Manchmal sind es lange Wege

Nachdem das Apostelkonzil in Jerusalem im Herbst des Jahres 48 n. Christi Geburt zu Ende war und den Weg für die Aufnahme von Heiden in christliche Gemeinden geöffnet hatte, durchbrach Paulus auf seinen kommenden Missionsreisen die bisherigen Örtlichkeiten Palästinas, Syriens und des südöstlichen Kleinasiens.

So begibt sich Paulus etwa am Ende des Frühjahrs bzw. zu Anfang des Sommers 49 n. Chr. auf seine 2. Missionsreise. Zunächst will er die bereits gegründeten Gemeinden Kleinasiens stärken.

Doch dann zieht er weiter in den Norden und Nordwesten, nach Galitien und Mysien. Sein Versuch nach Bithynien zu gelangen, gelegen an der Küste des Schwarzen Meeres, scheiterte an dem unmittelbaren Eingriff des Geistes Jesu (Apg.16, 7).

Paulus und seine Begleiter, Silas und Timotheus, zogen dann an Mysien, der heutigen nordwestlichen Türkei, vorbei und gelangten dann im Herbst nach Troas, gelegen an der Meerenge des Ägäischen Meeres, dem Grenzbereich zum heutigen Europa.

Was hier dann im Frühjahr 50 n. Chr. geschah, liebe Gemeinde, das berichtet uns der Evangelist Lukas in seiner Apostelgeschichte Kapitel 16,9–15.

[TEXT]

»Komm zu uns herüber nach Mazedonien und hilf uns!«

Diesen Ruf nimmt Paulus sehr ernst und er spürt hier den Ruf des Geistes Jesu, der ihn auf all seinen Reisen bisher begleitet hat. Gepackt von diesem nächtlichen Auftrag und in der festen Überzeugung, dass der Hl. Geist hier am Werk ist, gelangten Paulus, Silas und Timotheus von Troas aus über die Insel Samothrake in der Ägäis, über Neapolis und Überquerung des Küstengebirges, nach Philippi in Mazedonien.

Philippi war selbst eine sehr reiche Stadt. Ihren Nahmen verdankt diese Stadt wie auch die erste wirtschaftliche Hochkonjunktur dem Mazedonierkönig Philipp, dem Vater Alexander des Großen.

Philippi war eine römisch geprägte Stadt, mit römischem Recht, d. h. die Römer, die in dieser Stadt lebten, hatten dieselben Privilegien wie die Römer in Rom bzw. wie im gesamten Römischen Reich. Hier begegnet Paulus also einem, militärisch, politisch, sowie geistig und ebenso kulturellem ausgerichtetem Römertum. Und in fast jeder Stadt gab es eine kleine jüdische Gemeinde, aber offenbar ohne Synagoge.

Nach einigen Tagen Aufenthalt gingen Paulus und seine Begleiter am Sabbat durch das Stadttor an den Fluss Gangites, wo sie eine jüdische Gebetsstätte vermuteten. Hier treffen Paulus, Silas und Timotheus auf eine Gruppe von Frauen, diese lassen sich auf ein Gespräch ein und Paulus findet unerwartet Gehör.

Auch Lydia, eine wohl angesehene und gut betuchte Frau aus Thyatira, eine Purpurhändlerin, sie war gottesfürchtig und sie glaubte an ihren Gott, doch von Jesus Christus hatte sie noch nie etwas gehört und getauft war sie auch nicht.

Somit konnte sie die Erwählung in den Dienst Gottes als eine Christin, noch nicht erfahren haben. Und auch sie kam mit Paulus ins Gespräch. Und was geschieht jetzt?

»Der Herr öffnete ihr das Herz«, nicht die Worte des Paulus haben dieses bewirkt sondern der Hl. Geist hat hier die Worte und Taten des Evangeliums gelenkt.

Lydia, sie hörte sich das an, was Paulus sagte. Sie verglich alles mit dem, was sie bisher von Gott wusste und gehört hatte. Sie verglich dies alles mit ihrem bisherigen Glauben. Und dann, liebe Gemeinde, traf Lydia eine Entscheidung. Sie entschied sich für Jesus Christus und ließ sich taufen. Diese Entscheidung war ihre ureigenste Sache gewesen. Nur sie alleine durfte sich dies selbst zuschreiben.

Aber ihre Bekehrung, die Erwählung durch Gott, der ihr Herz geöffnet hatte, ja, ihr Herz aufgeschlossen hat, das musste vorausgehen und das hatte sie allein ihm zu danken. Jetzt war Lydia frei. Lydias Herz war geöffnet, für die gute Nachricht, sie war zu ihr gedrungen und das Wort von Jesus Christus lag vor ihr.

Kommen wir in dieser Geschichte, unserem heutigen Predigttext, auch vor? Ich denke ja, liebe Gemeinde, denn Gottes Wort ist auf einem langen Weg von Asien nach Europa und auch zu uns gekommen.

Und wie ist die Gute Nachricht, Gottes Wort, zu Ihnen gekommen? Wurde Ihnen Gottes Wort von Ihren Eltern vermittelt oder später von einem Fremden, so wie es die Lydia erlebt hat?

Manchmal sind es lange Wege, bis Gottes Wort uns trifft und Gott unser Herz und Verstand aufschließt. Wie mag der Weg der Lydia weitergegangen sein?

Sie und ich, wir wissen es nicht. Doch könnte ich mir denken, dass sie auch weiterhin eine erfolgreiche Geschäftsfrau geblieben ist. Und ich kann mir auch denken, dass sie von nun an nicht mehr allein auf Handel und ebenso auf materielle Dinge viel Wert gelegt hat.

Nicht der Handel und das Geschäft waren ihr Lebensinhalt, sondern ihr Herz war jetzt gefüllt mit Liebe und Verantwortung.

Ja, wenn Gottes Wort uns trifft, liebe Gemeinde, so hat das Konsequenzen, für unser Leben.

Jetzt müssen wir Lydia und ihre Gemeinschaft aus Philippi verlassen und nach dem Gottesdienst zurück in unsere eigenen Häuser und Gemeinde gehen. Auch Dort begegnen wir Menschen, die Konsequenzen daraus ziehen, dass sie getauft sind.

Nicht alle treten so mutig und selbstbewusst auf wie Lydia. Doch es gibt bei uns auch Frauen und Männer, die jetzt schon von der Hoffnung auf ein gleichberechtigtes Miteinander leben und es in ihren Häusern und Gemeinden umsetzen können

Ich wünsche uns, dass der Herr auch unsere Herzen öffnet, dass wir ihn einziehen lassen, ja einziehen lassen in die Mitte unseres Lebens. Ich wünsche uns viel Ruhe, Raum und Klarheit, dass wir auf die Momente achten, in denen Gott auch mit uns redet.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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