Mutmachend

Der heutige, erste Sonntag nach Ostern heißt Quasimodogeniti, zu Deutsch: wie neugeboren. Als Jesus Christus am dritten Tag nach seinem Kreuzestod von Gott auferweckt wurde, da war er damals wie neugeboren. Auch wir Christen sollten wie neugeboren sein, wenn wir die frohe Botschaft von der Auferstehung hören.

Unser Predigttext redet jedoch wesendlich zurückhaltender von der Auferstehungsbotschaft. Vielleicht nicht ohne Grund, denn dieser Text des Markusevangeliums wurde nachträglich eingefügt und er zeigt, welche Schwierigkeiten damals aus der Auferstehungsbotschaft wuchsen.

[TEXT]

Für viele von uns ist das Ereignis an Oster in Jerusalem ein großes Problem. Wir kennen Jesus nicht persönlich und der Auferstandene ist uns nicht erschienen, ein direkter Zugang zur Auferstehungsbotschaft ist für uns daher nicht möglich.

Maria Magdalena erzählt, was sie am leeren Grab erlebt hatte. Doch niemand von den dort Anwesenden glaubte ihr. Können wir, was dort geschehen ist überhaupt in Worte ausdrücken? Können wir überhaupt Ostern in Worte ausdrücken?

Wir reden zwar von unaussprechlicher Freude, unsagbaren Schmerzen und auch von unermesslichem Elend. Ja, von den Höhen und Tiefen des Lebens, darüber reden wir, aber über Ostern?

Da reden wir nur in Wortfetzen und Umschreibungen, uns fehlen einfach die Worte. Was dort geschehen ist, lässt sich einfach nicht in Worte ausdrücken; es übersteigt unsere Begrifflichkeit und auch unser Begreifen.

Wenn die Auferstehung Jesu Christi und das leere Grab nur ein geschichtliches Ereignis wäre, so könnten wir mit Achselzucken reagieren: Na und, was soll´s? Die Welt ist um ein Mysterium bereichert worden.

Wenn die Auferstehung Jesu Christi nur eine dogmatische Wahrheit wäre, dann könnten wir fragen: Was bringt uns diese? Und was nützt uns eine Wahrheit, wenn diese unser Leben nicht berührt?

Wenn die Auferstehung Jesu Christi nicht diese verwandelnde Kraft hat, die sie offensichtlich bei den Jüngerinnen und Jüngern hatte, dann wird uns diese für immer fremd sein.

Zunächst glaubten die Jünger nicht. Jesus muss sie erst ermahnen, ja in scharfer Weise zurechtweisen. Denn sie begreifen nicht, dass Jesus auferstanden ist.

Trotz aller Versuche dieses Ereignis in Worte zu fassen, liebe Gemeinde, ist Ostern die totale Wende und die Umkehrung von dem, was bis dahin als unerschütterlich galt.

Dieses Ereignis können wir nicht in den Griff kriegen, da unser logisches Denken dies schlicht und einfach nicht kann. Wer von uns seinen Glauben an einer vernünftigen Erklärung festmacht will, liebe Gemeinde, der wird der Auferstehung Jesu nur mit Unglauben begegnen.

Unglaube ist all zu menschlich, denn wir alle verlassen uns doch der Einfachheit halber auf das Normale. Und wenn in unserem Alltag etwas völlig Neues und Unerwartetes passiert, dann wehren wir uns dagegen. Das ist unglaublich, das gibt es doch gar nicht, so argumentieren wir dann.

Sogar die Jünger Jesu waren zunächst ungläubig, als sie diese Botschaft hörten. So ist es also nicht verwunderlich, wenn auch wir an Jesu Auferstehung manchmal zweifeln. Ja, liebe Gemeinde, Unglaube ist menschlich, und Übermenschen sind wir nicht.

Auf den Glauben kommt es an, wenn wir uns Christen nennen und in der Nachfolge Jesu stehen wollen. Unser Glaube lässt erkennen, in wieweit wir unter uns offen sind für Gottes Handeln.

Lassen wir wirklich Gott unseren Herrn sein, oder haben wir nicht schon längst anderen Menschen einen entscheidenden Platz in unserem Herzen eingeräumt? Zum Glauben, liebe Gemeinde, führt nur der auferstandene Jesus Christus selbst.

Erst als Jesus unter seine Jünger tritt, die sich zu seinem Gedächtnis zum Mahl versammelt hatten, da konnten sie die unverstandene Erfahrung der Maria von Magdala und der beiden Emmausjünger ganz persönlich nachvollziehen und sich auch aneignen. Christus ist es, der selbst diesen Wandel in ihnen herbeiführt.

Wo Jesus selbst das Zeugnis bekräftigt, liebe Gemeinde, da wird es zu einem annehmbaren Glaubenszeugnis.

Die Macht der Auferstehung, so denke ich, hat auch in unserer Zeit ihre Kraft nicht verloren. Sie wird uns stärken, wenn wir unseren Unglauben hinter uns lassen und uns auf den Weg des Glaubens wagen.

Mut machen sollte uns der Bericht der ersten Zeugen, dass Jesus Christus auferstanden ist und wir sollten dieser Macht der Auferstehung trauen, die uns zum ewigen Leben führen will.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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