Anfang der Rettung der Welt

Liebe Gemeinde,

Karfreitag – wir denken an das Leiden und den Tod Jesu. Unser Predigttext wird uns diesen vor Augen führen. Und so schlimm die Beschreibung der Umstände der Kreuzigung im Matthäusevangelium sich liest, das Schlimmste daran finde ich, dass ich viele Züge dieser Geschichte im Alltag heute wieder finden kann. Leider ist das Geschehen von damals nicht vorbei. Menschen heute erleiden ähnliches. Jede und jeder hier kann in dieser Geschichte etwas wieder erkennen, was er oder sie erfahren hat.

Ich lese Matthäus 27,33-54 in kleinen Abschnitten und sage jeweils etwas zu dem Abschnitt.

[TEXT Verse 33-34]

Was für eine unsägliche Gemeinheit. Sie vermischen den Essig, der die Schmerzen lindern soll und den Durst begrenzen mit Galle, so dass der Durst schlimmer wird. Reicht es ihnen nicht, ihn umzubringen, müssen sie ihn dabei auch noch zusätzlich quälen? Und heute?: Klassenfahrt 8. Klasse. Da gab es ein Mädchen, das immer alles besser wusste. Sie ist den anderen schon ziemlich auf die Nerven gegangen. Einige haben beschlossen ihr ein starkes Abführmittel in das Getränk zu tun.

Ich lese weiter:

[TEXT Verse 35-36]

Todesstrafe durch Kreuzigung gab es im römischen Reich nur für Sklaven und Aufständische. Es war eine schmerzhafte, langsame und quälende Todesart. Es konnte Tage dauern bis der Gekreuzigte tot war. Am Ende ist er meistens erstickt. Ich weiß nicht was schlimmer war, der Schmerz und die Angst oder die Schande und die Demütigung mit der dieser Tod verbunden war, oder die Gleichgültigkeit der Soldaten, die ein Würfelspiel unter dem Kreuz veranstalten und sich so die Langeweile beim Wache halten vertreiben.

Viele andere wussten von dem Plan der wenigen dem Mädchen ein Abführmittel zu verabreichen. Aber sie haben nichts getan. Sie haben weder die wenigen daran gehindert noch haben sie dem Mädchen etwas gesagt. Ein paar andere haben ihr geraten nichts zu trinken. Aber sie wusste nicht warum. Nachdem sie das getrunken hatte, kam sie die ganze Nacht und den nächsten Tag nicht mehr vom Klo. Sie konnte gar nicht genug trinken, um nicht zu dehydrieren.

Ich lese weiter:

[TEXT Vers 37]

Die Römer benutzen diese Hinrichtung um das Volk zu demütigen. Sie schreiben als Inschrift in das Kreuz: Dies ist der König der Juden. Damit wollen sie nicht nur Jesus treffen. Sondern alle Juden sollen in dem was sie mit Jesus tun gedemütigt werden. Diese Kreuzigung dient der Sicherung der Herrschaft Roms über das aufmüpfige jüdische Volk. Mit dieser wie jeder anderen Kreuzigung sollen die Menschen vom Widerstand gegen Rom abgeschreckt werden.

Diejenigen, die in der Klasse das sagen hatten, hatten kein Problem damit, dass irgendjemand sie bei der Lehrerin verpetzt hätte. Niemand hat sich getraut sich mit den Beliebten anzulegen.

Ich lese weiter:

[TEXT Verse 38-40]

Auf dem Höhepunkt seiner Macht und ihrer Hoffnung haben sie ihm zugejubelt, Hosianna gerufen, Palmzweige auf seinen Weg gelegt und ihn über ihre Kleider reiten lassen. Jetzt wo er am Ende ist sind sie nicht nur enttäuscht, sondern sie gießen ihren Spott und ihren Hohn über ihm aus. Sie sagen: Du hast dir wohl ein wenig zu viel zugetraut, wo sind jetzt deine großen Versprechungen?

Früher hatte das Mädchen Freundinnen gehabt. Da waren welche zu ihrem Geburtstag gekommen und hatten sich auch nachmittags mit ihr getroffen. Am Anfang der 8. Klasse hatte das aufgehört. Niemand hatte sich mehr getraut sich mit ihr sehen zu lassen.

Ich lese weiter:

[TEXT Verse 41-43]

Jesus wird nicht nur gequält und ermordet. Jetzt in dem Moment seiner größten Schwäche fallen seine Gegner mit ihrem Spott und Hohn über ihn her. Sie trampeln auf ihm herum, jetzt wo er am Boden liegt. Dabei entlarven sich selbst. Sie haben Jesus Gotteslästerung vorgeworfen. Aber jetzt lästern sie selbst Gott, denn sie sagen: Gott hilft dem nicht, der ihm vertraut. Sie sind es, die Gott nicht vertrauen. Sie trauen Gott nicht zu, dass er hilft. Damit erweisen sie sich als Ungläubige.

Ihre ehemalige beste Freundin war in die Clique der Coolen aufgenommen worden. Natürlich war sie diejenige, die das Abführmittel heimlich in dem Glas untergebracht hat. Sie musste schließlich beweisen, dass sie nichts mehr mit ihrer ehemaligen Freundin zu tun haben wollte. Später als alles raus kam war sie besonders uneinsichtig.

Ich lese weiter:

[TEXT Vers 44]

Jetzt scheint der Tiefpunkt der Demütigung erreicht. Sogar die Verbrecher, die ja sein Schicksal teilen sehen sich bemüßigt ihn zu beschimpfen.

Die coolen waren nicht die einzigen, die auf dem Mädchen herumgehackt hatten. Ein paar Jungs, die nicht gerade zu den Beliebten in der Klasse gehörten, meinten sie ist ja auch selbst schuld, dass sie sich so bescheuert benommen hat.

Ich lese weiter:

[TEXT Verse 45-50]

Nein der Spott derer, die mit ihm gekreuzigt wurden, war noch nicht der Tiefpunkt. Das allerschlimmste war der letzte Satz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Von den Menschen verlassen, ihrer Brutalität ausgeliefert, gedemütigt und in Schande zu sterben war entsetzlich. Aber von Gott verlassen zu werden, das stellte alles in Frage, was Jesus geglaubt hat und worauf er vertraut hat, schlimmer konnte es nicht mehr kommen.

Das schlimmste für das Mädchen war nicht das Abführmittel und auch nicht, dass sie ihre Freundinnen verloren hatte, auch nicht dass ihr niemand geholfen hatte und selbst die Lehrerin die Augen vor dem Problem verschlossen hatte. Das schlimmste war, dass sie sich selbst nicht mehr leiden konnte. Sie fing an mit einem scharfen Messer, sich die die Arme aufzuschlitzen. Der Schmerz beruhigte sie. Das Blut half ihr ein wenig, sich besser zu fühlen.

Ich lese weiter:

[TEXT Verse 51-53]

Dieser Tod bringt alles durcheinander. Es wird dunkel. Die Erde bebt. Das Ende der Welt ist gekommen. Die Vernichtung ist nahe. Der Tag des Gerichtes ist erschienen. Die Toten kommen aus ihren Gräbern hervor.

Nach der Klassenfahrt kam alles heraus. Die Eltern des Mädchens haben sich an die Schulleitung gewandt. Es wurden Gespräche geführt.

Ich lese weiter:

[TEXT Vers 54]

Sogar der Hauptmann der römischen Weltmacht erschrickt. Vorbei die Gleichgültigkeit der Soldaten. Hier geschieht etwas, was auch sie betrifft und angeht.

Die coole Clique stand plötzlich dumm da. Die Schulleitung hat sich eingemischt. Die Klasse wurde aufgelöst. Das Mädchen bekam Unterstützung. Auch diejenigen, die dabei gewesen waren und nichts unternommen hatten, bekamen ein Gesprächsangebot, um sich mit ihrem eigenen Verhalten, das vielen von ihnen jetzt Leid tat, auseinanderzusetzen. Alle waren erschrocken, dass so etwas an ihrer Schule möglich gewesen ist. Aber sie wollten auch dafür sorgen, dass es das letzte Mal gewesen ist, dass so etwas vorgekommen ist.

Liebe Gemeinde, die Geschichte von der Kreuzigung Jesus sieht auf den ersten Blick wie die pure Katastrophe aus. Auf den zweiten Blick allerdings scheint schon durch, dass dieses Schreckliche der Beginn von etwas Rettendem sein wird. Da wird eine Menge Wahrheit gesagt in all dem Spott und Hohn. Über dem Kreuz steht, König der Juden. Die Hohepriester und Schriftgelehrten sagen, sie würden an ihn glauben, wenn er denn vom Kreuz herabstiege. Viele haben geglaubt nach seiner Auferstehung. Die Vorübergehenden reden davon, dass er angekündigt hat den Tempel einzureißen und in drei Tagen wieder aufzubauen. Genau das tut er mit dem Tempel seines Leibes. In drei Tagen wird er wieder aufgebaut sein.

Und der Ruf: Mein Gott mein Gott, warum hast Du mich verlassen ist der Beginn des 22. Psalms. Und dieser Psalm endet mit den Worten:

(29)Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht unter den Heiden.

(30)Ihn allein werden anbeten alle, die in der Erde schlafen; vor ihm werden die Knie beugen alle, die zum Staube hinabfuhren und ihr Leben nicht konnten erhalten.

(31)Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen; vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind.

(32)Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird. Denn er hat’s getan.

Der Tag des Gerichtes hat begonnen. Und wie das Gericht aussieht, das zeigt der Text auch. Der Vorhang im Tempel ist zerrissen. Alles was das Allerheiligste, Gott, von den Menschen trennte, das ist jetzt weg. Alle haben unmittelbaren Zugang zu Gott durch Jesu Tod. Hier ist die Vergebung der Schuld und der Neuanfang für alle, die das wollen, sogar für den Kommandeur des Kreuzigungskommandos ist die Erkenntnis möglich: Dieser ist Gottes Sohn gewesen. Diese Botschaft wird sich über die Welt ausbreiten. Menschen aus allen Völkern werden zu Gott kommen. Das was wie eine Katastrophe aussieht ist der Anfang der Rettung der Welt.

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