Dem Licht auf der Spur

[Kerze auf der Kanzel entzünden]

Licht – ja: Licht in dieser lichtarmen Zeit. Licht, das ist gut, liebe Gemeinde, das tut gut. Es gibt ja Menschen, die zählen die Tage, bis es Anfang Februar abends wieder etwas länger hell bleibt – und andere erleiden die lichtarme Zeit, werden depressiv.

Gott hat es geschaffen, das Licht, damals, als die Schöpfung noch jung ist, gleich im Anfang. Und Er hat’s gesehen und es war sehr gut. – Die Erde, ganz jung noch und in Seinem Licht: Können Sie sich vorstellen, wie das damals gewesen sein mag? Manchmal jedenfalls? Ich wünsche Ihnen die Augen, die Phantasie, dieses schöne Bild.

Manchmal ist noch etwas davon zu spüren an einem Morgen, früh, Tau auf dem Gras, Vogelgesang, die Sonne kommt über die Berge und die Welt ist noch ganz still; doch dann kommt der Rest vom Tag so, wies immer ist, nicht mehr so paradiesisch.

Manchmal auch ein Bild davon in Prospekten der Reisebüros mit weitem Strand und Palmen, wenig Menschen oder Bildern aus den Bergen mit majestätischem Panorama. Und manchmal sogar Urlaub vom Alltag an so einem Ort: Eich sinke in so ein Bild hinein, ein Tagtraum nur für Sekunden, oder jemand ist wirklich ein, zwei Wochen dort – Doch danach wieder Alltag und der Glanz dieser Zeit wie im Paradies verfliegt im Alltagsgrau.

Bei manchen verfliegt er so sehr, dass sie den Durchblick verlieren, andere werden zu Schwarzsehern und sagen: „Da kann nun nicht mehr viel kommen ..“ – bei lebendigem Leib lebensmüde.

Uns geht’s ähnlich wie den Menschen damals, lange vor unserer Zeit. Dem „Siehe, es war alles gut“ und Adam und Eva, folgt das Misstrauen mit dem Biss in die Frucht vom Baum der Erkenntnis, denn: „Vielleicht hat’s Gott ja doch nicht so völlig gut mit uns gemeint, wenn er uns genau die Frucht vorenthält, die uns klug macht wie Gott.“

Denen folgen Kain und Abel und Mord und Totschlag. Und das ganze pralle Leben jenseits von Eden.

Aber manchmal eben doch ein Hauch von Eden über dieser Schöpfung, manchmal – auch wenn der wieder vergeht: „Hier ist es gut sein, hier lass uns Hütten bauen.“ So Petrus damals bei der Verklärung – und die Sehnsucht bleibt ..

Und weil das reine Licht der Schöpfung fehlt und die Sehnsucht nach Licht bleibt, haben wir uns Licht geschaffen. Viel Licht – und jedes Jahr mehr Licht. Damit wir den Weg im Leben nicht verlieren. Damit wir wissen, wo es lang geht. Damit wir unsere selbstgesteckten Ziele nicht aus den Augen verlieren – und weil dunkel Angst macht. Und leben der eigenen Nase nach: Noch nie war die Erde so glitzernd hell erleuchtet und trotzdem so dunkel wie jetzt.

Damals hat Gott sich das noch eine ganze lange Weile so angeschaut. Die ganzen Erzählungen des Alten Testaments sind voll vom Gott der Barmherzigkeit und der Liebe und der Nachsicht und Geduld, der Trotz der ganzen Schande, die Ihm angetan wird, jenseits von Eden mitgeht, führt, rettet – bis Er’s nicht mehr tut. „So: Nun seht selbst, wohin Ihr mit Euren Erleuchtungen kommt, mit Euren kleinen Lichtern, mit Eurem Leben immer der eigenen Nase nach, mit dem Ihr die Welt und Euch zum Ziel bringen wollt …“

Und wohin sind wir gekommen? Bis ins 21. Jahrhundert, ja. – Aber um welchen Preis!

Wiederum greift Gott ein. Lange vor uns. Ganz klein der Anfang, ein Kind draußen vor Bethlehem auf dem Feld und in einer Krippe. Die meisten haben das neue Licht gar nicht mitbekommen – was soll denn schon aus Bethlehem kommen, wo liegt das überhaupt?

Gott hätte es das alles größer und heller machen können: Tusch – Auftritt im Purpurmantel – Trara: Schaut her – ich bin’s. Wobei: Den Purpurmantel hat Er schon getragen hat, der Gottessohn, zu einer anderen Zeit.

Aber: Hätten Menschen den lebendigen Gott ausgehalten? Wär’s ihnen, mir nicht eher gegangen wie Jesaja, der angesichts der Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes nur noch rufen kann: „Weh mir, ich vergehe!“

Überdies: Gott braucht das nicht. Gott ist Gott. Er muss sich nicht erst beweisen. Sich selbst nicht. Uns schon gar nicht. Und wenn, dann nicht als Gott der Macht und Gewalt. Genau der will Er ja nicht für uns sein.

Vielmehr: Dann hat der gelebt, der das Licht der Welt ist. Und da gab es schon welche, die durch ihn Durchblick gewonnen haben und nun wussten, wie Gott es meint, dass Er Leben will und heil macht und Gemeinschaft mit Menschen sucht, dass er in unsere Haut geschlüpft ist um mit uns zu leben, zu lachen, zu leiden, dass die Liebe nicht mehr als eine Krippe braucht – damals wie heute. In einem Stall wie in einem Leben. Dass Gott in uns wachsen will. Und die sind ihm quer durch die Zeiten auf der Spur geblieben, dem Gott, der sich in Seinem Sohn so offenbart hat.

Und deswegen feiern wir heute – nicht die heiligen drei Könige, das sind ja selbst nur suchende Menschen so wie Sie und ich – deshalb feiern wir heute das Erscheinungsfest (so heißt das auf evangelisch): Weil uns die Liebe Gottes erschienen ist. Weil sie uns neben dem ganzen anderen Gelichter dieser Welt einen hellen Schein in die Herzen gegeben hat, ein Licht, mit dem ein Mensch leben und auch sterben kann und Zukunft hat, weil wir – manchmal jedenfalls, wenn wir dem Licht in unseren Leben und zwischen uns Raum geben – „Erleuchtete“ sind, Menschen, die wissen, wo Leben herkommt, wo es hingeht und wie das gemeint ist mit dem Leben und dass Leben ein Ziel hat, bei Gott.

Menschen sind diesem Licht auf der Spur geblieben. Und bleiben Ihm auf der Spur: Gott. Sie und ich heute morgen. Und, das gebe Gott, morgen wieder: Suchen nach dem, was hinter dem Vielen an leuchtender und glitzernder Fassade echt ist, suchen Gott, Seine Gegenwart. Und sprechen davon. So, wie Paulus das schreibt:

„Denn so wie Gott einmal befahl: „Es werde Licht!“, so hat er auch die Finsternis in uns durch sein helles Evangelium vertrieben. Durch dieses Evangelium sollen alle Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus sichtbar wird.“ – Und exakt das ist unser Auftrag. Dann jedenfalls, wenn wir Gott ernst nehmen, und uns und das Licht, fürs Leben einstehen und für das Licht, dass Er, Gott selbst, uns gebracht hat: Im ersten Schöpfungstag und noch mehr, viel mehr in Christus, dem Kind in der Krippe, dem Menschen, in dessen Gegenwart Leben aufblüht und dem gekreuzigten Auferstandenen. Für den will ich stehen. Für Sein Licht, den Christus. Heute. Hier. Und – das gebe Gott – morgen wieder. Sie auch?

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