen.

Ostern, die Gute Nachricht tragen! Wie eine Lieblingsbluse, wie einen Lieblingsanzug, wie die Nikes oder das Adidas-T-shirt!

Ostern in die Welt tragen: Totgesagte leben länger.

Werden sie es merken, dass ich Ostern angezogen habe, dass ich mich richtig bewege im österlichen Gewand, geschückt, innen und aussen? Und wer zuerst?

Woran werden sie es merken? Morgen früh, am Ostermorgen, Ostersonntag?

Weil ich strahle, mehr lache, freundlicher bin, mich ihnen zuwende? Mutiger bin, zuversichtlicher, lebendiger, menschlicher, nicht völlig verändert, Wunder geschehen selten in unserer Welt, aber ein kleines Wunder ist vielleicht geschehen, ein bißchen Wunder, ein bißchen Ostern, und manchmal auch etwas mehr davon!

Ostern, die Gute Nachricht: Totgesagte werden lebendig, Totgesagtes wird auferweckt!

Ostern eben!

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