Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Haben Sie schon Ihre Weihnachtsgeschenke gekauft? Nicht? Nun, es ist schon November. Man könnte sich schon mal ein paar Gedanken machen.

Wenn es nach den Führungspersonen der großen Warenhäuser und Discounter geht sowieso: Immerhin ist Weihnachten das Geschäft schlechthin. Wie jedes Jahr werden wir jetzt schon mit den ersten Lebkuchen und Weihnachtssonderangeboten konfrontiert.

Weihnachten hat etwas stressiges – geht Ihnen das auch so? Ich finde es anstrengend jetzt schon die Weihnachtssachen zu sehen. Ich habe zwar das Gefühl, dass das in den letzten Jahren weniger geworden ist, aber vielleicht habe ich auch einfach gelernt das besser nicht-wahrzunehmen. Außerdem ist der Dezember voller Termine. Und außerdem ist da eben die Sache mit den Geschenken. Ich gebe es ja zu, so ab und an ist ja doch so: Ich sehe etwas interessantes, etwas schönes in irgendeinem Geschäft und denke mir: Das könnte ich doch meiner Frau zu Weihnachten schenken. Oder: Das wäre doch was für meine Mutter. Oder so. Und dann kommt leider auch immer der Gedanke: Was schenke ich denn bloß meinem Vater.

Ich vermute, die meisten von Ihnen und Euch haben auch im Bekanntenkreis einen oder sogar mehrere Menschen, bei denen man absolut nicht weiß, was man ihnen schenken kann. Keine Ahnung. Die haben alles und was sie brauchen könnten, kaufen sie sich besser selber. Fast noch schlimmer ist sind die Menschen, die einem im letzten Jahr ganz überraschend etwas geschenkt haben. Aber man hatte nichts für sie.

Warum ist das so? Wieso mache ich mir eigentlich jedes Jahr so einen Kopf, wenn es um die Geschenke geht. Natürlich – ich will den Menschen, die mir nahe stehen, meiner Familie, meinen Freunden und auch meinen Kollegen etwas Gutes tun. Sie freuen sich ja auch über das Geschenk. Aber oft ist die Freude auch größer darüber, dass ich an sie gedacht habe. Gerade wenn es ein Geschenk aus einer unerwarteten Ecke ist.

Aber mal ehrlich. Irgendwo tief in mir steckt da auch eine negative Motivation. Ein Eintrieb zum Schenken, der darauf setzt, dass sich die anderen freuen und überrascht sind. Es ist dann doch eher die Angst, dass ich jemanden enttäuschen könnte, wenn er ich ihm nichts oder nur ein in meinen Augen unzureichendes Geschenk überreiche. Vielleicht sogar, weil ich mir gar nichts anderes leisten kann.

„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, heißt es in einem Sprichwort. Mal ehrlich: Irgendwo tief in mir schlummert der Gedanke, es ginge darum ein Geschäft zu machen. Einen Handel. Ich schenke dir etwas, damit du mein Freund bist und mich lieb hast und du schenkst mir etwas, damit es andersherum genauso ist. Und natürlich habe ich die Angst, dass der Handel platzt, wenn mein Geschenk zu klein ist.

Und mal ehrlich: Wer hat das nicht auch schon mal im Umgang mit Gott probiert? Wer hat nicht schon mal versucht mit Gott einen Handel zu schließen: „Lieber Gott, mache doch bitte das und das, lass doch bitte dies und jenes. Ich will dann auch das und das für dich tun.“ Wenn…, dann… Wer hat nicht schon so gebetet? Ich bin sicherlich keine Ausnahme.

Das wäre auch komisch. Seit Jahrhunderten versuchen Menschen so zu handeln. Die alten Römer sagten immer „Do, ut des.“ – Ich gebe, damit du gibst.

Und im Buch des Propheten Micha gibt es einen Mann, der überlegt, was er tun kann, damit Gott im gnädig ist. Wer der Mann ist, weiß man nicht. Aber sicherlich ist er sehr reich. Damals war es noch üblich Opfer zu bringen. Und dieser Mann wollte viel opfern. Es war üblich Sachen und Tiere quasi als Geschenk in den Tempel zu tragen. Denn wenn man Gott was schenkt …

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Das klingt für unsere modernen Ohren erst mal sehr krass. Tiere zu töten, ja sogar den eigenen erstgeborenen Sohn töten zu wollen, nur damit Gott gnädig ist? Das ist absolut absurd, sagen wir heute. Und wir sagen das zurecht. Denn es ist absolut absurd. Aber es ist nicht unrealistisch. Es ist die Verzweiflung, die viele Menschen ungeahnte Gedanken denken lässt. Verzweifelte Menschen sind zu vielem in der Lage. Aus Verzweiflung über Einsamkeit, Ausgrenzung, Armut, Arbeitslosigkeit oder aus Liebe sind Menschen zu den merkwürdigsten Dingen in der Lage. Einige wenige töten dann sogar.

Und der Mensch bei Micha will alles geben, aus seiner Verzweiflung.

Wenn es um Weihnachts- oder andere Geschenke geht, dann verzweifeln wir eher bei der Suche nach dem passenden Geschenk. Aber mal ehrlich: Klammere ich mich nicht vielleicht auch an die Hoffnung etwas mit Geschenken retten zu können? Wenn eine Freundschaft oder auch eine Liebesbeziehung auseinander zu gehen oder zu zerbrechen droht, dann versuche ich doch auch Opfer zu bringen, wenn ich noch etwas retten will. Dann mache ich Geschenke und bin plötzlich besonders freundlich, verkneife mir manches böse Wort und manche Anspielung und versuche mich krampfhaft von der besten Seite zu zeigen.

Und vielleicht meine ich deshalb mit Geschenken eine Freundschaft erhalten oder festigen oder sichern zu können.

Aber eigentlich ist das Quatsch! Welche Freundschaft, welche Beziehung ist denn durch Geschenke gerettet worden. Oder anders: Was ist das für eine Freundschaft, wenn sie nur existiert, wenn das Materielle stimmt und wenn das Gleichgewicht von Geben und Nehmen immer schön austariert ist.

Wenn ich die Perspektive umdrehe, sieht es nämlich schon ganz anders aus. Ich lasse doch keine Freundschaft zerbrechen, nur weil der Freund sich beim Weihnachtsgeschenk vertan hat. Das kann jedem mal passieren, dass er etwas daneben liegt. Und selbst wenn der Freund meinen Geburtstag vergisst, werde ich noch weiter mit ihm reden und er wird weiter mein Freund heißen. Auch dass kann passieren.

Auch werde ich meine Frau oder meine Familie nicht weniger lieben, nur weil der Handel mit Geschenken irgendwie unausgeglichen ist.

Wenn ich mich aber von solchen Kleinigkeiten irritieren lasse und enttäuscht oder sogar beleidigt bin, dann muss da noch mehr gewesen sein. Dann stimmt noch etwas anderes nicht.

Nein, wenn ich die Menschen wirklich mag und sie mir wichtig sind, dann ist es mir egal, was sie schenken. Dann ist es mir wichtig, dass sie mir Aufmerksamkeit, Freundschaft und Liebe schenken.

Es ist mir wichtiger, dass meine Eltern ein offenes Ohr für meine Sorgen und Probleme haben, als dass ich ein großes Geschenk bekomme. Ein MP3-Player ist eben nicht mehr Wert als fünf Minuten Zuhören, wenn es wirklich Not tut.

Es ist mir wichtiger, dass eine Freundin mich akzeptiert, wie ich bin. Und nicht bei nächster Gelegenheit vor anderen schlecht über mich redet.

Es ist mir wichtiger, dass ein Freund da ist, wenn es mir schlecht geht. Und nicht auf Abstand geht, sich nicht mehr blicken lässt oder gar meine Schwäche als Möglichkeit nutzt mich lächerlich zu machen.

Der Prophet Micha sagt zu dem verzweifelten Menschen folgendes: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Gottes Wort halten – das klingt nach Moral, nach Gesetzt und Gehorsam. „Der Herr ist unser Gott, der Herr allein, und du sollst den Herr lieben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Kräften“, heißt es. Lassen Sie sich von dem Wort „sollen“ nicht irritieren. „Lieben“ ist hier das Hauptwort.

Liebe üben – ein offenes Ohr zu haben für seine Freunde und auch für andere Menschen. Sich Zeit nehmen, wenn es nötig ist. Es geht darum andere Menschen zu sehen, zu hören, ihnen zu helfen. „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Für Jesus sind das die beiden höchsten Gebote: Gott lieben und die Menschen lieben.

Demütig sein – sagt Micha noch. Demut ist eine schöne Eigenschaft. Sie wird heute nur leider allzu schnell mit Untertänigkeit verwechselt. Es geht nicht darum zu kuschen. Sondern sich darüber klar zu sein wer man ist. Durchaus selbstbewusst, aber immer wissend, dass man eben nur eine oder einer unter Millionen ist. Von Gott geliebt als Geschöpf Gottes.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.

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