Geiz ist eben keine Tugend

Liebe Gemeinde, heute denke ich,

manchmal ist es fürchterlich,

wenn man sich den Predigttext für heute ansieht,

weiß man nicht wie einem grad geschieht…

Ihr werdet es gleich selber hören,

doch vorher muss ich es beschwören,

die Auswahl ist nicht mein Vergehn –

das werdet ihr jetzt selber sehn!

Über Jesajas Worte soll ich predigen…

Das war, „weiß Gott“, nicht leicht zu erledigen.

Doch hört nun was uns sagt Jesaja

Kapitel 58, 1 – 9a.

Gott sprach: Jesaja halte dich ran,

und klage meine Leute an!

Schrei so laut wie eine Posaune,

verdirb ihnen die gute Laune!

Sie fragen mich tageintagaus,

„Wann holst du uns aus dem Schlamassel raus?“

Sie sagen, sie tragen alle Lasten,

würden alle brav auch fasten.

Es stimmt, sie fasten jeden Tag,

doch sie ändern nicht was ich nicht mag.

Sie machen was sie immer tun,

quälen, die Armen ohn’ auszuruhn,

streiten und schlagen sich halb tot,

helfen keinem der in Not.

Zwar sitzen sie in Sack und Asche,

und leeren keine einzige Flasche,

dabei jammern sie rum und horten ihr Geld,

glaubt ihr, dass mir so was gefällt?

Nein, Fasten so wie ich es mag

bringt dem Armen nen Feiertag.

Drum: Macht endlich jene zu euren Gästen,

die ihr sonst nie einladet zu euren Festen.

Gebt jenen zu Essen die keines haben,

schenkt ihnen die Hälfte eurer Gaben.

Gebt ihnen Kleider und ein Zuhaus –

das macht richtiges Fasten aus.

Dann strahlt euer Glück wie die Sonne hell,

und eure Wunden heilen schnell.

Wenn man euch an guten Taten erkennt,

weiß man, warum ihr euch gottesfürchtig nennt.

Ruft ihr mich dann an jedwedem Ort,

antwort ich euch, ich versprech es, sofort.

„Hier bin ich“ rufe ich euch zu,

und das spürt ihr dann im Nu.

Ja, wenn ihr Keinen unterdrückt,

wenn ihr nie den Finger zückt,

um über andre Spott zu treiben-

dann kann ich euer Fasten leiden!

Soweit geht heut der Predigttext,

den ich in Reime übersetzt.

Ich hoffe ihr habt`s all kapiert,

worüber sich hier Gott mokiert.

Es geht im Text ums richtige fasten,

Mal ehrlich – warum solln wir uns damit belasten?

Ist denn heut Aschermittwoch schon,

dass ich euch damit nicht verschon?

Könnt es heute nicht was Lustiges sein,

so wie die Geschichte in Kana mit dem Wein,

die Bibel hat doch wohl nettere Sachen,

denn heute wollen ja alle lachen.

Aber die Bibel bietet nun mal,

keine leichte Kost – auch nicht an Karneval.

Doch keine Sorge, werdet nicht bang.

Ich predige weder zu streng noch zu lang.

Und sind wir alle mal ganz ehrlich,

wann passt der Text denn sonst für ne Predigt?

Am kommenden Mittwoch ist es soweit,

es beginnt die Fastenzeit.

Vorher wird gefeiert, geschunkelt, gelacht.

Weil es uns viel Freude macht.

Und auch Gott hat daran gefallen,

naja, man muss ja nicht grad lallen,

doch freut er sich, wenn wir heut ausgelassen,

Kamelle sammeln in den Gassen.

Gott freut sich an Narren und Jecken,

dass lässt sich auch in der Bibel entdecken.

Der heutge Text sieht andres vor-

Doch leiht mir trotzdem euer Ohr!

Denn schaun wir auf unsern Text zurück,

dann erkennen wir mit klarem Blick,

was Gott hier an uns kritisiert

und welche Schwächen er anvisiert.

Es geht, wie sollt es anders sein,

mal wieder um den schönen Schein.

Um Menschen, die so tun als ob,

und die dabei, nicht selten grob.

Ich denke da an viele Leute,

die wag ich nicht zu nennen heute,

die sich nach außen geben fromm wie ein Lamm,

doch alle anderen scheren über einen Kamm.

Verurteilte Politiker sind plötzlich reine Engel,

wollen harten Strafen schon für kleine Bengel.

Machen sich zu Saubermännern der Nation

und nutzen ihre verbale Munition,

um Menschen gegen Ausländer aufzuhetzen

indem sie deren Würde verletzten.

Mich widern solche Leute an

die den Rassismus feuern an.

Justitia heißt es, die sei blind,

doch dann erklär mir mal geschwind,

wie einer, der uns um Millionen betrog,

der uns nach Strich und Faden belog,

nun wieder in Amt und Würden sein kann,

während ein fremdländischer junger Mann,

der klaut und in einen Laden einbricht,

verurteilt wird von einem Gericht,

unser Land zu verlassen Richtung Türkei,

und dabei ist es einerlei

ob er nen deutschen Pass hat oder nicht-

das fällt hier nicht mehr ins Gewicht.

Nein, bei uns darf man nur sein,

wenn das Führungszeugnis rein.

Doch wehe wer es wagt zu fragen,

was die Politiker auf dem Kerbholz haben.

Nein, wer bei uns nicht verurteilt werden will,

der muss betrügen und zwar im großen Stil,

denn erst bei Gaunereien um Millionen,

wird man dich vor dem Knast verschonen.

Nicht, dass wir uns falsch verstehn,

wer Unrecht tut, muss dafür gerade stehn.

Doch bevor, um rechte Stimmen zu gewinnen,

Politiker in rechte Parolen einstimmen,

sollen unsere mächtigen Mannen

nachdenken, vor welchen Wagen sie sich spannen…

Mir fallen auch noch andere ein,

die auch schon mal im Fernsehn wein’,

um unsre Radler und Athleten,

die dieses Jahr uns ungebeten,

vor laufender Kamera ihr Doping zugaben,

dabei aber nicht vergaßen zu sagen,

dass sie heute alle ganz sauber sind –

ja klar, das glaubt doch jedes Kind!

Nun will ich nicht sagen, ich würde nie lügen,

aber gemessen mit diesen Betrügen,

empfinde ich meine Notlügen verschwindend klein,

der Grund dafür mag jener sein,

dass ich mich nicht vorher vor Millionen hinstell

und ihnen ganz empört erzähl,

dass Doping hätte bei mir null Chance –

und dann bei der nächsten Tour de France

ganz plötzlich oben auf dem Treppchen steht

doch da hats die jetzt alle ja runtergeweht.

Sag mir noch mal jemand was vom sauberen Sport –

Also ich wußt es schon immer: Sport ist Mord.

Darum begnüge ich mich mit der Sportart Nummer 1

Zusehen bei ARD, ZDF oder Sat 1.

Schon wieder bin ich abgeschweift,

mir scheint, das ihr es nun begreift,

der Jesajas Text ist keine leichte Nuss,…

auch wenn es weiter gehen muss.

Drum schärfen wir nun den Blick,

und schauen zu Jesajas Worten zurück.

Dort geht es um Menschen, die zwar fasten,

die aber nicht aufhören andere zu belasten.

Denn Gott geht es beim Fasten und Gebet,

nicht um einen neue Diät.

Es geht nicht darum möglichst bedröppelt zu sein,

oder darum sich mies zu fühlen oder klein.

Nein, weder der, der viele Pfunde verliert,

noch der, der nur auf seine Fehler stiert,

fastet so wie Gott gedacht,

denn der will, dass man sich Gedanken macht,

und zwar wie wir Menschen mit anderen umgehen,

ob wir beim andern nach dem rechten sehen,

erkennen, wo einer uns dringend braucht,

bevor er in Depressionen abtaucht.

Ja, Gott sieht mitten ins Herz hinein

und erkennt genau wie ich es mein,

ob mich wirklich ändern will,

oder nur auf die Pfunde schiel.

Denn Fasten hat nur dann was mit Gott zu tun,

wenn wir uns nicht auf unseren Lorbeern ausruhn.

Wie das im richtigen Leben geht,

hat uns ja Jesus vorgelebt.

Er ist zu jenen hingegangen, die andre an den Rand gedrängt.

Er hat mit den Menschen geredet und ihnen Brot und Zeit geschenkt.

Und er hat mit ihnen gefeiert und gelacht,

und sicher auch mal ne Nacht durchgemacht.

Drum haben andere ihn auch Fresser und Säufer genannt,

die Miesepeter hatten nicht erkannt:

Jesus war ein fröhlicher Mensch-

und kein verkniesteter alter Mönch!

Darum gefällt mir in diesem Jahr

auch die Aktion „7 Wochen ohne“ so wunderbar.

Denn das Motto hat seinen Reiz,

heißt es doch: „7 Wochen ohne Geiz“

Denn Geiz ist nicht geil sondern nur ekelhaft,

und gehört meiner Ansicht nach abgeschafft.

Denn wer den Geiz zu seinem Lebensmotto macht,

bei dem wird immer nur an sich selbst gedacht.

Der spendet nicht für Menschen in Not,

sieht immer nur zu viele im Boot,

der betrachtet Menschen mit Harz 4

als Sozial- Schmarotzer hier.

Doch wer sich mal die Mühe macht,

und schon mal bei sich bedacht,

wie er damit sein Leben könnt bezahlen,

der würde nie wieder damit prahlen,

dass bei uns keiner hungern muss-

schaut doch mal hin, denn das ist Stuss!

Gerade Kindern geht es schlecht –

das ist mehr als ungerecht!

Darum gilt es dazu nicht zu schweigen,

und jeder muss es endlich zeigen,

auf wessen Seite man wirklich ist,

ob man zu Recht nennt sich nen Christ!

Wenn in dieser Fastenzeit,

du zum fasten bist bereit,

dann faste also nicht nur Cola, Schokolade oder Bier,

sondern denke an die Menschen neben dir,

die freuen sich über das, was du verschwendest,

wenn du dich ihnen mal ganz zuwendest.

Am besten schenkst du ihnen Zeit

und deine ganze Aufmerksamkeit.

Nimm dir Zeit, denk drüber nach,

und zwar 7 Wochen jeden Tag.

Geiz ist eben keine Tugend,

und darum zeige es der Jugend.

Denn nur wer der Werbung stets misstraut,

der hat es den Werbestrategen versaut.

Wer nicht reinfällt auf Plakate und Werbeslogan,

der lässt sich auch nichts untermogeln.

Wenn ihr also jetzt fastet,

dann denkt zwar an das, was euch belastet,

aber vertraut auf Gottes Kraft,

die immer neue Vergebung schafft.

So hat es Luther uns beigebracht,

als er nach jener Sturmesnacht,

sich auf die Suche nach Vergebung machte

und mit der Entdeckung dann erwachte,

dass Gott rechtfertigt aus Glauben allein-

da nutzt dir auch kein Ablassschein,

nein, nur wer sich ehrlich an Gott wendet

an den hat Gott seine Liebe verschwendet.

Dafür ist Luther noch heute zu danken,

und darum verschwende ich keinen Gedanken,

an Worte von einem der Stellvertreter Christi auf Erden genannt –

nein ich bin von ganzem Herzen Protestant,

und egal was andere denken, sagen oder sind:

ich bin froh, dass ich evangelisch bin!

Liebe Gemeinde, ich komme zum Schluss,

und sag nur noch schnell, was gesagt werden muss.

Denn bevor die Fastenzeit beginnt,

sind wir heute fröhlich gestimmt.

Vor uns liegen noch ein paar jecke Tage,

und es ist sicher keine Frage,

Gott will, dass wir fröhlich sind,

das weiß hoffentlich jedes Kind.

Ich wünsch euch schöne Karnevalstage

und stimmt nun ein, wenn ich gleich sage,

denn das war jetzt meine Predisch,

ich bin endlich auch mal fedisch,

Danke fürs zuhörn meine Herren und Damen,

ich schließe mit Alaaf und

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