Wenn das Steak ganz gehörig nach Paradies schmeckt …

(Der Gottesdienst findet im Festzelt des Eigenheimerfestes Madenhausen 2007 statt.)

Liebe Leser!

In Dürre und Hungersnot hinein, spricht dieser Text und erinnert an die Ströme aus Milch und Honig des Paradieses.

Hunger und Durst, so meint der Prophet sind Folgen des Ungehorsams gegen Gott. Weil sich das Volk von Gott abgewendet hat, herrscht Not. Damals im Paradies haben sich Adam und Eva, die Menschheit, von Gott abgewandt –alleine wollten sie entscheiden und bestimmen, was gut und was böse sei.

Damals schon hatte sich herausgestellt: Wer den schützenden Garten Gottes verlässt, den Zaun der Gebote übersteigt, der landet eben draußen in einer unwirtlichen Welt, wo er den Dornen im Schweiße seines Angesichts das abtrotzen muss, was er im Paradies geschenkt bekäme.

Ist´s eine Strafe Gottes oder ein Gesetz der Welt? Darüber gehen auch in der Bibel die Meinungen auseinander. Zur gleichen Zeit, in der auch unser Text entstand, predigt der Prophet Haggai. Und er sagt: ja, es ist eine Strafe Gottes. Ihr müsst Buße tun, dann wird sich Gott erbarmen. Haggai zeigt die Schuld auf und droht.

Unser Predigttext geht die Sache anders an: Auch er zeigt die Schuld auf, aber er droht nicht, sondern er lockt mit dem Paradies, dass einem das Wasser im Munde zusammen läuft.

Natürlich ruft auch er zur Umkehr: Hört auf Gott! Aber er droht nicht, sondern er lockt, baut vor den Hungrigen ein ganzes Buffet auf: duftend und frisch: Kommt, esst soviel ihr wollt, trinkt, soviel ihr wollt, haut richtig rein! Hört auf mich und lasst es euch gut gehen!

Wer sich nun in der Bibel etwas auskennt, dem fällt vielleicht ein, dass das noch jemand ganz anderes sagt, an einer ganz anderen Stelle. Dort ist es Jesus, der hungert und Durst hat nach vierzig Tagen in der Wüste, wie das Volk Israel. Und da kommt jemand zu ihm, und sagt: Komm, Jesus, ich weiß, dass du´s kannst: Mach diese Steine zu Brot. Nicht nur für dich, sondern für all die Hungernden in der Welt. Das ist es doch, was du willst, dass alle satt werden auf dieser Welt. Das ist es doch, das Paradies auf Erden. Ich weiß, dass du´s kannst: Mach, dass die Wüsten blühen, dass die Steine zu Brot werden. Weißt du noch? wie damals im Paradies. Weg mit den Dornen, weg mit den Steinen, dem Hunger, dem Durst und dem Schweiß! Lass sie satt werden, die Welt und dich. Hör auf mich und lass es euch gut gehen!

Ich stelle mir vor, wie sich Jesus über die trockenen Lippen leckt und sein Bauch knurrt. Aber dann“ verfinstert sich sein Gesicht und nicht nur der Bauch knurrt: Geh weg, Satan! der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.“ (Mat 4, 1-10)

Ganz offensichtlich ist Jesus der Meinung, dass Essen, Trinken und Reichtum eben nicht reichen. Ganz offensichtlich ist er der Meinung, dass es Wohlstand gar nicht geben kann ohne das Hören auf eine ganz bestimmte Stimme: Die Stimme Gottes. Die Stimme Gottes, die singt und dem Fest mit ihren Worten und iher Musik erst seinen Inhalt gibt. Feste ohne Inhalt sind hohl und man geht, vollgestopft mit Essen heim und doch fühlt man sich leer. Vielleicht kennen sie das Gefühl …

Satanisch, zerstörerisch, statt lebendig machend, nennt Jesus das sinnentleerte Essen, den sinnentleerten Reichtum.

Einige Hilforganisationen müssten jetzt zusammenzucken. Denn sowohl Jesus als auch unser Jesajatext machen unmissverständlich klar: Ohne das Verkündigen des Wortes Gottes und ohne das Hören auf Gottes Wort, wird Hilfe sinnentleert. Jesus bringt es hart auf den Punkt: Ohne Gottes Wort wird die Hilfe zum Teufelswerk: „Geh weg, Satan!“

Von zähnefletschenden Hunden sagt man im Witz: „Die wollen nur spielen.“ Nun, so böse ist der Satan nicht. Der will nur helfen. Und dieses NUR macht ihn zum Satan. Nackte Hilfe bleibt hohl, anders ausgedrückt: tot. Und das ist, wie jeder weiß, das Gegenteil von lebendig.

Einer Diakonie, in der von Gottes Wort nicht mehr zu hören ist, gilt darum Jesu Antwort: „Geh weg, Satan!“

Hilfsorganisationen, die verbergen, dass sie aus christlicher Motivation heraus arbeiten, die ihre Zugehörigkeit zur Verkündigung des Wortes Gottes verstecken oder gar vergessen – aus welchen Gründen auch immer – stehen in der Gefahr, unter Jesu Wort zu fallen: Geh weg, Satan! Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.

Übrigens gilt das auch anders herum: Eine Kirche, die wunderschöne Gottesdienste feiert, mit viel Schwung und Freude, und die in ihrem Feiern vergisst, für andere da zu sein, die keine materielle und organisatorische Hilfe anbietet, wo Not herrscht, deren Feiern wird genauso hohl und macht genauso wenig satt wie die sprachlose Hilfe.

Auch ihr gilt Jesu Antwort: „Geh weg, Satan!“

Hilfe zum Leben, wahrer Gottesdienst sieht anders aus: Das Hören auf Gottes Wort und die materielle Hilfe gehen Hand in Hand. Überall in der Kirche muss Diakonie sichtbar sein. Und in jeder diakonischen Handlung muss Gottes Wort hörbar sein.

Die gute Sitte, ein Tischgebet zu sprechen, erinnert an diese Verbindung von dem, was unser Körper braucht und dem, was unser Geist braucht. So wie Körper und Geist nicht zu trennen sind, sondern beide uns ausmachen, so sind auch materielle Sorge und Wort Gottes nicht zu trennen.

Texte wie unser Predigttext machen klar: Christsein heißt nicht, nur von Wasser, Brot und Gottes Wort zu leben. Es darf ruhig auch mal Torte sein. Oder mit Luther gesprochen: „Wenn Gott guten Wein und große Hechte wachsen lässt, dann darf ich sie wohl auch essen.“

Jeremia tadelt König Jojakim, für sein vieles Essen und Trinken ohne Sinn und Verstand, indem er ihm sagt: Auch dein Vater hat gut »gegessen und getrunken« aber er » hielt doch auf Recht und Gerechtigkeit« (Jer 22,15). Für Christen gilt also: Genießt das Leben in vollen Zügen: Aber nicht auf Kosten der Gerechtigkeit.

Und: Essen macht gesund: Selbst von Schlägen Gottes erholt man sich durch´s Essen, wie das Beispiel des Apostels Paulus zeigt, dem die erste Begegnung mit Christus gehörig auf Augen und Magen geschlagen ist, der aber – im Hören auf Gottes Wort – wieder Appetit bekommt.

Und so ließe sich die Reihe fortsetzen von Mose, Isaak und David über den Prediger und das Buch der Sprüche und Jesaja bis zur Speisung der Fünftausend, dem Essen Jesu mit Zöllnern und Sündern bis zum endzeitlichen Picknick aller Völker auf dem Berg Zion und dem Fest im Reich Gottes.

Gott lädt zum Essen ein und lockt uns so zurück ins Paradies. Und da wird eben nicht „Nahrung aufgenommen“ und der Zeitbedarf dafür im Pflegesatz verrechnet. Sondern da wird richtig gegessen, getrunken und miteinander geredet. Und Gott sitzt mit dabei, auf beiden Seiten des Tisches und hört sich gegenseitig zu.

Essen als Bild des Paradieses. Und wie das im Paradies so ist, sitzt Gott mit dabei. Aber Essen ist nicht nur ein Bild für´s Paradies: Hier können wir es schmecken, das Paradies: Hier und heute beim Eigenheimerfest. Das sage ich nicht, weil er gerade so gut passt, sondern weil ich zutiefst davon überzeugt bin: Wo wir auf Gottes Wort hören und in unseren Nächsten Gottes Angesicht zu erkennen wagen; wo wir so miteinander essen, wird dieses Essen zum Abendmahl, das Christus selbst mit uns feiert. Dann schmeckt das Steak nicht nur nach Fleisch, sondern ganz gehörig und wunderbar nach Paradies.

Und da wundert´s dann nicht, wenn von überallher die Völker kommen, dorthin, wo Gott so zu spüren ist. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.

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