Unser ganzes Leben ist Adventszeit

Es ist schon einige Jahre her, als eines unserer Kinder beim Frühstück versuchte das zehnte Türchen am Adventskalender zu öffnen. Doch weit gefehlt, das Türchen ließ sich weder mit einem Messer, noch mit einer Schere öffnen.

Liebe Gemeinde, wer von uns kennt das nicht, vor verschlossenen Türen zu stehen?

Mitte der 80-er Jahre kamen wir, meine Frau und ich, gegen Mittag vom Einkaufen zurück. Ins Haus kamen wir nicht, da ich meinen Haustürschlüssel in einer anderen Jacke hatte und die hing an der Garderobe. Und meine Frau hatte ihren Schlüssel, warum auch immer, nicht eingesteckt. Was tun?

Damals gelang mir der Versuch ins eigene Haus einzubrechen. Zum Glück hatte unser Sohn, er wohnte im Erdgeschoss und vor den Fenstern waren noch keine Gitter, sein Zimmerfenster gekippt. Mit dem richtigen Werkzeug gelang es mir das Fenster zu öffnen und konnte so ins Haus gelangen.

Zur Not hätte wir ja auch einen Schlosser holen können, der die Tür dann geöffnet hätte, das wäre allerdings nicht billig gewesen. ─ Eine Geschichte, über die wir heute schmunzeln können.

Gibt es nicht noch andere Türen in unserem Leben vor denen wir stehen, klopfen oder schlagen gar mit den Fäusten dagegen und sie bleiben verschlossen? Und wie ist das mit den Türen in unserem Leben, die kein Schlosser zu öffnen vermag?

Was ist das für eine erniedrigende Erfahrung für Obdachlose, Aussiedler oder ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen, die vor Firmen- und Behördentüren stehen und sie werden überhaupt nicht aufgetan?

Wer von uns kennt das nicht, wenn man sich eine neue Lebensaufgabe wünscht und klopft an diese oder jene Tür an und sie wird einfach nicht aufgetan.

Und dann höre ich: Weißt du, warum du unerwünscht bist? Du bist ein Versager. Eine Niete wie dich, die können wir nicht gebrauchen. Du bist nichts wert.

Warum muss ein Mensch sich an so vielen für ihn verschlossenen Türen blutig gestoßen haben, ehe er entdecken kann, was im Leben wirklich zählt?

Und warum fällt es gerade in der Adventszeit vielen von uns so schwer, die Tür zur ewigen Sicherheit wahrzunehmen und diese ernst zu nehmen?

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Was ist das für eine Botschaft, die wir heute zum zweiten Advent hören dürfen? Sind wir vielleicht gar nicht im Stande, diese Botschaft mit unseren fast tauben Ohren zu vernehmen?

Was will uns der Seher Johannes sagen? Was will er uns vermitteln, wenn er uns diese Botschaft überbringt: Ich habe euch eine Tür geöffnet, die niemand zuschließen kann.

Sind wir etwa damit gemeint? Eine Tür geöffnet, für dich, für mich, für uns alle, die niemand zuschließen kann? Wie soll das denn funktionieren? Denn oft haben wir Zweifel daran, was den Lauf der Welt und was unser persönliches Leben anbetrifft.

In allen sieben Sendschreiben des Johannes und auch ebenso an die Gemeinde in Philadelphia, unser heutiger Predigttext, zeigt Gott der Herr uns ganz deutlich, worauf es in unserem Leben ankommt. Bei seiner Wiederkunft wird er diejenigen von uns trennen, die an ihm festgehalten haben und zwar von denen, die sich von ihm getrennt haben.

Haltet fest, was ihr habt, mit diesen Worten, wird eine jede und ein jeder von uns eingeladen sich auf die Seite des Siegers, Jesus Christus, zu stellen. Und ich denke, so sind wir alle, eine jede und jeder von uns nach unserer Lebensentscheidung gefragt. Mit unserer Entscheidung für Gott oder auch gegen ihn, gestalten wir unsere Zukunft.

Ja, wir entscheiden darüber, wie wir hier und heute unser Leben gestalten und wie unser Tun und Handeln vor den Augen Gottes bestehen kann. Ja, Gott sieht, wo Menschen auf seine Gnade warten.

Liebe Gemeinde, Gott will uns Türen zum ewigen Leben öffnen, wir müssen nur hindurchgehen. Unser Leben ist voller Möglichkeiten, weil Gott es mit uns gut meint.

Ja, dass uns diese Lebenstür geöffnet wird, darauf kommt es hier und heute schon in unserem Leben an. Unser Herz soll dafür geöffnet werden, dass wir uns in unserem Inneren, durch den ersehnten Erlöser unser Leben anrühren und erlösen lassen.

Liebe Gemeinde, wir sind in der Adventszeit. Wir bereiten uns auf das Kommen des Sohnes Gottes vor. Was erwarten wir von ihm und seiner Herrschaft in unserem Leben? Wohin orientieren wir uns?

Kirchlich gesehen ist die Adventszeit eine Zeit der Orientierung, Besinnung und Ruhe. Ja, eine Zeit sich zu besinnen und auch tatsächlich zur Ruhe zu kommen und sich heute schon für und von der Herrschaft Gottes öffnen zu lassen.

Ja, dass uns diese Lebenstür geöffnet wird, darauf kommt es hier und heute schon in unserem Leben an. Unser Herz soll dafür geöffnet werden, dass wir uns in unserem Inneren, durch den ersehnten Erlöser unser Leben anrühren und erlösen lassen.

Klagt nicht, sondern freut euch über alle, die hier und heute bei uns sind, öffnet euer Herz füreinander und es wird auch euch eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann. Klagt nicht, sondern entdeckt die Stärke mit der Gott uns ausstattet und bringt euch dort ein, wo wir gebraucht werden.

Unser ganzes Leben, liebe Gemeinde, ist Adventszeit, weil Gott heute schon im Kommen ist und wir auf seine Wiederkunft warten. Wir erwarten Gott und wir schauen auf ihn, der für uns Mensch wird.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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