Die kleine Kraft des Glaubens

Wir erleben vieles in dieser Zeit. Gerade die Adventszeit thematisiert das Kommen des Herrn – und nicht die Weihnacht. Wir leben in der Erwartung des HERRN und erleben gerade darum den Zerfall seiner Gemeinde recht schmerzhaft. Wir erleben wie immer mehr alles in Beliebigkeit gestellt wird. Da gibt es Menschen, deren Gott ist der Wald – und sie behaupten es sei der christliche Gott. Da gibt es Menschen, denen ist Weihnachten das Fest des maximalen Umsatzes und sie behaupten es sei ein christliches Fest. Da gibt es Menschen, die kündigen der Gemeinde die Solidarität des Geldes auf und behaupten, sie seien trotzdem fromme Leute. Was erwarten wir eigentlich von dem, der da kommen soll. Was erwarten wir eigentlich von diesem Kind in der Krippe. Was erwarten wir eigentlich von uns, wenn wir Geburt und Wiederkunft Christi glauben?

Diese Fragen sind uralt und darum schreibt der Seher Johannes von seiner Vision von einem Brief an die Gemeinden in Philadelphia:

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Eines der sieben Sendschreiben an die Gemeinden und zwar das nach Philadelphia. Hier wird nicht einer Gemeinde geschrieben, sondern einem Engel der Gemeinde. Das bedeutet wohl nichts anderes als dieses: Jede Gemeinde, so gut oder schlecht sie ist, hat einen Engel, eine direkte Kontaktperson zu Gott. Diesem Engel, der hier höchst menschlich als Leitung der Gemeinde vorgestellt wird, wird stellvertretend für die ganze Gemeinde geschrieben.

Das Ziel der Sendschreiben ist es, die Gemeinden wach zu rütteln. Es soll ihnen etwas erzählt werden von der Ankunft Jesu am Ende der Zeiten.

Eine kleine unscheinbare unattraktive Gemeinde vor 1900 Jahren, die der HERR selber zum Weitermachen ermutigt. Philadelphia ist als Stadt völlig unbedeutend. Ihren Name allerdings ‘Bruderliebe’, den hat sie!

Aber sie lebt in einer schrecklichen Zeit: Christenverfolgungen (Kaiser Domitian) machen Angst. Nicht wie in unserer Zeit, die Angst um Geld, das zu wenig fließt, dass das Leben der Gemeinden immer mehr einschränkt. Auch nicht die Angst wegen einer bedrückenden Ökonomisierung einer Gesellschaft, die alles wirtschaftlichen Sachzwängen unterordnet, die es erträgt, dass Menschen hungern, wenn nur die Wirtschaft brummt.

Es ist die Angst vor dem Tod um des Glaubens willen, die diese Gemeinde bedrängt. Sie wird gelobt wegen ihrer kleinen Kraft, mit der sie die Botschaft des Glaubens bewahrt. Sie bleibt standhaft trotz aller Bedrängungen durch die Staatsmacht und rivalisierende Gruppen. Wir dürfen uns nicht vorstellen, dass hier lauter großartige HeldInnen versammelt waren. Es waren Menschen, die ihren Glauben lebten und denen ihr Glaube wichtig war, voller Angst aber auch in der festen Überzeugung: Im Leben wie im Sterben gehöre ich nur Einem: Jesus Christus. Das ist ihre kleine Kraft.

Diese kleine Kraft gilt es herauszufinden: ist es der Konfirmand / die Konfirmandin, die treu in den Gottesdienst geht und sich dafür manchen Spott gefallen lassen muss, ist es die Mitarbeiterin im Kindergottesdienst oder ist es die Hausfrau, der die Ihren Sonntag morgen sagen: Du muss es ja nötig haben, der Presbyter, der sich öffentlich zu seinem Glauben bekennt, indem er kandidiert?

Die konkrete Bedrohung ist in unserer Gemeinde nicht vorhanden. Die erleben eher unsere Schwestern und Brüder in der Türkei oder im Irak. Die Lebensbedrohung erfahren unsere Schwestern und Brüder in Darfur sicher wesentlich deutlicher als wir. Aber andere Bedrohungen sind uns vielleicht eher vertraut.

Vielleicht spüren wir die Bedrohung, die ausgeht von der Kraftlosigkeit unseres Glaubens. Vielleicht spüren wir, wie wenig wir manchmal dem Wirken des Heiligen Geist mitten unter uns zutrauen.

Ich glaube schon: Die ‚kleine Kraft’ unseres Glaubens ist uns vertraut.

Der kleinen Kraft der Gemeinde gilt die Verheißung. Es geht nicht um die Größe des Glaubens, sondern um das Dass des Glaubens. Arroganz ist nicht angebracht sondern Demut und das Wagnis mit der kleine Kraft etwas anzufangen. Es geht nicht um Vergleiche, wie sie teilweise Mode sind. Kein Show der Rekorde: die größte Gemeinde, die schönste Kirche, die höchste Wahlbeteiligung oder die größte Kollekte für Brot für die Welt. All das ist nichts.

Menschen, die diesem Herrn trauen, denen ist ‚eine Tür aufgetan’. Zu Zeiten, wo immer wieder Menschen den Eindruck haben, vor verschlossenen Türen zu stehen, vor verpassten Gelegenheiten, vor vergebenen Arbeitsplätzen, kann diese Zusage gut tun.

Eine Tür ist aufgetan. Die offene Tür ist noch nicht alles, das 9. Adventstürlein noch nicht Weihnachten, aber eine Etappe auf dem Wege. Eine Etappe auch auf dem Weg: Der Herr kommt. Er wird kommen uns zu besuchen.

Bis dahin haben wir den Geist Christi, um damit Glauben und Gemeinde zu leben.

Er begeleitet unsere Gemeine. Bei allen bösen Prognosen über die Kirche – die darf stolz sein auf ihre kleine Kraft; denn ‚Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.’

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