Freude über Gottes Schöpfung

Die Schöpfungsgeschichte gilt oft als der Teil der Bibel, den man eigentlich über den Haufen werfen sollte. Die ganzen Erkenntnisse der letzten Jahrhunderte widersprechen ihr. Die drei großen Kränkungen der Neuzeit durch Kopernikus (die Erde ist nicht Mittelpunkt der Welt), Darwin (der Mensch ist eine Station eines langen Evolutionsprozesses), Freud (der Mensch ist nicht Herr, sondern Diener seiner Triebe) nagen tief an dieser Geschichte, so dass man sie am liebsten vergessen würde. Darum ist es gut, heute wenigstens einen Teil der ersten Schöpfungsgeschichte der Bibel, es gibt zwei unterschiedliche Berichte, zu hören.

Es ist freilich so, dass niemand an den Ablauf der 7 Tage glauben muss, um den Inhalt der Schöpfungsgeschichte zu glauben. Aber dass Gott aus dem ‚Tohuwabohu’ (= wüst und leer) eine Ordnung schafft, die nicht nur dem Menschen dient. Dass zu behaupten ist eine Leistung naturwissenschaftlicher Forschung vor 2,5 Jahrtausenden. Der Glaube an diesen Gott war den Menschen wesentlich.

Mit den uns bekannten Geschichten von der Schöpfung der Erde bekennt das Volk Israel, dass der Gott, der sein Volk nicht im Stich gelassen hat, sondern aus der Sklaverei befreit hat derselbe ist, der auch eine gute Grundlage allen Lebens geschaffen hat.

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Das Chaos und das Nichtige wird geordnet durch das Wort des Schöpfers. Damit will der alttestamentliche Schriftsteller die Frage nach dem Sinn beantworten, dem Sinn des Lebens, dessen, was er erlebt, es ist die Frage des gefährdeten, bedrohten und verwundbaren Menschen nach Welt und Umwelt. Seine Antwort: Gott hat eine gute Grundlage geschaffen, damit der von ihm geschaffene Mensch und alle Kreatur gut leben kann. Und er hat den Menschen als sein Abbild geschaffen, mit der Freiheit in seiner Schöpfung zu walten und zu schalten – und alles, was wir als nicht gut empfinden ist Folge dessen, das die Menschen ihre Freiheit nicht immer gut gebrauchen. Davon erzählen die nächsten Kapitel der Bibel, von den Menschen Adam und Eva, die sein wollen wir Gott, von Kain, der seinen Bruder Abel erschlägt.

Zum paradiesischen Urzustand gehört, dass die Nahrungsverteilung klar geregelt ist. Tiere und Menschen erhalten je ihre Nahrung, Konkurrenz oder gegenseitiges Töten sind ausgeschlossen. Dem entsprechen später die Zukunftshoffnungen der Propheten, dass die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die ganze Schöpfung wieder friedlich vereint ist. Schon früh empfanden Menschen, dass es nicht Gottes Wille sein kann, dass seine Geschöpfe einander nach dem Leben trachten.

Dagegen nennt die Bibel Paradies jenes Leben, dass so ist, wie Gott es gewollt und geplant hat. Leben im Paradies bedeutet Leben im Einklang mit sich und der Natur.

Dazu gehören auch Tendenzen, die wir heute fast demokratisch nennen würden: nicht der König oder eine andere besonders herausgehobene Person (Priester) ist Bild Gottes, sein Stellvertreter, sondern der Mensch, also alle: Mann + Frau. Dies entspricht nicht der gesellschaftlichen Wirklichkeit, in die hinein unser Forscher schreibt, aber es ist der Ursprung und das Ziel der guten Schöpfung.

Der Mensch als das Bild Gottes hat den Auftrag zu herrschen über diese Schöpfung: Herrschen heißt Verantwortung übernehmen, wie ich für meine Kinder Verantwortung übernehme oder ein Vereinsvorsitzender für seinen Verein oder hoffentlich ein Politiker oder eine Politikerin für das Ganze. Wer verantwortlich herrscht, wird auch die Grenzen seiner Fähigkeiten anerkennen, wird Grenzen sehen können, wo er nicht mehr weiter weiß.

Das moderne Glaubensbekenntnis lautet eher: Ich glaube nur das, was ich sehen kann; ich glaube nur, was sich beweisen lässt.’, bedingt den Menschen, der alles kann und darf, der sein eigener Gott ist und gerät dort an die Grenze, wo es um Gefühle geht wie die Liebe, die sich eben weder sehen noch beweisen lässt. Dieser Mensch ist der Mensch, der seine Freiheit missbraucht und so sein Leben verpasst. Er plant und belegt seine Pläne durch Machbarkeitsstudien und verliert dabei Gottes gute Schöpfung und sich selbst.

Wie durchdacht die Schöpfung ist, zeigt ein Detail: Die Welt wird in sieben Tagen geschaffen: Zur Schöpfung gehört der siebte Tag, in jüdischer Zählung der Sabbat, der Ruhetag für den Menschen. Dieser Ruhetag vermag den Menschen dazu zu bringen, Zeit für sich selber zu haben, Zeit innezuhalten, sein Menschsein zu genießen, für sich und die Seinen, für Gefühle und die Schöpfung Luft zu haben.

Jubilate: die Freude über das, was Gott alles für uns gemacht hat. Das ist ein guter Tag: Lasst uns freuen und dem Herrn danken, das wir ihn haben.

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