Herzensblick

Im Umgang mit älteren Menschen, außerhalb und auch innerhalb unserer Gemeinde, viel mir auf, dass sich ältere Menschen gerne an früher erinnern. Sie erinnern sich gerne daran, wie sie jung gewesen sind; wo sie aufgewachsen sind und wie sie dann geheiratet haben und eine Familie gegründet haben.

Und immer wieder höre ich, wie viele ältere Menschen sagen, dass es früher schöner war. Ja, früher da hab ich mich in meinem sozialem Umfeld zurechtfinden können, da war mir alles vertraut. Heute da kann ich Gott und die Welt nicht mehr verstehen.

Und so verspüre ich eine innere Unruhe bei diesen älteren Menschen. Eine innere Unruhe, welche durch die Bilder, die sie im Fernsehen von Kriegen oder von Verbrechen sehen, hervorgerufen werden. Ja, ich verspüre ihre Ängste. Und allem Anschein nach tut es ihnen auch weh, wenn sie solche Nachrichten hören und solche Bilder sehen.

Und ich verspüre auch eine Sehnsucht. Ja, die Sehnsucht danach, dass wir Menschen in Frieden miteinander leben können und dürfen Es ist die Sehnsucht danach, dass wir Menschen uns miteinander freuen können. Und es ist die Sehnsucht, dass sie ihr Leben als Reichtum empfinden und dass sie sagen können, es ist und es war alles sehr gut.

Ganz davon abgesehen, können wir, die wir jünger sind, zu allem sagen, siehe es ist und es war sehr gut?

Für diese Frage ist der heutige Predigttext, wie eine Antwort.

[TEXT]

Jesus hat in seiner Vollmacht dort zugegriffen, wo Menschen von Sünde, Geldgier, Tod und Krankheit ergriffen waren und keinen Ausweg aus ihrer Situation fanden.

Auch heute, liebe Gemeinde, gibt es auf der ganzen Welt Menschen, die genau so „verschmachtet und zerstreut sind, wie die Schafe, die keinen Hirten mehr haben“.

Und ich denke, das ist auch ein Stück von dem Gefühl, welches ältere Menschen haben, wenn sie sich in der heutigen Welt verloren vorkommen.

Rühren uns solche Menschen auch, wie damals Jesus, oder schauen wir einfach bei Seite? Haben wir den Blick für das Wesentliche verloren?

Jesus sah in jedem, den von Gott gewollten Menschen. Dabei übersah er nicht, dass sich dieser im Gegensatz zu Gott setzte. Und er verwarf den Sünder deshalb nicht.

Indem Jesus den Menschen erbarmend und nicht verurteilend begegnete, erreichte er die Herzen dieser und vermochte sie so zu heilen.

Jesu Herzensblick, Gottes Liebe ist es, die uns verbietet an den leiblichen, sozialen und wirtschaftlichen Nöten der Verschmachteten, Zerstreuten und ebenso an den älteren Menschen, die keinen Hirten mehr haben, vorbeizuschauen.

Jesus, er schickt seine Jünger mit einem klaren Auftrag los. Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Ja, es gibt viele Menschen, zu denen ihr gehen sollt. Sie warten auf Euch, sie warten auf eure Hilfe und auf euern Trost.

Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Das heißt doch, von Gottes Liebe zu erzählen. Aus Liebe wird Gott Mensch. Aus Liebe starb Jesus am Kreuz, für uns.

Gottes Liebe ist es, welche die leiblichen, die sozialen und wirtschaftlichen Nöten der Verschmachteten, der Zerstreuten und der älteren Menschen, die keinen Hirten mehr haben, sättigt und aufrichtet.

Gottes Liebe setzt der aktiven und passiven Zerstreuung ein Ende. Ja, Gottes Liebe macht uns zu wertvollen Menschen. Gottes Liebe ist der Lebenssinn, Jesus Christus erkennen.

Liebe Gemeinde, Gottes Liebe kann aus Feinden Freunde machen. Ja, Gottes Liebe, sie kann in eine Familie wieder Frieden bringen. Ich denke, dass Gottes Liebe ein verlässliches Fundament jedes menschlichen Lebens ist. Und diese Liebe Gottes ist kostenlos und greifbar nahe.

Rühren uns solche Menschen auch, wie damals Jesus, oder schauen wir einfach bei Seite? Oder haben wir den Blick für das Wesentliche verloren?

Jesus schickt seine Jünger auf Reisen, nicht auf Erholungsreisen sondern auf Missionsreisen. Er beauftragt seine Jünger hinaus zu gehen und zu predigen, dass das Himmelreich nahe herbeigekommen ist.

Der Himmel hat sich geöffnet, als Jesus die Menschen, die genau so „verschmachtet und zerstreut waren, wie die Schafe, die keinen Hirten mehr hatten“ gesehen hat und Mitleid mit ihnen empfand.

Jesus verkündet die befreiende und mutmachende frohe Botschaft von der Liebe und der Nähe Gottes. Gott ist nicht fern. Er ist mitten in den Dingen dieser Erde, um sie herum und über ihnen.

Jesus lehrt uns neue Wege zu gehen. Und wenn jede und jeder von uns bereit ist die Last des anderen zutragen, dann hat sich, auch bei den Menschen, die genau so „verschmachtet und zerstreut sind, wie die Schafe, die keinen Hirten mehr haben“, der Himmel auf Erden aufgetan.

Dabei kommt es nicht darauf an Menschenkenntnis zu entwickeln, und schon gar nicht Menschen durchschauen zu wollen, sondern zu klären, wie man selbst mit anderen Menschen umgeht.

Es gehört einfach dazu, dass wir die Verbindung mit anderen Menschen suchen, und zwar nicht nur mit den Leidenden, sondern auch mit Schuldigen.

Es gehört einfach dazu, dass wir die Türe hinter uns nicht verschließen, sondern nur angelehnt lassen, damit das fremde Schicksal bei uns eintreten darf.

Es gehört der Wille dazu, das Leiden, die Sorgen, die Ängste, die Zweifel und auch die Bosheiten der anderen bei uns eintreten zu lassen, allerdings nur soweit die eigene Kraft dazu reicht.

Dabei wird unser Leben realer. Es wird auch schwerer und es wird wesentlicher, den Durchblick und Zugang zum Vater zu sehen, den Himmel zu sehen.

Wo wir mit Jesus Christus leben, liebe Gemeinde, da ist also auch das Himmelreich auf Erden. Wo die frohe Botschaft ist, da ist Jesus Christus, da ist die Liebe Gottes, da ist der Heilige Geist, sein Reich, das Himmelreich.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

drucken