Schatz im Himmel

Der Erntedank hat etwas von Routine. Alle Jahre wieder wird routinemäßig Dank gesagt und dann weiter gelebt. Und oft bleiben dann auch noch im Hinterkopf die Sorgen, Sorgen darum, ob das alles reicht, was wir haben, Sorgen, ob es uns gelingt, unseren Wohlstand zu erhalten, unseren Tank zu füllen.

Manchmal vergessen wir vor Lauter Sorgen sowohl den Dank als auch unsere Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich wesentlich in meinem Leben?

Eine Predigt von Jesus versucht uns auf einen guten Weg zu bringen:

[TEXT]

Es geht Jesus klar um unseren Blick. Wohin schaue ich wie. Das ist der entscheidende Maßstab meines Lebens. Es geht hier nicht einfach um Arme oder Reiche – es gibt auch gierige arme und freigiebige Reiche. Es geht um Dankbarkeit, die gelebt sein will. Es wäre Blödsinn an Erntedank all die schönen Danklieder zu singen ohne diesen Dank auch ernsthaft zu meinen. Dann hätten wir besser heute singen sollen: Ich geb Gas, ich hab Spaß.

Der Gegensatz von Schätzen im Himmel und auf der Erde, den Jesus hier erwähnt, ist radikal. Hier geht es nicht darum, dass wir Schätze im Himmel erwerben könnten. Aber hier geht es um die Ausrichtung unseres Tuns: Prioritäten setzen allein reicht nicht. Ich muss mich schon eindeutig entscheiden: Was ist wichtig in meinem Leben?

Die Kernfrage unseres Abschnitts lautet: Was beherrscht mich? Wo ist mein Herz?

Auge und Herz hängen eng zusammen. Das ‚nur’ gesehene muss gedeutet werden. Dazu bedarf es einer Gesinnung. Das Auge ist abhängig von dem, was ‚im Leibe’ ist, was wir fühlen und denken. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Es geht nicht einfach nur um den Leib, die sterbliche Hülle, es geht um den ganzen Menschen, es geht um den Leib und die Seele.

Jesus sagt nicht: Ihr solltet nicht, Ihr dürft nicht, sondern deutlich: Ihr könnt nicht! Er beschreibt unser Unvermögen. Wir können nicht alles gleichzeitig. Wir müssen Position beziehen, uns entscheiden.

Erntedank ist nicht nur Brauchtum. Erntedank ist auch Tag der Entscheidung. Wem kann ich dankbar sein für Alles, was mein Leben ausmacht. Wer ist Gott im sinne des ersten Gebots: wer ist mein alleiniger Herr im Leben und Sterben?

Ich kann nicht mir selber dankbar sein und Gott. Ich muss meinen Blick schärfen und lernen auch meinen eigenen Verdienst der Liebe Gottes unterzuordnen. Nicht weil ich klein und schwach wäre, sondern weil ich weiß welch großartige Schöpfung Gott mir bereitet hat.

Darum weist Jesus mich hier hin auf das, was wesentlich ist: Was sehe ich – wie sehe ich es an? Welche Augen habe ich. Mit welchen Augen sehe ich die Menschen an, mit denen ich zu tun habe.

Erntedank ist nicht nur Dank für Gaben, sondern auch Dank für mich – mein Wesen, meine Eigenschaften, den Blick, mit dem es mir gelingt, das Haar in der Suppe zu übersehen und in allem das Gute zu erkennen.

Das Wort ‚Mammon’ ist ein aramäisches Wort für alles Eigentum: Geld, Sklaven, Grundbesitz! Jesus gebraucht es hier als Wort für alle Dinge, die uns in Beschlag nehmen könne, die uns daran hindern können unsere wirkliche Bestimmung zu erkennen.

Es geht hier nicht um ein Loblied der Armut. Arme sind keine besseren Menschen – per definitionem. Aber vielleicht haben sie bessere Chancen die Welt zu sehen und ihre Mitmenschen als Schwestern und Brüder zu erkennen. Jedenfalls erzählen Menschen, die arme Zeiten mitgemacht haben, gerade in der Nachkriegzeit, dass es Vielen leichter gefallen ist, ihre Habe zu teilen.

Es geht um meine Sehnsucht. Wohin ist sie gerichtet. Wovon träume ich – wenn ich träume – und was tu ich gegen meine Träume und für meine Träume?

Der Text ist im Grunde eine Brüskierung jedes einzelnen Christenmenschen und der Kirche! Denn die Kirche unserer Tage strebt nach materieller Sicherheit, wie die einzelnen Menschen auch, weil unser menschlicher Verstand eben nicht so weit reicht, dass wir bereit sind, uns auf Gottes große Zusagen zu verlassen. Wir fühlen uns als Ertappte, die Erntedank feiern und das Glaubensbekenntnis beten, aber uns lieber auf unsere eigenen Werte verlassen.

Dagegen trifft uns Jesu Zusage: Weil Gott euch liebt, darum habt ihr längst euren Schatz im Himmel.

Ihr müsst nicht länger nach Schätzen jagen. Ihr dürft Eure Sorge vergessen und Euer Leben in Gottes Hände legen. Zum Licht wird das Auge davon, dass es Christus, der das Licht ist, erblickt, dass es in das Licht hinein schaut und es aufnimmt und den ganzen Menschen hell werden lässt. Daran könnten wir noch ein Leben lang arbeiten.

Wir möchten wissen wovon wir leben – wo unsere Ursprünge liegen. Darin liegt auch ein Kern des Erntedanktages. Dass wir dem nachspüren, was das heißt: Unser Leben hat eine Sinn in Jesus Christus.

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