Nachhaltige Osterfreude

Liebe Ostergemeinde,

endlich ist Frühling. Wie sehr freuen wir uns nach der dunklen Zeit an der Sonne, den Blumen und der Natur, in der Wachsen und Grünen herrscht. Die Natur lebt wieder auf und unsere Seele ebenfalls. In der Sonne sind die Menschen freundlicher, bleiben eher und länger am Hoftor oder beim Einkaufen stehen.

Wir haben allen Grund uns zu freuen. Die Osterfreude will unser Herz erfassen. Nachhaltig erfassen, um ein Modewort zu bemühen.

Unser Predigttext heute sind zwei Verse aus Jesaja 25, die Verse 8 und 9.

[TEXT]

Gott wird den Tod verschlingen und die Tränen abwischen. Das ist zukünftig.

Noch sind wir ja sterblich. Noch müssen wir trauern. Um liebe Menschen und um unsere eigenen verlorenen Möglichkeiten. Wir sind traurig wegen unserer eigenen Fehler, die nicht wieder gutzumachen sind. Wir ärgern uns über dies und jenes und v. a. über diese und jene Person in unserer Umgebung. Wir klagen über unser Leben. Wir beklagen uns über andere. Noch sind wir umringt von Leid und Zerstörung. Noch sind Tod und Tränen da. Sie schieben sich oft viel zu sehr in den Vordergrund.

In unserem Predigttext aber steht: Gott wird den Tod verschlingen und die Tränen abwischen. Darauf hoffen wir. Und dann reicht ein wenig Sonnenschein und Blühen, um in uns Frühlingshoffnung und Osterfreude zu wecken.

Das Ziel unserer Hoffnung ist von Anfang an für uns da. Die Hoffnung wurde uns in die Seele gelegt. Und dieses Ziel ist jetzt schon wirksam. Denn wir können uns danach ausrichten.

Das Ziel heißt: er wird den Tod verschlingen auf ewig. Lasst uns jubeln und fröhlich sein über unser Heil.

Ich glaube, wenn die Frühlingsfreude uns erfasst, dann spüren wir im tiefsten Inneren, worauf es hinaus läuft und wozu wir letztlich gedacht sind. Ich glaube, diese Hoffnung ist etwas in uns, das uns verändert und die jetzigen Tränen anders wahrnehmen lässt.

Als ich die Predigt geschrieben habe, ging in der Nachbarschaft plötzlich starker Baulärm los. Nicht an einem Stück, sondern ein lautes Knallen in unregelmäßigen Abständen. Ich habe mich geärgert und überlegt, wie ich damit umgehen soll. Dann habe ich eine Musik aufgelegt, die ich gut kenne und die mich deshalb gefühlsmäßig stark anspricht. Sie hat den Lärm nicht übertönt. Aber sie hat meine Gefühle verändert. Und der Lärm war nicht mehr so nervig.

So denke ich, ist das auch mit der Hoffnung und der nachhaltigen Osterfreude. Sie hilft uns, den Nerv und Ärger besser auszuhalten. Die Trauer ist noch da, aber in uns klingt schon ein neues Lied.

Die Bibel hat tolle Bilder für diese Freude und Hoffnung, die von Gott her kommt und die die eigentliche Wirklichkeit unseres Lebens ist.

Das neue Lied, das vom Sieg Gottes kündet, das wir jetzt schon singen, ist ein solches Bild. Es hat zu der Vorstellung geführt, dass die Ewigkeit ein ununterbrochenes Musizieren sei. Was ja nicht das schlechteste ist, wenn die Musik gut ist. Musik wirkt gegen die Traurigkeit. Selbst wenn die Musik traurig ist, hilft sie uns auszudrücken, was in uns vorgeht. Dadurch können wir besser damit umgehen. Ich finde die Vorstellung, dass es im Himmel Musik gibt schön. Denn das bedeutet auch dass es im Himmel Gefühle gibt und zwar besonders die Freude.

Ein anderes Bild ist das Bild des Festmahls.

Zu Beginn unseres Predigttexts ist vom großen Freudenmahl die Rede, das Gott für alle Völker ausrichtet. Da gibt es jede Menge zu Essen und guter Wein fließt in Strömen. Die Völker verständigen sich, denn sie sie sind zu Gast auf dem Gottesberg. Und sie haben Teil an der göttlichen Fülle.

Das Bild vom Festmahl spielt bei Jesus eine große Rolle. Immer wieder hat er das Mahl gefeiert und dabei klar gemacht, dass Gott uns einlädt und dass alle eingeladen sind und dass auch die, die bisher ausgeschlossen waren, gemeint sind. Denn Gottes Fülle ist so, dass wir einander nicht beneiden müssen. Es ist genug für alle da von Gottes guten Gaben.

Das Freudenlied, dass wir singen werden über den Sieg Gottes und das Gastmahl auf dem Berg sind Bilder für das, worauf wir hoffen. Gott wird den Tod verschlingen auf ewig. Der große Feind des Lebens wird vernichtet werden, nachhaltig vernichtet werden. Der Tod, der große Verschlinger, der so viele ins Nichts hinein verschlungen hat, er wird selbst verschlungen werden. Der Tod ist eine große Macht, aber es gibt eine Macht, die stärker ist. Das ist zukünftig, aber es wirkt schon jetzt.

Gott ist der Feldherr, der siegen wird, der den großen Tyrannen Tod besiegen wird. Wenn wir das sichere Vertrauen haben, auf der richtigen Seite zu stehen, im Siegerteam zu spielen, dann wachsen wir über uns selbst hinaus, dann gelingen uns Dinge, die sonst nicht gelingen, dann fließt Können und Glück zusammen.

Wenn wir Boule spielen, dann mache ich immer wieder diese Beobachtung. Wenn man das Gefühl hat, heute klappts, ich spiele im richtigen Team, dann bekommt ich einen Lauf, ich lege die Kugel ganz nahe an die Zielkugel und treffe die Kugel des Gegners, so dass sie wegfliegt. Dann gelingt viel mehr. Der Teufelskreis des Ärgerns und dadurch Schlechtspielens wird abgelöst durch einen Engelskreis des Selbstvertrauens und dadurch Gutspielens.

Liebe Ostergemeinde, ich wünsche uns allen eine solche Hoffnung und ein solches Vertrauen, dass wir unsere Stärken entwickeln und unsere Schwächen in ihrer Wirksamkeit begrenzen können. Wir gehören zum Siegerteam. Und die Zuwendung des starken Gottes ist uns so sicher zugesagt, dass jeder Teufelskreislauf beendet wird. Der nachhaltige Sieg ist unser, weil der ärgste Feind, der Tod, schon am Verlieren ist.

Gott ist wie eine tröstende Mutter. Sie wischt die Tränen ab. Gott ist wie eine Mutter, die ihr Kind auf den Arm nimmt und Heile, Heile Gänschen singt. Das Vertrauen, dass die Mutter da ist und tröstet wird dieses Kind sein Leben lang begleiten. – So geht Gott mit uns, seinen Kindern um. Er ermutigt uns zu kindlichem Vertrauen. Wer sich auf Gott verlässt, wird nicht enttäuscht werden.

Manchmal brauchen wir das kindliche Vertrauen. Manchmal sehnen wir uns zurück in die Arme der Mutter, und wollen getröstet werden. Wir müssen nicht immer erwachsen, stark, perfekt, verantwortungsbewusst sein. Wir dürfen Zeiten haben, in denen wir uns trösten lassen wie ein kleines Kind. Tränen gibt es. Manchmal fühlen wir uns ohnmächtig. Aber irgendwann wird es dann auch Zeit, das hinter uns zu lassen, wieder nach vorne zu blicken und anzupacken. Auch weiterhin wird es genug Anlässe geben, zu weinen, sich zu ärgern, sich der Osterfreude zu verschließen und der Hoffnung keinen Raum zu geben. Es gibt genug Stimmen, die so etwas sogar als Realismus verkaufen. Aber da müssen wir nicht drin stecken bleiben. Wir sind Kinder Gottes aber Erwachsene. Also fragen wir uns: Was können wir tun? Dann wächst die Hoffnung. Und dann kann ich auch mit Schwierigkeiten umgehen. Es ist einfach die Frage, auf was ich mehr hören will, den Baulärm oder die Musik, die ich selbst aufgelegt habe. Eine Frage der Entscheidung. Vielleicht kann ich das nicht immer durchzuhalten. Wenn die Lautstärke insgesamt zu groß wird, muss ich vielleicht die Musik leiser stellen und trotzdem ihr den gefühlsmäßig größeren Raum geben. Ich kann mich entscheiden, wie viel Raum ich dem Ärger geben will. Und ich muss nach einer gewissen Zeit die Trauer loslassen. Und es Gott auch erlauben, die Tränen abzuwischen. Es gibt Methoden, den Ärger abzugeben. All eure Sorgen werfet auf ihn, Jesus Christus, denn er sorgt für euch, steht in der Bibel. Alle Gefühle, die mich von der Hoffnung und Osterfreude abhalten, darf ich abgeben.

Es geht dabei um eine innere Haltung. Wie ich am besten zu der gelange, ist von Person zu Person unterschiedlich. Spazierengehen, singen, beten, ein Mittagsschlaf. Wichtig ist, dem Ärger weniger Raum zu geben und der Hoffnung mehr Raum zu geben.

Ostern ist das Fest, an dem uns das besonders leicht gemacht wird durch die Natur und das Wetter. Wir können schon jetzt einstimmen in den Ruf der Erlösten, damit die Erlösung an uns um so wirksamer werde: Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über unser Heil.

Wir sagen das – und wir nehmen so schon einen Teil unserer Zukunft vorweg. Die Zukunft hat schon begonnen. Und sie verändert uns schon. Leid und Zerstörung umgibt uns. Aber wir werden auch in Gottes Zukunft hinein verwandelt.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie die schöne Musik aus diesem Gottesdienst mitnehmen können. Und wenn der nächste Ärger kommt, denken sie zurück an die Musik und schicken den Ärger weg. – Das neue Lied der Hoffnung hat uns schon erfasst und in eine Bewegung genommen, bei der wir mit Gott siegen werden. Wir gehören zum siegenden Team. Alle Niederlagen bis dahin sind nur vorübergehender Natur.

Möge die Osterfreude mit Ihnen gehen. Mögen Sie oft jubeln und fröhlich sein über Gottes Heil, das schon spürbar und nahe ist.

Und der Friede Gottes …

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