Ganz besondere Angebote gibt´s bei Gott

Liebe Gemeinde,

Unser Predigttext steht heute beim Propheten Jesaja im 55. Kapitel. Es sind die Verse 1-3 …

Halt!

So beginnt ja normalerweise eine Predigt. Aber heute nicht. Wie soll eine Predigt denn eigentlich sein?

Während meines Studiums, und auch in den Jahren danach, habe ich mich immer wieder über langweilige Predigten beklagt. Ein Kirchentagspräsident sagte einmal auf die Frage eines Journalisten warum auf dem Kirchentag so viele Jugendliche wären und im Sonntagsgottesdienst kaum welche: „Das müssen sie die Pfarrer fragen!“ Die Pfarrer sind also schuld. Na gut- zumindest für langweilige Predigten können sie einen Teil. Wenige Prediger gibt es und gab es, die mich richtig vom Hocker gerissen haben, die mit Emphase mit Leib und Seele gepredigt haben. Ich selbst bin auch kein solches Energiebündel, so dass sie nachher nach Hause gehen und sagen könnten: „AAAh war das heute eine tolle Predigt!“ Nur klagen alleine hilft nichts. Deshalb heute einmal der Versuch einer vielleicht etwas ungewöhnlichen Predigt für manche von ihnen.

Deshalb beginnen wir heute auch nicht mit dem Predigttext, sondern mit dem Sonderangebotszettel. Sonderangebote- solche Zettel finden sie ja fast täglich und mit Vorliebe Sonntags in ihrem Briefkasten vor, weil die Verteiler am Sonntag Zeit haben- sie gehen ja nicht in den Gottesdienst also kann man Zettel verteilen.

Einige Sonderangebote:

Sie fragen sich was das soll? Mit Recht fragen sie das. Nur eines möchte ich vorausschicken: Übergeschnappt bin ich nicht. In unserem Predigttext geht es nämlich um ein ganz besonderes Angebot, einen Knüller sozusagen, der sich von diesen Billigpreisangeboten mit einer manchmal zweifelhaften Qualität deutlich unterscheidet.

Versetzen sie sich einmal in das Jahr 540 vor Christus. Irgendwo im Zweistromland. Stellen sie sich vor, sie kommen mit einer Karawane in die Stadt in der ich lebe. Sie haben nach einer langen und strapaziösen Reise durch die Wüste schrecklichen Durst und Hunger. Ich, habe natürlich keinen Talar an, sondern stehe hinter ein paar Lebensmittelsäcken und Wasserfässern auf der staubigen Erde, angezogen mit einem Kleid, einen Turban auf dem Kopf, und ich versuche meine Waren anzupreisen. Das ist die Situation in die hinein der Prophet Jesaja folgende Sätze spricht:

Kommt her, kommt her! Wenn ihr Durst habt, kommt her zum Wasser und löscht eure Durst! Auch wenn ihr kein Geld dabei habt, macht gar nichts, kommt trotzdem her, bei mir kostet es nichts. Kauft Leute, Kauft und esst. Kauft Leute, Kauft ohne Geld, kauft umsonst, bei mir gibt’s alles umsonst. Wein und Milch, ganz kostenlos. Wieso wollt ihr denn immer mit Geld bezahlen, was kein Brot ist, bei mir gibt es echtes Brot. Wieso wollt ihr immer euren sauren Verdienst für Sachen hergeben, die euch nicht satt machen? Kommt her zu mir, Hört auf mich, dann werdet ihr Gutes und Köstliches zu Essen bekommen. Neigt eure Ohren her zu mir. Hört, dann werdet ihr leben, ja wirklich leben.

Soweit unser Predigttext in einer etwas freieren Fassung.

Der Unterscheid zur Sonderangebotsflut, die täglich auf uns hereinprasselt im Gegensatz zu diesem Bibelabschnitt liegt auf der Hand. Der Prophet, der all das aufgeschrieben hat, er hat ein besonderes Angebot, Sonderangebote, Ramsch- hat er nicht. Er hat überhaupt ein sehr kleines Sortiment, könnte mit Aldi, Lidl und Co nie mithalten. Konkurs müsste jeder anmelden, der heute nur Wasser, Milch, Wein und Brot verkauft. Grundnahrungsmittel hat er im Sortiment, nichts weiter. Auf bayerische Verhältnisse übertragen fehlt eigentlich nur noch das Bier.

Wasser hat er im Angebot; das ist schlechthin lebensnotwendig. Wasser brauchen wir täglich, nicht zum Trinken, nein zum Waschen, Kochen Putzen uvm. Jeder von uns kann ermessen, was es bedeutet kein Wasser zum Leben zu haben. Jeder kann sich gut vorstellen welchen Durst man hat, wenn man in der orientalischen Sonne und Hitze durch die Wüste zieht und nichts mehr zu trinken hat. In vielen Spielfilmen und Romanen wird uns das immer wieder plastisch vor Augen geführt. Viele von Ihnen wissen sicher auch, wie dankbar man war, gerade in den Kriegs- und Nachkriegsjahren für ein bisschen Brot. Und meine Großmutter hat mir oft erzählt wie sich nach der Flucht zu Bauern gegangen ist und um etwas Milch gebettelt hat für ihre Kinder. Nicht immer hat sie die erbetene Milch auch bekommen. Brot, Wasser, Milch und Wein, Grundnahrungsmittel im Orient. Nahrungsmittel, ohne die man nicht auskam und ohne die man auch heute nicht auskommt, obwohl, wie gesehen unser Angebot sehr vielfältig ist. Das eigentlich besondere am Angebot des Propheten haben wir aber noch gar nicht bedacht. Er will alles umsonst abgeben. Er will alles verschenken. Also er gibt ein Dauertiefstpreisangebot zum Nulltarif- um es einmal mit unseren Worten zu beschreiben. Mit diesem Verkäufer können Penny, Aldi und Lidl nicht mithalten, auch wenn sein Brot nicht „doppelt lang in altdeutschen Seinbacköfen gebacken wurde“ und sein Wasser nicht von „der Quelle ist, aus der die Welt trinkt“. Der Prophet ist kein guter Geschäftsmann.

Freilich, Jesaja verkauft nicht wirklich Brot und Wein und Milch und Wasser. Er nimmt diese Nahrungsmittel als Beispiele für etwas viel größeres und wichtigeres. Wovon er reden will- das ist die Beziehung des Menschen zu Gott. Er meint nicht das alltägliche Brot, sondern das Brot des Lebens. Er meint nicht das Wasser aus dem Brunnen, sondern lebendiges Lebenswasser. Und der Prophet unterstellt ganz einfach, dass seine Produkte die einzig wahren und echten sind. Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? So fragt der Prophet.

Und er meint wohl folgendes: Viele Leute kaufen viele Dinge, die ihnen keinen Nutzen bringen. Sie wenden viel Zeit und Energie für das auf, was in den Augen Jesajas vergebens ist. Und sie begehen dabei einen entscheidenden Fehler: Das, was ihnen umsonst angeboten wird, was sie nichts kostet, das nehmen sie nicht an. Und dieses Grundnahrungsmittel „Gott“ wird von vielen Menschen allzu achtlos auf die Seite gelegt. Wir sind eingeladen zu Gott zu gehören, ganz umsonst. Was wir tun müssen ist lediglich: „die Ohren zu neigen, herzukommen und zu hören“, wie dies der Prophet formuliert. Und das Ergebnis, das Resultat solchen Ohren Neigens, Hörens und Herzukommens: „Höret, so werdet ihr Leben“, sagt Jesaja. Leben als Geschenk Gottes, für alle, die sich ihm zukehren. Leben will jeder. Aber es scheint als wäre das in unserer Zeit schon zu viel verlangt. Als wäre es schon zu viel verlangt sich auf den Weg zu machen und auf Gott zu hören um den Glauben und damit Leben zu empfangen. Fast jedes Sonderangebot wird wahrgenommen, aber das Angebot Gottes?

Viele Menschen, vielleicht auch oft wir selbst, leben materiell gut abgesichert, nichts ist dagegen einzuwenden. Aber leben wir wirklich? Ich meine leben wir mit Gott aus seinem Angebot heraus? Nur das Angebot Gottes schenkt Leben, macht Sinn, weil es nicht allein im Spaß haben und im Konsum erschöpft, sondern echten Lebenssinn durch Gott bekommt.

Vielleicht wäre das alles anders, wenn man sich das Angebot Gottes im Supermarkt kaufen könnte. Aber zum Glück ist das nicht so. Manche Dinge muss man sich eben schenken lassen, weil sie so kostbar sind, dass man sie gar nicht bezahlen kann. In dieses „Superangebot“ Gottes muss man einfach einschlagen, denn man gönnt sich ja sonst nichts.

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