Klimawandel

Klimawandel, ein Wort, das wir in den letzten Wochen häufig hören konnten. Klimawandel klingt ja erst mal gar nicht schlimm. Wandel ist Veränderung, das schmeckt nicht jedem, denn manchmal ist es einfach schöner, wenn alles so bleiben könnte wie es ist., aber auf Wandel und Veränderung kann man sich doch einlassen.

Denn so ist es doch, das Leben. Die Erde dreht sich, die Jahreszeiten wechseln und wir verändern uns. Kinder werden Jugendliche, Jugendliche, Erwachsen, Erwachsene werden älter. Die Aufgaben, die Fragen sind Teil des Wandels und ja, dazu kann man bereit sein, denn wer möchte wirklich, dass die Welt auf dem Stand von heute festgefroren wird, sich nichts Wandeln darf.

Klimakatastrophe klingt schon anders, mehr nach Bedrohung, nach Unheil, nach: Was kommt da auf uns zu. Mehr Regen, heftige Stürme, Fluten, Deichbrüche, Überschwemmungen, Dürreperioden, Ungezieferplage?

Und was bedeutet es für andere, für Länder fern von uns, so fern, dass wir sie nur durch das Auge der Kamera wahrnehmen, wenn wir von eben solchen großen Naturkatastrophen ausgelöst durch Klimawandel hören und sehen.

Nur noch 13 Jahre haben wir, sagen die Forscher, die sich auskennen. Die die täglich die Daten schmelzender Pole, Wärmezonen und Wasserströme der Meere und die Ozonschichten des Himmels untersuchen. Wenn wir so weiter machen und nichts verändern, dann wird definitiv aus dem Wandel eine Katastrophe.

Will ich das hören. Ja, natürlich. Ich möchte doch informiert sein, über alles, was das Leben hier auf der Erde ganz grundsätzlich betrifft.

Ich fange auch an mich dafür zu interessieren, für die Schaubilder, für die Zusammenhänge von Meeren und Flüssen und Strömungen und Temperaturen und bin bestürzt und auch ein wenig fasziniert.

Da muss man doch handeln. Jetzt sofort. Das sag nicht nur ich, das sagen alle. Auch in Hollywood ist das Thema angekommen, Oscar prämiert der Film des ehemaligen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten Al Gore. Wir müssen jetzt wirklich was tun, sagen alle. Weniger CO2 Ausstoß, Autofreie Wochenenden, Klimageschütze Zonen in den Grosstädten, Feinstaubverordnung. Weniger Auto fahren. Stärkere Besteuerung von Flugreisen, vor allem der Billigflieger, Kein Fleisch mehr, das aus Ländern kommt, in denen dafür Bäume gerodet werden. Ich mache mit, ich halte mich daran.

Und dann, diese andere Stimme, die sagt: Ach, so schlimm wird es schon nicht werden. Das Fleisch ist im Angebot und wie soll ich von Reinbek nach Öjendorf kommen, mit dem Fahrrad dauert es fast eine Stunde und mit öffentlichen Verkehrsmitteln geht es auch nicht viel schneller. Und so eine Flugreise zur Erholung, die Gönn ich mir halt, an der Nordsee und im Harz ist mir das Wetter zu unbeständig.

Und wer mir dann ins Gewissen redet, dem höre ich auch weiter zu und sage auch, du hast ja so recht, und versuche auch etwas im Kleinen zu tun, Licht aus, Heizung runter, Energie sparendes Lüften, Wäsche nicht in den Trockner, immer mit Plastiktüte oder Beutel zum Einkaufen. Aber wenn es richtig mühsam wird, dann lass ich es auch wieder.

Doch der hört nicht auf, mir ins Gewissen zu reden. Fängt immer von neuem an, argumentiert, droht, malt ein Horrorszenario nach dem anderen an die Wand. Ich soll auch mal an die Kinder denken, die noch länger leben als wir. Kommt mit Diagrammen, Computer animierten Filmen und gibt keine Ruhe.

Und dann werde ich wütend und ärgerlich. Ich will das gar nicht hören, mag nicht an das Unglück von morgen denken, das ist mir zuviel. Ich atme tief durch und dann halte ich dagegen.

Man muss ja auch an die Arbeitsplätze denken in der Autoindustrie und an die Globalen Zusammenhänge die sind wirklich sehr komplex und so einfach wie du es hier darstellst ist es auch nicht.

Und erst mal sollten doch die Amerikaner aufhören soviel Energie zu verschleudern und das Kiotoprotokoll unterschreiben, dann wäre ich ja auch bereit und nun lass mich aber in Ruhe mit dieser Katastrophe ich will das jetzt nicht mehr.

Im Fernsehen und in den Zeitungen bringen sie auch nicht mehr so viel dazu, dann wird es schon nicht so schlimm sein.

Es gibt Dinge, die wirklich nicht angenehm sind, die will man nicht hören. Sagen eigentlich auch nicht so gern, wenn man weiß, dass man damit nicht wirklich auf Gegenliebe stößt. Streit provoziert. Manche Dinge sind sogar so unangenehm, dass man sie gern vor sich herschiebt oder auch eine ausguckt, von der man denkt, die kann das: unangenehme Wahrheiten sagen. Dinge sagen, die eigentlich niemand wirklich hören will, weil sie stören. Die gute Laune, die gute Stimmung, das gerade langsam wieder etwas besser gewordene Betriebsklima, das Gefühl, es wird schon nur keine Panik.

Niemand mag das wirklich gern, derjenige sein, der sagt: Leute so wird es nicht weitergehen, ihr müsst euch darauf einstellen, es kommt ganz dicke.

Und wenn man dann recht hat, mit seinen Unkenrufen, für die man harte Worte und kalten Wind von vorn ertragen musste, dann geht es einem ja auch nicht gut, denn dann ist sie ja da die Katastrophe, das Unglück, das Unheil, vor dem man gewarnt hat.

Kein Wunder also , dass der Beruf des Propheten so gut wie ausgestorben ist. Ein Traumjob ist es nicht und so wundere ich mich auch nicht.

Und wenn ich daran denke, was Menschen auf sich nehmen, die öffentlich unangenehme und unpopuläre Wahrheiten sagen, an Medienschelte, an Ausgrenzung und an Anfeindungen, dann wundere ich mich nicht über das, was ich im Predigttext, der für heute vorgesehen ist lese: Jeremia einer der großen Propheten spricht mit Gott, beklagt sich über diese Aufgabe, die Gott ihm gegeben hat. Unheil zu verkünden. Das kleine Königreich Juda, mit seiner Hauptstadt Jerusalem steht vor tiefgreifenden politischen Umwälzungen. Es wird zerrieben zwischen den Großmächten seiner Zeit, den Assyrern, Babylonieren und den Ägyptern. Was Jeremia voraussagt ist die Zerstörung Jerusalems. Die Besetzung und Zerschlagung des Landes durch mächtige Gegner und damit das Ende, des einfachen und vertrauten Lebens, das es bisher hier gab.

Jeremia wehrt sich gegen die Aufgabe, will das nicht, seinen Freunden und allen anderen auch diese unangenehme Wahrheit sagen, doch Gott lässt nicht locker, braucht und will ihn für diese Aufgabe. Jeremia schreibt im 20 Kapitel:

[TEXT]

Ich verstehe Jeremia und beneide ihn nicht um seinen Auftrag. Sein Auftrag kommt nicht aus der wissenschaftlichen Erkenntnis, aus Statistiken zur Rente, oder aus Zahlen über die Bevölkerungsentwicklung in unserem Land. Sein Auftrag kommt auch nicht von Forschungen über Klimaströme. Sein Auftrag kommt von Gott, ihm ist er verpflichtet.

Und wir, wir ja auch, wenn wir die Nachfolge ernst nehmen. Niemand erwartet von uns auf Kinder zu verzichten, um ein Zeichen zu setzten, so wie Gott es von Jeremia verlangte. Niemand verlangt von uns, dass wir uns konsequent unbeliebt machen, aber auch wir wollen ja, sagen was wahr ist und wo der Friede mit Gott und miteinander, die Gerechtigkeit unter den Menschen oder Gottes Schöpfung bedroht ist, sind wir angefragt. Jeder und jede von uns ganz persönlich, aber auch wir als Kirche.

Gott will auch uns verführen. Verführt uns immer wieder so wie auch Jeremia. Gott verführt uns mit Liebe, mit der Liebe zu den Menschen, zu seiner Schöpfung. Gott verführt uns mit Liebe, so wie sie in Jesus Mensch geworden ist. In der Passionszeit hören, spüren, verstehen wir, dass diese Liebe nicht nur helle, fröhliche und wärmende Seiten hat, sondern uns auch etwas zumutet. Wir sehen dahin, wo man nicht gern hinsieht und dürfen Gott laut und kräftig Klagen, was daran manchmal nicht zum aushalten ist. Einfach so, ganz ohne Gloria. Wir hören auf Worte, wie Katastrophe und bekommen sie zu spüren die menschlichen Schwächen die Ignoranz, die Angst, die Überheblichkeit, die Suche nach dem eigenen Vorteil, die Sehnsucht nach einfachen Wegen und hören trotzdem weiter hin, auch ohne Patentlösung.

Und zugleich wissen wir, dass wir den Weg nicht allein gehen, dass wir getragen sind. Und wir wissen, dass wir ihn auch nicht bis zur allerletzten Konsequenz gehen müssen, um die Welt zu retten, weil in Jesus Christus, Gott selbst diesen Weg für uns gegangen ist.

Und dass es uns gelingt so Christen, Kirche zu sein, zeigen die vielen kirchlichen Projekte, die gegen den Strom unangenehmes sagen und anprangern und dadurch Veränderung bewirken.

Indem er Gott klagt, wie schwer es ihm ist, so wie es auch die Psalmbeter tun, findet Jeremia, zu Gottes Kraft zu seinem Auftrag und zu sich selbst zurück. Ist das ein erster Schritt der Klimakatastrophe und uns Menschen, die wir sie verursachen, zu begegnen? Ja, ein erster Schritt und dann fällt uns sicher noch mehr dazu ein!

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