Spötter treten auf

Spötter treten auf – mitten unter uns. Ihnen sind auch keine Vorwürfe zu machen, wenn sie fragen: wo ist Euer Gott? Was verleiht Eurem Leben seine besondere Würde, von der wir nichts sehen können. Wieso seht ihr nicht erlöster aus?

Spötter treten auf genauso vor ca. 1900 Jahren mit ähnlichen Fragen: Wo bleibt nun euer Herr? Wo bleibt nun eure Hoffnung? Ist nicht Euer ganzer Glaube umsonst.

Dem antwortet der Schreiber, in dem er alle Getauften zu ZeugInnen macht: Der Herr ist nahe! In besonderer Weise benennt er aber die, die ihn leiblich miterlebt haben. Er beruft sich dabei auf Petrus, auch wenn der Brief wohl kaum von dem Apostel stammt.

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Die Heftigkeit, mit der hier Gegner beschimpft werden, ist Teil des Ringens um die christliche Gemeinde. Der Gemeindeleiter, der hier einen Brief schreibt, will getaufte Menschen abwehren, weil er durch sie die Gemeinde Jesu Christi bedroht sieht. Da treten ChristInnen auf, die nur dem hier und Jetzt leben und mit einer Wiederkunft Christi nicht rechnen. Dadurch sieht er den Glauben der ganzen Gemeinde gefährdet und kämpft für das, was er als richtig erachtet hat.

Das eigentliche Thema des 2. Briefes von Petrus ist: Gott herrscht. Das will dieser Gemeindeleiter in den Herzen seiner Gemeinde einpflanzen. Darum erinnert er an die Geschichte, die wohl allen damaligen Gemeinden gut bekannt war: Die Geschichte von der Verklärung Jesu, die wir vorhin in der Lesung gehört haben. Er bringt sie direkt zusammen mit der Taufe Christi und der Stimme, die damals vom Himmel kam. Die Worte Gottes gehören sinngemäß noch heute zu der Taufe. Damals als mehr Erwachsene als Kinder getauft wurden haben schon die meisten Täuflinge die Stimme Gottes im Ohr gehabt und ganz persönlich für sich genommen: Das ist mein geliebter Sohn / meine geliebte Tochter, an der ich Wohlgefallen habe.

Tauferinnerung ist ein wichtiges Thema für die Gemeinde aller Zeiten: Dass Menschen sich daran erinnern, dass sie getauft sind. Denn die Taufe ist es, die alle Menschen in der Gemeinde auf einen gemeinsamen Ursprungsort zurückführt. Alles Reden vom Vater bleibt gebunden an sein gnädiges Handeln, das geschah, bevor wir uns dazu in irgendeiner Weise verhalten konnten. Gnade Gottes ist Datum immer vorlaufende Gnade, die uns begegnet als ein Geschehen, das wir uns nur so gefallen lassen können, wie Säuglinge sich ihre Taufe gefallen lassen. Das gilt auch für Menschen, die im Erwachsenenalter getauft werden. Die Gnade Gottes gilt mir immer schon, bevor ich dazu etwas sagen kann.

Um das zu betonen ist noch einmal wichtig, sich an christliche Verkündigung zu erinnern: Christliche Verkündigung gründet nicht in fiktiver Literatur, sondern hat ihren Ausgangspunkt in einem realen Geschehen. Darauf weisen die ersten beiden Verse unseres Abschnittes hin. Da ist etwas geschehen, das Menschen in Bewegung gebracht hat, etwas, dass aus einfachen Fischern hat Apostel werden lassen, etwas, dass auch zu Zeiten unseres Briefschreibers immer wieder neu Menschen in Bewegung bringt, Gottes Wort zu bezeugen. Aber gerade dieses Zeugnis fordert auch eigenes Denken heraus:

Die Schrift darf nicht eigenmächtig ausgelegt werden. Ihre Deutung muss für die Gemeinde überprüfbar sein, Beliebigkeit kann und darf es in diesem Bereich nicht geben. ProphetInnen und PredigerInnen müssen sich immer wieder an der Überlieferung des auferstandenen Herrn Jesus Christus messen lassen. Das muss Streit provozieren. Da steht jeder, der das Wort Gottes in den Mund nimmt auf einem Prüfstand.

Jeder, der im Wort Gottes liest, der es für sich oder andere auslegt, muss bedenken, wie oft er seine Interessen dem Wort und dem Willen Gottes unterordnet, und wie oft er eigene Weisheiten unter diesem Wort versteckt. Wie oft lasse ich mich dazu verführen, der biblischen Botschaft ein Bild von dem lieben Gott und dem freundlichen Herrn Jesus überzustülpen, dass so da nicht hingehört? Wie oft ich behaupte, bei mir wäre alles o.k. und wie oft verdrehe ich zu diesem Zweck biblische Aussagen.

Haltet an der Schrift – heißt aber nichts Anderes als: Bleibt in der Hoffnung, dass ihr vom Herrn eurer Taufe noch viel zu erwarten habt. Versucht diesem Zeugnis nicht eure eigenen Interessen unterzuordnen – Erwartet etwas von ihm – das Leben!

Der Herr kommt wieder. Aber jetzt schon ist er gegenwärtig in den Herzen der Glaubenden. Die Verklärung ist ein Bild für den Glaubenden, der im Leben Momente erlebt, in denen er die Nähe seines Herrn in besonderer Weise spürt. Analog zum Wochenspruch aus Jesaja: über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Das Abendmahl ist für mich auch so eine Moment auf dem diese Verheißung in besonderer Weise liegt: Der Herr ist nahe bei Dir. Er begleitet mich auf meinen Wegen und hilft mir, seine Worte recht zu deuten.

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