Brückentag

Der Himmelfahrtstag hat in der Rangfolge der kirchlichen Feiertage an Bedeutung verloren. Kommerziell gesehen ist der Christi Himmelfahrtstag durch den Ersatz des Vatertages schon recht interessant geworden.

Wir haben es weniger mit einem Feiertag als vielmehr mit einem sog. Brückentag zu tun, weil er uns Arbeitnehmern ein verlängertes Wochenende schenkt.

Dieser Tag, er versammelt allenfalls noch die Treuesten der Treuen zum Gottesdienst. So liegt die Gefahr recht nahe, dass der Himmelfahrtsgottesdienst keinen Horizont öffnet, sondern als Feier einer geschlossenen Gesellschaft erlebt wird.

Als deprimierend empfinde ich es, liebe Gemeinde, wenn 90% unserer Mitbürger, vor allem aber Jugendliche, auf die Frage hin: Warum denn heute frei sei? antworten, dass doch Vatertag sei.

Dank dieser Aussage, hat der Himmelfahrtstag überlebt. Doch Christi Himmelfahrt hat absolut und auch rein gar nichts mit einer feuchtfröhlichen Vatertagsveranstaltung zu tun.

Der Sohn kehrt zurück zum Vater, der ihn in die Welt gesandt hat. Ja, er kehrt zurück zu dem Ursprung seiner Sendung. Die Himmelfahrt Jesu signalisiert uns einen Verlust. Der Sohn Gottes wird nun nicht mehr zum Greifen nah sein. Die Geborgenheit, die seine Nähe schenkte, wird es so nicht mehr geben.

Christi Himmelfahrt ist der Tag der Erinnerung an ein Aufhören. An diesem Tag geht es um Abschied und um ein Zusammenbleiben in einer neuen Form, einer Form des Zusammenseins in der Gemeinde.

Um Abschied geht es am heutigen Tag und um ein neues Zueinanderkommen. Und bevor Jesus Abschied nimmt, fasst er all das, was ihn bewegt und was ihm am Herzen liegt in einem Gebet zusammen.

Jesu bittet Gott den Vater, um Glauben, Beten, Erkennen, Lieben, Herrlichkeit und Einssein. Ja, darum bittet Jesus seinen himmlischen Vater am Ende seines Weges auf der Erde.

[TEXT]

Jesus, er nimmt Abschied von dieser Welt und bleibt doch in ihr gegenwärtig. Im Geschehen der Himmelfahrt wird deutlich, wie Anfang und Ende, Weg und Ziel, Abschied und Kommen eigenartig miteinander verschlungen sind. Durch Jesu Worte spricht Gott zu uns und in Jesu Worte ist Gott am Werk. Durch Jesu Liebe und Vergebung neigt sich der Vater uns zu. In Jesus offenbart sich Gott.

Jesu Gebet, ein Gebet voller Führsorge. Er richtet sein Gebet an Gott, als dessen Botschafter er auf der Welt war. Jesus macht sich Gedanken, denn er lässt Menschen zurück, mit denen er verbunden war; er lässt Menschen zurück, die ihm anvertraut waren.

Wir Menschen müssen uns ohne ihn zu Recht finden. Aber Jesus lässt uns nicht mit leeren Händen stehen. Er hat uns etwas gegeben, ja, er hat uns das ewige Leben gegeben.

Wenn Christus aus dieser Welt geht, dann nur, um mit uns auf intensivere Weise verbunden zu sein.

„Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast“.

Unser Leben ist begrenzt, es hat einen Anfang und ein Ende und dazwischen leben wir. Je älter wir werden umso schneller vergeht unsere Zeit.

Der Tod, widerspricht allem, was lebt. Er ist zwar natürlich aber doch nicht unserer Natur entsprechend. Und ich denke, dass Gott keinen Fehler in seinem Terminkalender macht. Er weiß schon die rechte Zeit und Stunde für einen jeden von uns.

Noch ahnen wir nicht, wie das jenseitige Leben aussehen wird. Aber Jesus verbürgt sich dafür, dass unser Leben über die Schwelle des leiblichen Todes hinausreicht. Das ewige Leben, sagt Jesus, bedeutet Gott erkennen.

Und wenn schon die Schmetterlinge sich entpuppen und herrlich verwandeln dürfen, sollte Jesus nicht auch uns das Wunder der Verwandlung in ein ewiges Leben erfahren lassen?

Um Abschied geht es heute und um ein neues Zueinanderkommen. Wir bleiben nicht ewig in der Welt. Jesus schaut auf unsere Vollendung und wir sollen die Herrlichkeit Jesu Christi schauen. Von dieser Herrlichkeit werden wir in alle Ewigkeit leben.

Am Ende seines Gebetes geht Jesu Blick über den Horizont eines jeden von uns hinaus in die Weite der Zukunft. Wir wissen nicht, wie weit er reicht. Wir wissen aber, dass wir mit in sein Blickfeld gehören.

Der Herr betet für die, die durch das Wort der Jünger und ihrer Nachfolger an ihn glauben werden. Unser Leben ist durch unbarmherzige Trennungsstriche gekennzeichnet. Immer wieder werden wir auseinander gerissen. Auf Dauer kann nichts zusammen bleiben, mag es noch so fest zusammengehören.

Jesus nimmt Abschied und doch sichert er zugleich den Seinen zu, dass er sie nicht verlässt. Die Himmelfahrt des Gekreuzigten und Auferstandenen ist ein Ereignis, welches uns unruhig machen kann. Verlorenheitsgefühle steigen wieder auf. Gott wird wieder als der Ferne erlebt, kein Gott mehr zum Anfassen. Gott ist im Himmel und wir sind auf der Erde.

Doch das ist nicht das Ende. Am jüngsten Tag wird Gott das Gebet seines Sohnes verwirklichen. In Jesus Christus werden wir dann eins sein. Dann werden wir dort sein, wo er ist. Dann gibt es keine Trennung mehr. Die Geschichte von Gott und der Welt, sie ist noch nicht zu Ende, es geht weiter!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

drucken