Eine Geschichte zum Danken

In der Bibelwoche kam der Gedanke auf, warum es eigentlich immer weniger gelingt, auf Menschen zuzugehen, Menschen neu für die Gemeinde zu gewinnen.

Ich weiß es auch nicht genau, aber leide manchmal auch darunter, wie wenig Strahlkraft christlicher Glaube hat. Vielleicht kann es da ja gut tun, heute eine Geschichte aus den Missionserlebnissen des Apostels Paulus zu hören.

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Zwei Dinge werden mir deutlich: Das erste: Paulus ist kein Einzelkämpfer, er ist Teamplayer, er reist nicht allein und ich glaube das ist für seine Predigt auch ganz wichtig, dass er Menschen mit sich weiß, die ihn begleiten, ihn kritisieren, ihn befragen. Er braucht sein Team, auch wenn die Menschen ihn später her dargestellt haben als den einsamen Apostel.

Dass zweite: Er kann warten und er kann starten. Er wartet auf den Auftrag Gottes – und zieht dann ohne Zögern los.

Ich denke, beide Aspekte könnten in der Wirklichkeit unserer Gemeinde wertvoll werden. Dass wir erstens wissen, dass wir nicht alleine sind, sondern im Team leben können. Im Miteinander der Schwestern und Brüder. In geschwisterlicher Leitung egal ob in Presbyterium oder einem unserer vielfältigen Kreise. Es wird nicht einfacher dadurch, dass wir gemeinsam arbeiten in dieser Gemeinde. Aber es wird lebendiger und dort wo wir gemeinsam beten und handeln, entsteht wirklich Gemeinde aus dem Heiligen Geist.

Und dort wo wir uns Zeit nehmen, auf den Willen Gottes zu hören und mit ihm zu reden. Aber dann nicht verweilen, wenn wir wissen, was notwendig ist, sondern losziehen und arbeiten im reiche Gottes. Wo wir Beide hinkriegen – und das Miteinander wächst das Reich Gottes.

Und dann ist das ja erst einmal nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte zum Verlieben. Eher eine frustrierende Geschichte. Da hat dieser Paulus eine Vision, einen Traum und macht sich auf eine beschwerliche Reise übers Mittelmeer. Das ist keine Kreuzfahrt ins Glück, das ist eine anstrengende Reise, an deren Ziel Philippi in Mazedonien steht.

Dort passiert erst einmal nichts. Sie suchen eine jüdische Gemeinde und finden ein paar Frauen, die am Fluss beten. Mehr ist dort nichts, also nicht einmal ein richtiger Gottesdienst, zudem hätten minimal 10 Männer gehört, aber es wird ausdrücklich betont, dass es Frauen waren.

Und in dieser schwachen Gemeinde auch noch dies: Die Kirchgänger reagieren negativ, abgesehen von Lydia.

Und auch bei ihr haben die Missionare keinen Erfolg. Der Herr tut ihr das Herz auf. Also all mein Reden ist nichts wert, wenn der Herr nicht das Seine dazu gibt, wenn er nicht die Menschen bewegt, mit denen ich rede. Immerhin die Eine, die am Ziel der beschwerlichen Reise gewonnen hat ist die sehr vermögenden Lydia, Inhaberin eins Modesalons. Sie wird zu einem Brückenkopf des Glaubens in diesem Winkel des Mittelmeerraums. Eine Frau – Es gehört zum Wesen dieses Glaubens, dass er Frauen eine eigene Würde verleiht. Lydia ist Proselytin und wohlhabende Inhaberin eines Modesalons also doppelte Außenseiterin – und das als Frau. Sie wird zum Brückenkopf des Glaubens in Europa. Kurios: Ein Mann ruft – und Paulus und seine Begleiter finden lauter Frauen – und eine, sie gar nicht einmal von hier ist (aus Thyatira) findet zum Glauben. Ihre Taufe kann nicht ausbleiben. Sie erkennt auch, dass Glauben nicht nur nehmen ist, sondern auch Geben. Sie stellt ihr Haus dem wachsenden Glaubensleben zur Verfügung.

Für mich eine Geschichte für heute. Gerade auch kurz vor den Wahlen zum Presbyterium in unserer Gemeinde. Weil sie Einiges verrät über das Wesen christlicher Gemeinde und christlicher Mission.

Visionen und Träume gehören schon dazu, wenn Gemeinde entstehen und wachsen soll. Da erscheint ein Mann und ruft um Hilfe. Und Paulus gründet kein Missionswerk, sondern zieht los, lässt sich rufen und ist auch nicht enttäuscht als er in Europa landet und niemand ihm zujubelt. Die Missionare beginnen in Ruhe ihr Wirken, suchen das Gebet mit den Menschen, die in irgendeiner Form sich dem Gottes des Bundes verbunden fühlen. Diese Lydia war keine Jüdin, sie war aber Teil der jüdischen Gebetsgruppe am Fluss.

Mit ihr beginnt etwas Neues. Aber nur dadurch, dass Paulus keine durchgeformte Zielstrategie hat, sondern sich treiben lässt von Gottes Willen und seinem Heiligen Geist. Darum begegnete er dieser kleine Gruppe, in der sich gerade eine Frau findet, der der Herr das Herz auftut, aber mit ihr beginnt der Segen in Europa.

Es ist der Mut, von dem wir auch schon in der Lesung gehört haben, der Mut, das Wort auszustreuen, der Mut auch etwas zu verschwenden, der Mut, der Hoffnung hat, dass aus all dem geworfenen Samen ein Segen werden kann. Der Mut, der nichts und niemanden verloren gibt.

Eine Geschichte zum Danken. Berichtet sie doch in letzter Konsequenz auch, wie das Evangelium zu uns gekommen ist.

Heute sind die Menschen mobil geworden – und die Kirche sitzt fest. Ich träume von einer Kirche, die noch Visionen hat, sich in Bewegung setzt zu den Menschen, die Hilfe brauchen – und ich träume davon, dass ich mich mit dieser Kirche bewegen lasse – vom Geist Gottes.

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