Welche Nachricht würde uns heute so vom Sockel reißen?

Liebe Gemeinde,

Morgen, Kinder, wird’s was geben, Morgen werden wir uns freu’n! Welch ein Jubel, welch ein Leben wird in unsrem Hause sein! Einmal werden wir noch wach, Heissa, dann ist Weihnachtstag! Das ist doch eine gute Nachricht nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns Erwachsene.

Morgen ist Weihnachtstag, das sollte doch eine gute Botschaft für uns alle sein. Gute Botschaften gibt es so selten in unserer Welt. Nun eine schlechte Nachricht ist eine interessante Nachricht, die sich auch verkaufen lässt. Mit guten Nachrichten lassen sich keine Nachrichtensendungen und Zeitungen füllen. Wo Menschen friedlich miteinander auskommen, erfahren wir eigentlich nie, das ist ja langweilig, wo man aber sich die Köpfe einschlägt, das ist spannend.

Liebe Gemeinde, heute sind gute Nachrichten angesagt, und so lese ich auch die gute Nachricht unseres Bibelwortes für den 4. Advent aus Jesaja 52, 7- 10.

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Es ist eine gute Nachricht an ein Volk, das einen Krieg verloren hatte. Die Hauptstadt Jerusalem war in Trümmern, die Menschen nach Babylon vertrieben. Und nun ist von einer Wende die Rede. Nicht nur ein bisschen Frieden, nein Gott ist zurückgekehrt und alles wird anders. Ja, man kann die Worte so richtig nachempfinden: „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen“

Das alles spielte sich in der Mitte des 6. Jahrhunderts vor Christus ab, aber es drängen sich Parallelen auf, Beispiele aus unserer eigenen deutschen Geschichte aber auch aktuelle Situationen. Nur wer Krieg erlebt hat und wie Menschen am Ende des Krieges jubelnd durch die Strassen gezogen sind, kann die erlösende und befreiende Botschaft des „Friedens“ nachempfinden. Der weiß wie „lieblich die Füße der Freudenboten sind, die da Frieden verkündigen“.

„Heute sind gute Nachrichten angesagt“

Welche Nachricht würde uns heute so vom Sockel reißen und uns zu jubelnden Freudenausbrüche veranlassen, wie die Botschaft des Frieden für ein Volk im Krieg?

Im privaten Bereich fallen mir dazu genügend Beispiele ein.

Da ist einer in der Familie schwer krank und seit Jahren versuchen die Ärzte und Therapeuten alles mögliche um ihn zu heilen und dann plötzlich gelingt der Durchbruch und Heilung wird möglich: „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten“

Seit Monaten bewirbt sich eine junge Frau vergeblich um einen Arbeitsplatz. Zahlreiche Bewerbungen wurden geschrieben, Vorstellungsgespräche geführt und immer wieder wurden die Bewerbungsunterlagen zurückgeschickt mit dem Hinweis, dass man sich für einen anderen Bewerber entschieden hat.

Und dann kommt ein Brief mit der Post: „Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können …“

„Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten“

Im Fernsehen kurz vor der Tagesschau wird in einer Werbung für die ARD-Fernsehlotterie immer wieder gezeigt, wie zwei Kinder ihrer gestressten und schwer arbeitenden Mutter einen Koffer voll Geld übergeben wird und die Mutter daraufhin in Jubel ausbricht.

Das sind aber keine echten guten Nachrichten, denn das Wesentliche an Glück im zwischenmenschlichen Bereich ist keine Frage des Geldes. Das entscheidende Gute im Leben ist nicht käuflich, es wird einem geschenkt oder man muss es sich manchmal auch im Leben erkämpfen.

Liebe Gemeinde, im privaten Bereich fallen mir dazu genügend Beispiele ein, aber die Botschaft des Propheten Jesaja und auch die Botschaft von Weihnachten lassen sich nicht auf die Familie oder auf unser persönliches Leben beschränken.

„Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.“

Daher auch die Lesung des heutigen Sonntags in Lukas 1, der Lobgesang der Maria, der klar die politische Dimension der „guten Botschaft“ im Blick hat.

„Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.“

„Heute sind gute Nachrichten angesagt“

Politisch gute Nachrichten sind gar nicht einfach zu formulieren, denn sehr schnell zeigt sich, dass wenn es um politische Themen geht, für die einen gute Nachrichten von den anderen als schlechte Nachrichten bezeichnet werden.

Dennoch glaube ich, dass es notwendig ist, dass Kirche deutlich sagen muss, was aus ihrer Sicht heute die gute Nachricht des Friedens ist, auch wenn man dafür Kritik oder Prügel einstecken wird. Wer die „Niedrigen erheben“ will, muss wissen, dass er einen Konflikt mit den „Gewaltigen“ haben wird, um es mit Maria zu sagen.

Aktuell heißt das für mich, dass wir als Kirche uns deutlich für einen flächendeckend Mindestlohn für alle Menschen die arbeiten einsetzen müssen. Nicht nur weil schon Paulus gesagte: „Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert“ und die Gleichnisse Jesu hier noch deutlicher sind.

Es geht um soziale Gerechtigkeit, die ein Kern der christlichen Botschaft ist. Und es geht um Glaubwürdigkeit, die auch in Kirche und Diakonie selbst beginnt.

Es ist daher keine gute Nachricht, wenn das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche Deutschlands und andere Diakonische Einrichtungen dem Weg vieler weltlicher Unternehmen folgen und z.B. Servicebereiche ausgliedern (outgesourcen), oder Zeitarbeitsfirmen gründen, die wiederum Pflegepersonal an Einrichtungen des Diakonischen Werks verleihen und natürlich viel weniger Stundenlohnzahlen.

Wie lieblich sind die Freudenboten die einen Mindestlohn verkünden, dass sind die aktuellen Friedensbringer in unserer Gesellschaft, die wir dringend brauchen.

Liebe Gemeinde, alle Menschen möchten und sollen am Heil und am Frieden teilhaben, den Gott unserer Welt verkündet. Aber wenn es konkret wird, dann ist es mit der Friedensliebe schnell vorbei. Wenn in unserem Bibelwort von den Trümmern Jerusalems die Rede, dann ist das für mich auch eine Mahnung.

Nach den Bombardierungen der deutschen Städte im zweiten Weltkrieg, haben sich die Menschen auch nach dem Frieden gesehnt und eingesehen, dass der eingeschlagene Weg falsch war.

Aber ist denn Frieden immer erst dann erst möglich, wenn der Mensch vor dem Trümmerhaufen seiner Unvernunft steht.

Wenn wir von den Erfahrungen der Menschen des Alten Testamentes wirklich lernen wollen, dann sollten wir mehr Vertrauen haben, dass das Heil unseres Gottes auch tatsächlich unsere Welt heil macht und die Botschaft Jesu eine gute Botschaft für alle Bereiche unseres Lebens ist, nicht nur für die Kinder, wie es in dem eingangs erwähntem Liedvers heißt.

Deshalb sage ich: „Morgen, Menschen, da wird’s was geben, Morgen werden wir uns freu’n! Welch ein Jubel, welch ein Leben wird in unsrer Welt dann sein!

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