Provozierend!

Liebe Gemeinde,

in sieben Jahren die erste Million. Das wäre doch was. Wir beginnen heute, Geld zu scheffeln und treffen uns am Sonntag Reminiscere im Jahre 2008 hier wieder und feiern unsere erste Million. Nach Bodo Schäfer, der ein Buch mit diesem Titel geschrieben hat, kann das erstens jeder, zweitens steht es uns zu, reich zu sein und drittens brauchen wir dazu nur die Sicherheit, in unserem Gebiet des Geldverdienens Spitze zu sein. Man könnte sagen, der Mann ist mit unbegrenztem Selbstbewusstsein gesegnet und möchte das auch weitergeben. Ich denke sofort: Bei meinem Pfarrersgehalt müsste ich die sieben Jahre auf alles verzichten, dürfte keine Steuern zahlen und müsste irgend einen Weg finden, auf dem ich viel Geld zusätzlich machen kann. Kurz gesprochen: Das wird nix! Eine Million Mark in sieben Jahren? Vergiss es. Schäfer würde sagen, dann willst du es einfach nicht wirklich und ich werde stutzig.

Da fällt mir eine gute Bekannte ein, die für ein Weltunternehmen der Computerbranche arbeitet. Ich würde nicht sagen, dass ich dümmer oder fauler bin als sie. Aber sie verdient zusammen mit ihrem Mann mehr als eine viertel Million Mark im Jahr. Nach Steuern 150000 Mark. Wenn sie es schaffen von 50000 Mark im Jahr zu leben, dann haben sie in 7 Jahren 700000, geschickt angelegt ist die erste Million locker zu schaffen.

Bodo Schäfer hat mich beim Lesen oft genervt. Arrogant und überheblich kam es mir vor, so ungeniert übers reich werden zu reden. Und dann merke ich, der Mann hat im Grunde recht. Ich will nicht wirklich Millionär sein, sondern Pfarrer und Familienvater in einem mittelfränkischen Dorf. Das müsste ich ja hintanstellen. Und ich denke an all die, die diese Chance irgend etwas anderes, lukrativeres zu tun nicht haben – oder haben sie sie nicht haben wollen? Hatten sie keine Lust auf eine höhere Schulbildung? Keine Lust sich zu qualifizieren? Wie viele verkrachte Existenzen sind nun wirklich an ihrer Misere selbst schuld?

Ich komme vom Regen in die Traufe. Zwischen dem selbstsicheren festen Auftreten und planen meines Lebens und dem Getriebensein durch die Gesellschaft liegen Welten. Und zwischen Leuten wir Bodo Schäfer und den so genannten Asozialen auch.

‚Ich komme aus einer anderen Welt und ihr versteht mich nicht. Ich bin Göttlich, ihr in Sünde. Basta.‘ So will ich unseren Predigttext zusammenfassen. Arrogant und überheblich redet Jesus da für meinen Geschmack. Was für eine Chance habe ich als einer dieser Sünder, mich ihm zu nähern? Gar keine. Ich ärgere mich, dass er so mit uns Menschen umgeht. Ich von oben, ihr von unten. Danke, das haben wir gebraucht. Als ob unser Leben nicht schon schwierig genug ist. Handelt im Auftrag des Vaters und ist dadurch unanfechtbar … Und dann lese ich: Es kamen viele zum Glauben an ihn, als er das sagte.

Etwa so, wie manche Millionäre geworden sind, die Schäfer gelesen haben? Die nicht beim Motzen über seine Arroganz geblieben sind? Ich versuche, mich Jesus trotz seiner abweisenden Worte zu nähern: Er sagt: Er, der mich gesandt hat, ist bei mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich immer das tue, was ihm gefällt. Da genau ist der Knackpunkt, warum Jesus uns zunächst zurückweist. Im Tun des Willens Gottes. Viele fragen oder zweifeln, ob man den Willen Gottes überhaupt wissen kann. Aber liegt das Problem nicht oft genau daran, dass wir es sehr wohl wissen, oder wenigstens ahnen, aber ihn dennoch nicht tun. Aus Trägheit, aus Angst, aus Mutlosigkeit, aus Bequemlichkeit. Ist es im Grunde also nicht so, dass wir sehr wohl wüssten, wie die Welt besser, göttlicher und auch menschlicher sein könnte, wir aber die Konsequenzen fürchten? Millionäre also gar nicht sein wollen, sozusagen?

Jesus ist sich 100%ig sicher, dass Gott bei ihm ist, eben weil er dessen Weg konsequent geht. Ohne die kleinen Abstriche. Ohne Ausreden. Ohne das berühmte: ich kann doch die Welt nicht ändern. Selbstbewusst ist Jesus also aufgetreten und gar nicht überheblich. Er weiß sich gestützt von Gott und seiner Wahrheit, in der Schöpfung getragen vom Schöpfer und ich kann gut verstehen, dass er mit uns zeternden Menschen doch einmal etwas deutlicher reden musste. Ein paar Verse vorher sagte er noch: Ihr werdet in eurer Sünde sterben. Punkt.

So leicht lasse ich mich diesmal nicht abschütteln. Mir fällt Jakob und sein Kampf mit Gott ein. Er sagte: ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Selbstbewusst krallt er sich an Gott fest und denkt gar nicht daran, respektvoll loszulassen. Es ging um alles für ihn und das rechtfertigt die Mittel. Auch ich will Gott und seinem Willen nachgehen. Ich will nicht in Sünde sterben. Draufgehen, ohne Gottes Weite geatmet und gespürt zu haben? Das will ich nicht. Diese Million will ich gewissermaßen mitnehmen. Und ich merke, dass ich auch als Glaubender mein Selbstbewusstsein pflegen sollte. Ich bin es wert, mit Jesus auf einer Stufe zu sein, sein Bruder und Kind Gottes genannt zu werden. Er hat es durch sein Sterben und Auferstehen für mich verdient, drum steht es mir auch zu. Ich muss mich nicht kleiner machen als ich bin. Als Sünder sterben? Nein, Jesus, das hast du längst übernommen.

Ich bin Kind Gottes und Gott will, dass wir alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Gott will uns lieben, nicht wegstoßen, uns annehmen, nicht kontrollieren, uns fördern, nicht strafen. Ich verstehe auf einmal, warum Leute zum Glauben an ihn gekommen sind, auf diese schroffen Worte hin. Er hat ihren Widerstand, ihre Aufmerksamkeit gewonnen. Er hat sie gereizt, ihr Selbstbewusstsein neu geweckt. Sie haben gemerkt, sein Kommen von Oben und unser Kommen von Unten treffen sich in der Mitte und wir werden ihm gleich. Dazu hat ihn Gott geschickt und diesen Lohn haben wir verdient. So wird auch der nächste Schritt logisch. Beim genannten Börsenguru endet es mit dem Teilen und Hergeben. Wer Geld verdient, sollte es auch denen abgeben, die keine Chance haben; und zwar reichlich. Ich hab’s geschafft heißt immer zu 10 Prozent auch: Andere waren nicht so privilegiert, die haben etwas von meinem verdient.

Als Angenommener Gottes, als sein Kind, gebe ich von diesem Geschenk weiter. Nehme die Menschen mit und erkläre ihnen, dass auch sie es verdient haben, Gott ganz nah zu sein, göttlich zu sein. Das ist nichts, mit dem ich hinter dem Berg halten kann. Und so teile ich, teile ich mit, gebe Liebe weiter und Freude und Verständnis. Manchmal werde ich auch provozieren müssen, öfter noch mit Worten und Taten von dem, was ich bekommen habe weitergeben; von der Sicherheit, dass Gott bei mir ist, weil ich immer das tue, was er von mir verlangt. Scheitern ist jetzt keine Ausrede mehr, sondern ein Ansporn. Treffen wir uns in 7 Jahren wieder hier an Reminiscere und sehen wir, was daraus geworden ist.

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