Blick zum Himmel

‚Was steht ihr da und seht zum Himmel’, hieß es in der Lesung als Frage der Männer, die nach dem Ereignis der Himmelfahrt zu den Jüngern treten. Stehen wir vielleicht heute noch da und schauen in den Himmel? Suchen wir heute noch Jesu im Himmel und nicht mitten unter uns?

Himmelfahrt ist ein eigenartiges Fest: Ein Fest des Verlustes: Jesu hat die Seinen endgültig verlassen, nach Tod und Auferstehung ist er nun plötzlich weg. Und doch ist es ein fröhlicher Tag, weil Christus da ist. Wir haben diese Verheißung, die wir bei jeder Taufe wieder zitieren: Siehe ich bin bei Euch alle Tag bis an der Welt Ende.

Der Himmel muss nicht das Ziel unserer Sehnsüchte und Hoffnungen sein. Hier und heute ist dieser Herr bei uns. Wer Gott den Himmel zuweist und den Menschen die Erde, hat noch nicht viel begriffen. Wo Menschen sich versammeln ist der Herr mitten unter ihnen. Darum ist sein Abschied ein großes Fest. Die Gemeinde wird erwachsen, so wie unsere KonfirmandInnen mit ihrer Tauf erwachsen werden.

Nun ist erwachsen werden ja nicht unbedingt an eine Datum fest zu machen. Erwachsen werden muss ich mein Leben lang und das macht sich an meinem Verhalten fest. So muss auch die christliche Gemeinde immer neu erwachsen werden, so wie Jesus für sie gebetet hat, dass sie erwachsen wird.

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Jesus nimmt Abschied, indem er bittet für die, die direkt mit ihm zusammen waren und die, mit denen er im Glauben verbunden ist. Er betet um Einheit. Jetzt geht der Sohn und lässt die Seinen zurück mit dem Geist und mit seiner Liebe. Ziel, dass sie alle einig sind (eins sind): Kirche in der Einheit des Geistes. Da betet Jesus für alle die, die seinem Wort zuhören, die daraus etwas gewinnen für Ihr Leben, da betet Jesus für uns.

Das Leben von ChristInnen soll so sein, dass die, die ihnen begegnen etwas spüren von der Wahrheit, die in ihnen ist, von der Wahrhaftigkeit ihres Glaubens. Den Namen Gottes kennen und die Botschaft Jesu Christi bedeutet Jesus kennen und seine Liebe verinnerlicht haben.

Konflikte gab es von Anfang an in der Gemeinde. Die Bitte Jesu ist keine Bitte um Vermeidung der Konflikte, so wenig, wie er selber notwendigen Konflikten aus dem Wege gegangen ist, aber es ist eine Bitte darum, dass es der Gemeinde gelingt mit ihren Konflikten zu leben. Vielleicht auch eine Bitte für uns, dass es uns gelingt, unsere eigenen Konflikte zu lösen und Kirche in der Verschiedenheit der Konfessionen und trotzdem in Einheit zu leben, weil wir wissen, dass wir bei allen unterschieden doch zusammengehören.

Einheit der Kirche, Einheit von Schwestern und Brüdern ist eben kein abstraktes Gebilde, kein dogmatisches Element, sondern wirkliche Einheit von Schwestern und Brüder, die zusammenkommen trotz allem, was sie trennt, zusammen beten, zusammen zum Tisch des Herrn gehen. Jesus weiß wie wichtig das Bleiben in seiner Gemeinschaft ist. Dazu gibt es ein altes Bild, dass ein sterbender Vater seine Söhne auffordert einen Bund Stäbe zu zerbrechen. Erst dem gelingt es, der die Stäbe trennt. Das Bund ist eben mehr als die Summe seiner Teile. Kirche ist eben mehr als die Summe einzelner, es ist die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern.

Trotz aller Abschiedsreden: Jesus lässt uns nicht allein. Als greifbares Zeichen dafür hat er uns dieses Mahl gegeben. Er hat es belegt mit seiner Verheißung, dass dort wo Menschen das Brot brechen und den Wein trinken in seinem Namen er leibhaftig anwesend ist. Ich weiß, dass manchen dieses Thema besonders im Herzen brennt. Wenn wir bei dieser Abendmahlsfeier die Familien bitten gemeinsam mit ihren KonfirmandInnen zum Altar zu gehen, dann wissen wir, dass es Familien gibt, die sind wie dieses Bund Stäbe, getrennt. Und doch kommen sie zusammen – als Brüder und Schwestern.

Dieser Einheit ist erwachsen, Eifersucht ist nicht erwachsen, ist kindisch. Dort wo eine Gemeinde auf die andere schielt in der Hoffnung, dass dort alles nicht so gut ist, ist sie nicht Gemeinde in der Einheit des Geistes. Erst dort, wo sie die Verschiedenheit als Chance ergreift ist sie erwachsen.

Erst dort wo jeder einzelne Christ und jede einzelne Christin begreift, dass es nicht darum gehen kann selber einen starken Auftritt zu haben, kann Gemeinde entstehen. Erst dort wo aus den vielen Begabungen Positives wächst, entsteht Kirche in der Einheit des Geistes in den vielen Farben des Glaubens.

Eine Abschiedsrede Jesu. Jesu verlässt die Seinen und traut ihnen zu, dass sie Gemeinde aufbauen, dass sie seine Botschaft und seine Lieb leben können.

Himmelfahrt: Der Blick zum Himmel, der Sicherheit auf der Erde verschaffen kann. Ich weiß: Er ist weg, aber er lässt uns nicht allein, sondern ER geht mit uns und hilft uns unseren Glauben zu leben als erwachsene JüngerInnen in seiner Gemeinde.

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