Dies ist der Tag, den der HERR macht

Psalm 118,24: Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Dieser Vers gehört zur Osterbotschaft, auch wenn er au dem Alten Testament stammt, das von der Auferstehung noch nichts weiß. Es ist ein Vers der Dankbarkeit dafür, dass Gott nicht ein Herrscher auf einem Thron ist, sondern ein mitfühlender und mit leidender Gott, dem die Seinen so unendlich viel wert sind. Das gehörte schon zum ursprünglichen Glaubensbekenntnis des Volkes Israel. Das gehört um so mehr zum Osterbekenntnis der christlichen Kirche, die in vielen Geschichten von der Auferstehung erzählt und doch nur bekennt, dass dahinter ein Geheimnis des Glaubens steht.

Eine dieser Geschichten steht bei Johannes:

[TEXT]

Maria wird hier zur ersten Apostelin, sie ist Zeugin der Auferstehung – Garantin der Gemeinde für die Osterbotschaft.

Dass Maria ihren Herrn nicht erkennt, liegt weniger an seiner Erscheinung als vielmehr an ihrem Zustand äußerster Verwirrung. Sie kann sich diesen Jesus, den sie so qualvoll hat sterben sehen, nur tot vorstellen. Alles Andere passt nicht in ihre Weltbild. Damit wird sie zum Beispiel auch für uns.

Die Verzweiflung dieser Frau: ‚Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte’ wird uns plastisch vor Augen geführt. Ihre Erfahrung entspricht der so vieler Menschen, denen plötzlich ein lieber Mensch genommen worden ist, durch Unfall oder plötzlichen Tod. Sie fühlen sich allein gelassen, verlassen, im Stich gelassen. So auch hier Maria. Ihre Verzweiflung wird noch gesteigert durch das leere Grab. Nicht nur der Mensch Jesus fehlt, sondern auch noch sein Leichnam. Ihr geht es wie den Angehörigen der Opfer von manchen Schiffsuntergängen (Titanic) oder von Kriegsopfern. Nicht einmal einen Ort der Trauer hat sie. Irgendwo, an einem unvorstellbaren Ort liegt, der Körper, dessen Leblosigkeit sie betrauern will. Wir leben ja in einer Zeit, in der der Tod verdrängt wird. Immer mehr Gräber, die nicht mehr auffindbar sind, anonyme Gräber, Seebestattungen, Asche die übers Land verstreut wird. Ich weiß von Menschen, die schier daran verzweifeln, dass ihre Eltern anonyme Bestattung verfügt haben und ihnen der Ort zur Trauer fehlt. Maria Magdalena überrascht dieser Verlust noch stärker. Sie steht an dem frischen Grab und es ist offen und leer.

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an den vermeintlichen Gärtner. Sie nimmt den Menschen, der vor ihr steht, nicht wirklich wahr, nur die Person, die Auskunft geben kann. Erst als dieser Mensch sie anspricht, beim Namen nennt, erwacht auch sie wieder um Leben. Erst, als sie beim Namen gerufen wird, geschieht auch ihre persönliche Auferstehung.

Nicht die leibliche Gegenwart Jesu schafft den Glauben an die Auferstehung, sondern seine Anrede, sein Wort. Jesus bringt Bewegung in Maria, indem er sie anspricht, so wie er uns immer wieder ansprechen will in unserem Leben, wenn wir auf sein Wort hören und seinen Willen tun und ihn im Gebet suchen.

Maria wird zu den Jüngern, den Brüdern gesandt mit der Botschaft ‚Der Herr ist auferstanden’. Was wäre aus unserer Kirche geworden, wenn sie sich an das Paulus zugeschrieben ‚mulier taceat in ecclesia’ gehalten hätte? Was würde aus unserer Kirche werden, wenn die Frauen aller Generationen sich an diese Weisung gehalten hätte? Das Evangelium in seiner ganzen Fülle wäre nie zur Sprache gekommen.

Die Gestalt der Maria Magdalena kann als Symbol genommen werden stellvertretend für die Gemeinde. Sie sieht das leere Grab, den Engel, aber sie kann das, was sie sieht, nicht einordnen. Zum Osterglauben kommt sie nur dadurch, dass Herr sie selbst beim Namen nennt, sie anspricht. In dieser Gestalt kann die verunsicherte Gemeinde der Johannes diese Geschichte erzählt, sich wieder finden, ihre eigenen Zweifel aufgehoben finden. Und ich glaube das gilt auch für uns, für die Menschen unserer Zeit, die oft ratlos und hilflos an Gräbern stehen.

Das Eigenartige Distanzierte bleibt: V. 17a: Luther übersetzt: Rühr mich nicht an. Damit ist gemeint: Halte mich nicht fest. Jesus wird nicht zum Unberührbaren, aber er ist der Sohn des Vaters. Er ist nicht festzuhalten für die Menschen, aber er schenkt sich den Menschen. Jesus entzieht sich jeder Berührung. Er bleibt unantastbar. Aber er ist lebendig – für uns. Die Berührung verbietet sich, der Auferstandene überzeugt durch seine Erscheinung und seine Anrede. Der gute Hirte ruft die Seinen – und sie kennen seine Stimme. Was bleibt ist sein Auftrag: Sagt es den Brüdern und Schwestern. Die Botschaft darf nicht geheim bleiben: 225,1-3.

Komm, sag es allen weiter. Wie Maria Magdalena können wir nur in indirekter Rede davon erzählen, machen uns dadurch nicht unbedingt glaubwürdig, aber können es mit Worten und mit unserem Leben bezeugen.

Unserer Geschichte fehlt jeder Jubel, jede Fröhlichkeit und Unbeschwertheit. Ostern ist schwer zu verstehen. Das Osterlachen kommt erst später. Wir dürfen es heute praktizieren. Lachen vor Freude über den Herrn, der für uns auferstanden ist.

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