Kein Comeback!

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Liebe Gemeinde!

Henry Maske hat es also tatsächlich geschafft. Nach zehn Jahren Abstinenz vom Boxen hat er seinen ehemaligen Kontrahenten Virgil Hill geschlagen. Allen Unkenrufen der Medien zum Trotz, die dem Gentleman des Boxkampfes eine herbe Niederlage prophezeiten und schon Mitleid bekundeten, stieg er als Sieger aus dem Ring und hat, wie er selbst in einem Interview sagte, noch nicht einmal einen Muskelkater. So ist das mit den Totgeglaubten, sie leben länger oder tauchen unverhofft aus dem Nichts wieder auf.

Den gelungenen Comebackversuch Maskes hat das Süddeutsche Magazin in seiner letzten Ausgabe zum Anlass genommen, die 32 gelungensten Wiederauferstehungen der Weltgeschichte zu dokumentieren. Unter der Überschrift "Jesu Jünger" wurde eine Hitliste erstellt, in der kleinere und größere Berühmtheiten zu finden sind, die – zunächst totgesagt – sich wieder berappelt haben und wieder auf die Füße kamen. Auf dem 29. Platz ist da z.B. Roger Milla zu finden, der legendäre Fußballstar aus Kamerun, der noch mit 38 Jahren zum Star der WM 1990 in Italien avancierte. Platz 13 nimmt Marlon Brando ein, der sich nach zahlreichen Flops Anfang der 70er mit seiner Rolle in "Der Pate" wieder in die Hollywood-Studios spielte. Und natürlich dürfen auch Dieter Bohlen und Thomas Anders alias Modern Talking nicht fehlen, die Stars der 80er, die es mit ihrem Revival 1998 und 60 Millionen verkauften Platten immerhin auf den 8. Rang schaffen.

Immerhin gibt es auch paar biblische Figuren, die man erwähnenswert findet. Josef z.B. rangiert mit seiner Ägyptengeschichte auf Platz 23, David ist 19. und Jesus ist … nein, nicht Erster, sondern Zweiter. Die Goldmedaille erhält Michailowitsch Dostojewski, der sich mit seinem Roman "Schuld und Sühne" in die Bestsellerliste schrieb, nachdem er schon total abgebrannt und in die literarische Bedeutungslosigkeit abgetaucht war.

Nun könnte man sich als Christ darüber ärgern, dass Jesus nur den zweiten Platz belegt, aber das tue ich nicht. Mich ärgert es viel mehr, dass er überhaupt in der Liste auftaucht! Denn da hat er überhaupt nichts zu suchen. Nicht dass ich es in irgendeiner Weise blasphemisch fände, dass sich unser Herr mit anderen bedeutsamen Personen der Menschheitsgeschichte messen lassen muss. Aber hier werden Äpfel mit Birnen verglichen und das ärgert mich.

Denn: Die Auferweckung Jesu ist keine "Wiederauferstehung". Sie ist kein Wiederauftauchen nach dem Gang durch ein finsteres Tal. Johnny Cash, Drew Barrymore, Odysseus und wie sie alle heißen haben eine persönliche Krise durchmachen müssen und das ist – bei allem Respekt vor der Lebensleistung dieser Menschen – nichts im Vergleich zu dem, was wir ChristInnen mit der Auferstehung verbinden. Jesus war tot! Und nun lebt er! Das ist etwas vollkommen anderes. Obwohl ich verstehen kann, dass es manch eine/r gerne anders sähe. Denn wer wie das SZ-Magazin den Ostersonntag in eine Reihe stellt mit den Höhen und Tiefen mehr oder weniger berühmter Leute, der macht die Auferstehung zu etwas Alltäglichem, zu etwas, das man wenn schon nicht am eigenen Leib, aber dann doch am Leib anderer erfahren kann. So verstanden ist die Auferstehung zwar etwas Wunderbares, aber eben kein Wunder mehr und damit akzeptabler, weil nachvollziehbarer.

Doch das ist sie eben nicht! Was am Ostermorgen geschah, lässt sich nicht erklären. Und damit lässt sich erst Recht nicht Jesus in eine Reihe außergewöhnlicher Biographien einordnen. Unser Predigttext macht das ganz deutlich. Hier geschieht etwas, das über die Vorstellungskraft der Menschen hinausgeht, auch derer, die Jesus so gut kannten wie sonst niemand. Maria ist entsetzt, schockiert, fassungslos als sie das leere Grab vorfindet. Und sie braucht etwas Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Jesu Leichnam vielleicht nicht einer Grabschändung zum Opfer fiel. Die Zeichen des Himmels erkennt sie nicht, nicht die beiden Engel, auch Jesus selbst ist ihr zunächst fremd. Der erste Gedanke, als das Wunder vor ihr steht, ist an Profanität kaum zu überbieten: Sie glaubt, den Gärtner zu sehen. Erst als Jesus sie beim Namen nennt, wird ihr bewusst, was da geschehen ist.

Die Gestalt der Maria Magdalena kann daher als Symbol genommen werden stellvertretend für die Gemeinde. Sie sieht das leere Grab, den Engel, aber sie kann das, was sie sieht, nicht einordnen. Zum Osterglauben kommt sie nur dadurch, dass der Auferstandene sie selbst beim Namen nennt, sie anspricht. In dieser Gestalt kann die verunsicherte Gemeinde, der Johannes diese Geschichte erzählt, sich wieder finden, ihre eigenen Zweifel aufgehoben finden. Und ich glaube das gilt auch für uns, für die Menschen unserer Zeit, die oft ratlos und hilflos an Gräbern stehen.

Noch einmal, die Auferstehung hat nichts Heroisches an sich, Ostern eignet sich nicht als Vorlage für eine romantische Geschichte. Auch wenn wir von Zeit zu Zeit versuchen, in unserem Leben etwas Ähnliches daraus zu machen. Comebacks sind in, nicht nur beim Boxen. Sylvester Stallone versuchte es mit "Rocky Balboa", Christoph Daum und Ottmar Hitzfeld versuchen es als Trainer und Take That und die No Angels sind auch wieder da. Doch das leere Grab ist viel mehr als das Zeichen eines Comebacks. Es ist revolutionär, weil es den alltäglichen Rahmen sprengt und uns und die Welt verändert, wirklich verändert. Und weil es Hoffnung auf ein neues Leben gibt, selbst wenn wir es nicht schaffen sollten, aus unseren finsteren Tälern zu finden, selbst wenn wir in unseren Lebenskrisen stecken bleiben.

Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Kein Mensch kann das verstehen. Wir können es nur glauben, Und wie Maria den Auftrag erhält den Jüngern zu sagen. „Der Herr ist auferstanden!“, bleibt es uns als Gemeinde bis heute aufgegeben, diese frohe Botschaft in Wort und Tat weiterzusagen. Paul Gerhardt, dessen 400. Geburtstag sich im März jährte, beschreibt diese neue Wirklichkeit in seinem Osterlied „Auf ,auf mein Herz mit Freuden“ mit den Worten:

Die Höll und ihre Rotten,

die krümmen mir kein Haar;

der Sünden kann ich spotten,

bleib allzeit ohn Gefahr.

Der Tod mit seiner Macht

wird nichts bei mir geacht‘:

er bleibt ein totes Bild,

und wär er noch so wild.

Die Welt ist mir ein Lachen

mit ihrem großen Zorn,

sie zürnt und kann nichts machen,

all Arbeit ist verlorn.

Die Trübsal trübt mir nicht

mein Herz und Angesicht,

das Unglück ist mein Glück,

die Nacht mein Sonnenblick.

(EG 112,4-5)

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Kommt, sagt es allen weiter!

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