Kraft in den Schwachen

Wer gewählt wird, hat Macht, wer triumphiert ist der Beste. Darum geht es nicht nur in der Politik. Auch bei Wahlen in der Kirche, bei zum Presbyterium ist das ein geheimes Unterthema. Wer gewählt wird, bekommt Macht, kann etwas bewegen. Der biblische Text, der zufällig zu diesem Sonntag gehört, beleuchtet eine Seite dieser Macht.

Da war einer, der hatte den größten denkbaren Erfolg, der stand auf dem Olymp – Elia. Er hatte allein gestanden gegen die Ballspriester der Königin Isebel, er hatte sie herausgefordert und hatte gesiegt. Sein Gott hatte sich als stärker als alle ihre Magier erwiesen und alles schien sonnenklar. Bis er gemerkt hat, wie wenig dieser Erfolg bewegte. Er ist auf dem Gipfel und er ist müde, weil ihn eben dort der Alltag wieder eingeholt hat und der Traum, dass alles so einfach ist, zerplatzt.

[TEXT]

Der Prophet hat das Leben satt. Vor allem aber das Leben im Dienst seines Gottes. Er sieht keine Zukunft mehr, keine Chance auf Erfolg. Er ist lebensmüde, gottesmüde. Seine Frustration drückt sich aus in dem Satz ‚ich bin nicht besser als meine Väter’. Er steigt vom Berg hinab und entdeckt, dass er wie seine VorgängerInnen im prophetischen Amt scheitern muss.

Elia hatte wie ein richtiger Sieger ausgesehen – nun fühlt er sich als Verlierer.

Elia ist der Prophet Gottes (JHWH). Er kämpft gegen die Stadt Jerusalem und gegen die Krone, die die Bindung an den Gott des Bundes verloren haben. Trotz seines Etappensieges auf dem Karmel hat er verloren – das muss er erkennen. So einfach sind Menschen nicht zu gewinnen. Es gibt keinen Sieg nach der Tötung der fremden Priester. Es kann keine Sieg der Sache Gottes geben, für den so viel Blut geflossen ist.

Der Bund Gottes lässt sich nicht zementieren mit dem Blut derer, die Gott lästern. Dieser Sieg schafft nur Depressionen: Es ist genug – ich kann nicht mehr – ich will nicht mehr. Lass du mich wenigstens sterben, damit ich nicht durch die Hand meiner / Deiner Feinde sterbe.

Es ist wohl weniger die Furcht vor dem Racheakt der Königin Isebel, die Elia zur Depression treibt (was sollte sie dem tun, der gegen 450 Baalspriester besteht), als vielmehr die Enttäuschung, dass jetzt nicht ein glanzvoller Sieg der Sache Gottes steht. Seine Erwartungen an den Sieg Gottes werden nicht erfüllt. Er hatte eine Traum vom Reich Gottes, das nun aufgebaut werden könnte. Er sah einen Weg und erkannte nun, das es ein Holzweg ist.

Jetzt hat er es plötzlich satt: die Menschen, seinen Auftrag und auch Gott. Er kann nicht mehr, weil er erkennen muss, dass auch das mächtigste Zeichen und auch das blutigste Dreinschlagen nichts vermag. Die Menschen sind unbelehrbar. Auch das Kreuz Christi hat nicht einfach bekehrt, es hat die Menschen gespalten. In dieser Resignation geht er zu Gott mit einer letzten Bitte: Lass mich sterben, denn ich bin nicht besser als die vor mir. Nicht das Versagen der anderen sein eigenes Versagen bringt er vor Gott.

Er ist müde, lebensmüde, gottesmüde. Er spürt nur noch Leere in sich. Alles hat ihn so maßlos enttäuscht: das Leben, Gott, die Menschen.

Und gerade diese Müdigkeit bringt ihn in Bewegung. Er wird aktiv, erst einmal weil er nur noch weg will und sterben will, dann weil ihm der Engel des Herrn seelsorgerlich begegnet mit Brot und Wasser und ihn zu einem neuen Aufbruch bewegt.

Es ist eine große Bewegung, die zu seiner Rückkehr ins Leben und eine Gottesschau der besondern Art führt. Ein großer Aufwand, der sich letztendlich um das erste Gebot dreht, das es durchzusetzen gilt. Er muss lernen, Gott Gott sein zu lassen und Gottes Wege zu akzeptieren. Er muss erst dem wahren Wesen Gottes begegnen. Er hatte gemeint, das wäre die Bluttat am Karmel gewesen, aber die war es nicht.

In den leisen Tönen, dem Säuseln des Windes begegnet ihm Gott. Elia muss erst einmal lernen, dass machtvolle Demonstrationen nicht die eigentliche Sache Gottes sind, sondern nur eine Seite Gottes.

In seiner Gottesschau wird deutlich: Gott ist nicht in der Demonstration von Kraft zu erkennen, sondern in der Schwachheit, wie Paulus sagt: 2. Korinther 12,9: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Vielleicht wichtig auch für die Menschen, die wir heute wählen, dass keine Wahl sie zu großen Bewegern macht, sondern dass der Geist Gottes sie zu Bewegten machen will, die sich bewegen lassen, mit den Menschen, die Gott ihnen zur Seite stellt eine Gemeinde zu bilden, in der die Güte Gottes, die Kraft, die in den schwachen mächtig ist, lebendig bleibt.

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