Weine nicht!

Wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen, dann treffen wir uns nach dem Trauergottesdienst auf dem Friedhof. Die Friedhofskapelle ist für uns dann ein Raum, in dem wir Trauer, Erinnerung, Schmerzen und auch Begegnung mit dem Sterben erfahren dürfen.

Wenn wir hier sitzen, um Abschied zu nehmen, dann gehen uns viele Gedanken durch den Kopf. ─ Was ist angesichts des Todes mein Leben noch wert?

Sie kennen solche Fragen auch, die wir uns dann gerne stellen, wenn ein Mensch gestorben ist. Angesichts des Todes sind wir über diesen Lebensabschnitt entsetzt, der uns hier vor Augen geführt wird. Mehr oder weniger sind wir dann hilflos, wenn wir dem Tod gegenüberstehen.

Nun gut, sozial mögen wir abgesichert sein, aber ohne den geliebten Menschen an unserer Seite, da erscheit unser Leben doch so, als ob es nichts mehr wert ist.

Leere und Stille ist dann in uns, irgendwie sind wir dann nicht mehr richtig anwesend und mit unseren Gedanken sind wir dann ganz weit weg. Nur der Schmerz, der bohrend in uns sitzt und die Tränen, die uns ein wenig Raum geben, beherrschen uns.

[TEXT]

Das Ereignis von Naïn ist für uns ein unüberhörbares Signal. Jesus spricht und das Leben bricht in die Welt des Todes ein.

Ein junger Mann, das einzige Kind seiner Mutter ist gestorben. Die Mutter, sie war bereits Witwe und nun liegt vor ihr ein leeres Leben. Zahlreiche Bewohner der Stadt trauern mit ihr und geben dem Toten das letzte Geleit. Doch was hilft das einem Menschen, der für sich und sein Leben keine Zukunft mehr sieht?

In der Nähe des Stadttores begegnet der Trauerzug einer Schar von Menschen, an deren Spitze Jesus geht. Jesus, er will in die Stadt und er wird von seinen Jüngern, Männer und Frauen, und noch von vielen anderen Menschen begleitet. Alles Menschen, die bisher seine Heilungen und Wunder erlebt und gesehen haben.

Was wird Jesus in solch einer Situation tun?

Jesus, er sieht und liest die Gedanken derer, die ihn begleiten: Er kann heilen, er kann Menschen zur Umkehr bewegen, er kann Wasser in Wein verwandeln, er macht Blinde wieder sehend und Taube hörend; aber hier ist der Tod, hier kann er auch nichts mehr machen, so die Gedanken derer, die Jesus gefolgt waren.

Und was Jesus bisher an Glauben in den Herzen der Menschen, die ihm folgten, hatte wecken können, das drohte nun durch die Begegnung mit den Trauernden in die Brüche zu gehen.

Und in diese Leere hinein spricht Jesus zu der Mutter des Verstorbenen: Weine nicht!

Zum Entsetzen aller berührt er auch noch die Bahre des Toten. Und alle denken, dass der Tote Jesus nun verunreinigt hat. Aber die Wirklichkeit, liebe Gemeinde, sieht anders aus. Jesus, er hält den Tod an und nimmt ihm die Macht.

Jesus spricht den Toten an. »Du junger Mann, ich befehle dir: Steh auf!« Dieser Befehl Jesu erreicht das Ohr des Toten und er richtet sich auf und fängt an zu reden. Für ihn ist der Tod zu Ende. Die Witwe hat ihren Sohn wieder.

Aus Jesu Wort wird lebendige Wirklichkeit. Was er selbst in seiner Auferstehung darstellt, das geschieht hier an dem jungen Mann. Die Hoffnungslosigkeit ist zu Ende, die gesamte Situation hat sich verändert. Das Leben hat den Tod besiegt.

Ja, liebe Gemeinde, hier geschieht das Unmögliche und vorher nie Erlebte. Jesus begegnet dem Tod, der Tod muss weichen und Jesus als Herrn erkennen.

Liebe Gemeinde, die Begegnung mit Jesus öffnet uns ewiges Leben. Gott lässt uns nicht allein, sondern in und durch Jesus Christus ist eine neue Dimension des Lebens eröffnet worden.

Der Tod ist in seiner bedrohenden Kraft besiegt worden und zwar von dem, der den Tod überwunden hat. Jesus, der durch das Kreuz und die Auferstehung deutlich gemacht hat, dass die Kraft des Lebens, die von Gott kommt, stärker ist, als alle anderen Mächte dieser Welt.

Diese Auferweckung soll ein Beispiel dafür sein, dass Gottes Kraft stärker ist, als die Macht des Todes, die in unserem Leben alles in Frage stellt. Aber seit der Auferweckung Jesu steht noch eine andere Auferweckung im Raum. Denn den bereits Verstorbenen wendet sich Jesus zu.

Im Glaubensbekenntnis da beten wir: Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Unsere Verstorbenen sind nicht einfach so dahingegangen und gehen nicht einfach so dahin.

Unsere Verstorbenen gehen diesem Jesus Christus entgegen, der neues Leben verheißt und auch tatsächlich schenkt. Jesus, er hat keinen Zweifel darüber gelassen, dass für uns Menschen nicht der Tod das Ende sein soll, sondern das Leben.

Er allein wird einmal für immer den Zug der Menschheit, der zu den Gräbern zieht anhalten und endgültig das Wort des Trostes sprechen: Weine nicht! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein, du gehörst zu mir und ich lasse dich nicht aus meinen Augen und aus meinen Händen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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