Von Mose lernen

Liebe Mitchristen,

ist es nicht so, wir denken in diesen frühsommerlichen Tagen und bei der erwachenden Natur öfters daran: Es wird uns und ist uns alles leicht. Das Leben macht Freude an so einem Festtag. Die Laune ist gut. Manche qualvollen und anstrengenden Zeiten werden vergessen. Pfingsten: der Geist macht es leicht, so stellen wir es uns vor. Und natürlich wissen wir auch, dass wir es uns manchmal selbst schwer machen und wir es nicht Gott in die Schuhe schieben können, wenn wir uns überlastet fühlen.

So ist es, wenn da nicht unser heutiger Bibeltext wäre, der aus dem Alten Testament stammt und von einem überforderten Mose spricht, dem scheinbar alles über den Kopf wächst.

Hören wir auf eine Abschnitt aus dem 4. Mosebuch.

[TEXT]

Ich höre Einwände gegen diesen Bibeltext: „Der hat doch nichts mit Pfingsten zu tun. Und überhaupt: Die Situation des Mose ist mit meiner gar nicht vergleichbar, Mose war mit seinem Dienstauftrag überlastet, ich bin es manchmal mit meiner Familie, mit meiner Arbeit, mit mir selbst.“

Und dennoch, trotz dieser berechtigten Einwände hat dieser Text viel mit uns zu tun.

Lassen sie es mich an drei Punkten deutlich machen.

1. Mose ist überlastet, so wie auch bei uns immer mehr Menschen. Er brennt aus.

Und dazu lese ich in einem Fachartikel: „Zur Frage "was kann zum Burnout führen?" besteht bisher kein einheitliches Meinungsbild. Manche Wissenschaftler betonen Faktoren wie Mangel an Autonomie, Rollenkonflikte, zu hohe Erwartungen, Unklarheiten in den hierarchischen Strukturen, inadäquate Ziele und Konzepte, unzureichende Unterstützung durch Vorgesetzte usw. Andere weisen vor allem auf Beziehungskonflikte hin, was dann tatsächlich Berufe mit Patienten, Kunden, Schülern usw. besonders anfällig macht. Wieder andere betonen die Diskrepanz zwischen dem anfänglich hohen Engagement ("lodern"), verbunden mit ggf. irrealen persönlichen Erwartungen und der desillusionierenden Realität.“ (<a href="http://www.psychosoziale-gesundheit.net" target="_blank">www.psychosoziale-gesundheit.net</a>)

Ich denke diese Definition trifft Mose komplett. Zu hohe Erwartungen hat das Volk an ihn. Wie soll er denn das murrende Volk in der Wüste bei Laune halten? Und wenn sie schon zu essen haben mit Manna oder Wachteln, dann übertreiben sie gleich wieder und halten sich nicht an Gottes Vorgaben. Sie heben auf, vertrauen nicht darauf, dass Gott sie auch am nächsten Tag mit Essen versorgt usw. Irgendwann, so verstehe ich es, wächst das dem Mose über den Kopf. Er fragt sich was er eigentlich tut und ob er es überhaupt jemanden recht machen kann. Mal sind die Leute sauer, mal ist es Gott. Er darf schließlich nicht ins Gelobte Land.

Ich merke es bei vielen Menschen heute, dass sie mit der Erwartungshandlung anderer nicht mehr zurechtkommen. Und was wird da nicht alles erwartet von Bürgermeistern, von Pfarrern und von Ehrenamtlichen. Es kann zu viel werden. Wir müssen uns schützen, dass es nicht zu viel wird, so wie bei Mose

2. Mose fühlt sich nicht verantwortlich

Eigentlich ehrt dies doch den Mose. Er hat Israel maßgeblich dazu gebracht aus Ägypten zu ziehen. Man vertraut ihm und nun ist er halt für die Leute auch verantwortlich.

Und dennoch macht er jetzt eine ganz wichtige Entdeckung.

Er merkt: „Ich kann mit meinem Anliegen zu Gott kommen und von ihm eine Lösung erwarten.

Menschen erwarten von mir viel. Aber nicht ich, Mose, habe die Leute aus Ägypten geführt, es war Gott. Bei Tag tat er es mit einer Wolkensäule, bei Nacht mit einer Feuersäule. So ist er doch für jeden sichtbar. Was mache ich mir eigentlich Gedanken? Ich bin doch nur ein ausführendes Organ. Wäre ich nicht da, wäre ich tot“, er denkt sogar darüber nach, dass es besser wäre, wenn er tot wäre, „also wäre ich nicht da, dann hätte Gott das irgendwie anders gelöst.“

Ein Trost und eine Aufforderung für uns alle ist dieser Bibeltext. Wir brauchen uns nicht so wichtig zu nehmen. Die Welt dreht sich ganz gut ohne uns. Es ist schön, wenn wir uns einsetzen. Freilich unersetzlich sind wir nicht. Wir wären es manchmal gerne. Aber kein Bürgermeister, kein Landrat, kein Politiker und schon gar kein Pfarrer ist unersetzlich. Das kann Gelassenheit geben, denn andere können es auch versuchen Verantwortung zu übernehmen und Verantwortung kann wenigstens zum Teil abgegeben werden.

3. Gott hilft auf zweierlei Weise

Und das ist nun auch die Maßnahme, die Gott ergreift. Es werden 70 angesehene Leute ausgewählt, die Mose nun unterstützen sollen.

Das ist die erste, ganz konkrete Hilfe. Wir haben unsere Mitarbeitende unsere Kirchenvorstände und Gemeinderäte unsere Kreisräte und Landtage usw.

Aufgaben sollen hier verteilt werden, sollen miteinander getragen werden. Wir haben diese Gruppen auch. Wir könnten uns gegenseitig noch mehr entlasten.

Und jetzt kommt das Entscheidende und der Grund warum dieser Bibeltext ein Pfingsttext ist: „Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.“

Die 70 erhalten den Geist Gottes und erfahren seine Nähe hautnah. Genauso wie die Jünger Jesu an Pfingsten. Sie erhalten den Geist, damit sie wissen was sie nun zu tun haben.

Gott also schreitet für Mose ein. Die Lasten werden verteilt und der Geist Gottes soll diese auserwählten Männer leiten.

Ich finde diese Idee Gottes großartig. Es werden Menschen gesucht, die geeignet für einen besonderen Dienst sind und sie geraten auch noch in Verzückung.

Wenn das keine besondere und tolle Verheißung ist?

Vielleicht ist Verzückung ja etwas, was wir gar nicht unbedingt erwarten. Aber es kann und soll große Freude machen in einer Gemeinde mitzuarbeiten. Und anderen Menschen mit einer besonderen Gabe, die eben jeder für sich hat, zu dienen. Diese Menschen braucht jede Gemeinde und es dürfen ruhig auch mehr als 70 sein.

Und man darf es ausprobieren.

Solches Engagement hilft anderen vor der Überforderung und der Gemeinde hilft es sich neu zu finden und sich immer wieder bereichern zu lassen.

Von Mose lernen heißt heute folgendes für mich und für die Gemeinde:

Wir benötigen immer Menschen die, weil sie Christen sind, mitarbeiten. Dabei ist der Umfang dieses Dienstes zweitrangig. Wichtig ist die Begeisterung für den Glauben und die Aufgabe. Das entlastet manche und gibt anderen wiederum die Chance sich einzubringen. Gemeinde wird vielfältiger, bunter, und im wahrsten Sinne des Wortes „geistreicher“.

Glauben sie mir, Gottes Entscheidungen, auch die des heutigen Predigttextes sind gewiss nicht dumm. Lassen sie sich doch ansprechen von ihm und setzten sie sich ein.

Gott möge sie und unsere Gemeinde segnen.

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