Vollendung

Mit dem heutigen Sonntag, Palmsonntag, beginnt in unseren Kirchen die Woche mit dem Gedenken an die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus.

Am Ende seines irdischen Wirkens, am Passahfest kommt Jesus ein letztes Mal nach Jerusalem. Anders als sonst vollzieht sich sein Einzug nicht in aller Stille, sondern unter lautem Jubel des Volkes. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Die Menschen jubeln ihm zu, weil sie von ihm erwarten, dass er die Römer aus dem Land wirft und dass er endlich eine vernünftige Politik durchsetzt.

Bei allen diesen Menschen, die ihm zujubeln, ist der Blick auf die Dinge dieser Welt gerichtet und die Erwartungen an Jesus sind auf das direkte soziale Umfeld dieser Menschen gerichtet.

Allerdings verhält sich der Hoffnungsträger dieser unzähligen Erwartungen merkwürdig. Er geht einen anderen Weg; er geht seinen Weg ans Kreuz. Heute am Palmsonntag jubelt man ihm noch zu. Doch in wenigen Tagen, an Karfreitag, wird er unbarmherzig getötet. Ein unschuldiger Mensch wird gefoltert und grausam hingerichtet.

Doch was tut Jesus in dieser euphorischen Situation auf seinem Weg nach Jerusalem?

[TEXT]

Jesus, liebe Gemeinde, hat seine Leidensgeschichte als Verherrlichung seines Vaters angesehen. Alles, was er sagte und auch tat, das sollte uns Menschen deutlich machen, was für ein barmherziger aber auch mächtiger Gott sein Vater ist und, dass er uns Menschen liebt.

An den dunkelsten Stellen und den tiefsten Tiefen unseres Lebens, bei Krankheit, Hoffnungslosigkeit und Tod, da offenbart uns Jesus, dass sein Vater ihm die Macht über alles gegeben hat und er über alles der Herr ist. Das war, so denke ich, Gottes Auftrag und ebenso Jesu Wille. Ja, dem Vater gehorsam zu sein und für uns alle, für uns Menschen, da zu sein, das war Jesu Leben.

Jesus hinterlässt uns den Namen seines Vaters. Wir dürfen zu Gott Vater sagen. Gott, unser Vater ist für uns da. Seine Liebe gilt einer jeden und einem jedem von uns. Mit seinem Wirken und Reden stand Jesus dafür ein.

Jesus hinterlässt uns die Worte seines Vaters. Jesus hat sie an uns weitergegeben. Und genau damit haben wir von ihm einen Auftrag erhalten. Nicht was die Regierungen der Welt vorgeben. Nein, sondern seine Liebe, die sollen wir in die Welt tragen, an jedem Tag neu durch Wort und Tat.

So hatte es Gott der Vater für seinen Sohn Jesus Christus bestimmt, denn wir Menschen sollen erkennen, wie herrlich unser Gott ist. Und dies soll uns eine Hilfe sein, dass wir uns Jesus anschließen, um an der Herrlichkeit Gottes teilhaben zu können, um so zum ewigen Leben zu gelangen.

Und immer dann, wenn unsere Not am tiefsten und unser Dunkel am größten ist, dann, liebe Gemeinde, soll die Herrlichkeit Gottes aufleuchten. So war es auch, in der dunkelsten Stunde als der Sohn Gottes ans Kreuz geschlagen wurde.

Am Kreuz, wo Jesus für uns Menschen stirbt, wird die größte Herrlichkeit Gottes sichtbar. Gott unser Vater vollzieht sein Gericht über uns Menschen an seinem Sohn Jesus Christus und offenbart damit seine Barmherzigkeit und seine Vergebung.

Der Tod Jesu am Kreuz ist die Vollendung des Werks seines Vaters, welches Jesu in seinem Auftrag vollbringen sollte. Der Tod am Kreuz ist auch der Beginn der Verherrlichung Gottes durch den gehorsamen Sohn. Ja, der Tod Jesu am Kreuz bringt uns Menschen zurück zu Gott. Der Tod Jesu am Kreuz führt uns zu Gott, zum ewigen Leben, weil Jesus bis zum Tode am Kreuz gehorsam war.

Ewiges Leben, liebe Gemeinde, beginnt dort, wo wir uns von Christus an die Hand nehmen lassen. Ewiges Leben beginnt dort, wo Anfang und Ende unseres Leben zusammen kommen. Ewiges Leben beginnt dort, wo wir uns vom Leid nicht überwältigen lassen, sondern uns helfen lassen. Das ist der Auftrag Jesu, dafür ist er zu uns gekommen

Das, liebe Gemeinde, das hat Jesus gewusst und auch gewollt. Ja, Jesus wusste, dass er von seinem Vater gesandt war um die zu erlösen, die sich an ihn halten würden. Dies war, so denke ich, für Jesus ein Herzenswunsch und keine Last, das zeigt sein Gebet, unser heutige Predigttext.

Jesus bittet seinen Vater darum, die dunkelste Stelle seines Lebens, die Stunde am Kreuz, zur vollsten Offenbarung seiner Herrlichkeit zu machen. Und uns zum Heil hat Gott der Vater das Gebet seines Sohnes erhört.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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