Gottes Wort sendet uns in die Welt

Erinnerung an Gleichnis Jesu vom vierfachen Acker: Das Wort will ankommen bei uns. Was kann es bewirken? Was kann es bewirken bei mir? Bin ich bereit, zum guten Acker zu werden, zu einem Menschen, der nicht hart wie Stein ist oder dünn wie felsiger Boden.

Ich spüre, dass ich oft dass ich selbst nicht weiß, wer ich genau bin, wo ich dran bin, dass ich Ungewissheit verspüre gerade auch angesichts des Todes eines lieben Menschen. Manchmal fühle ich mich ohnmächtig ausgeliefert den Geschehnissen, die mich bedrängen. Da weiß ich nicht, was ich denn nun wirklich noch glauben und hoffen darf.

Der Glaube an Gott wird uns oft vergiftet durch den Anspruch: Das musst du alles glauben. Du musst es heute glauben. Da sind solche Ansprüche, die an uns getragen werden auch im RU oder KU, in der Seelsorge oder in der Frauenhilfe, die wir so schwer erfüllen können. Ein ‚du musst das alles glauben’ steht für viele über jeder Kirchentür – und macht es ihnen unsäglich schwer da hineinzugehen.

Vielleicht wäre es besser, wenn wir uns zurück lehnen und uns die Einladung des Propheten Deuterojesaja gefallen zu lassen, der in schwerer Zeit sein Volk einlädt, immer neu auf diesen Gott zu hoffen, ihm zu vertrauen. Er tut das ohne Zwang, sondern eher in Form einer Einladung:

[TEXT]

Der Prophet ist hier ein Sprachrohr Gottes: er stellt einen neuen Beginn in Aussicht, den Gott mit den Menschen plant, die ihm zuhören.

Die Menschen, mit denen der Prophet hier redet, leben im Exil. Sie sind in der Verbannung, dürfen sich dort frei bewegen. Aber eben fern der Heimat. Es ist kein Guantanamo, aber die Siegermächte haben Zugriff auf ihre Freiheit und verwehren ihnen die Heimkehr. Sie sind Geiseln dafür, dass in der Heimat Ruhe herrscht. Sie beten zu ihrem Gott, aber sie fühlen sich auch von ihm im Stich gelassen.

Zu ihnen kommt der Prophet und überbringt ihnen seine Botschaft, das Wort ihres Gottes: die Zusage der Gegenwart Gottes, seine Bereitschaft, sich finden zu lassen und antwortend nahe zu sein. Er sagt ihnen nicht einfach ein Wort, sondern er will ihnen die Kraft Gottes übermitteln, Neues in uns zu schaffen, uns Hoffnung zu schenken auch in den tiefen Tälern unseres Lebens. Er weiß um die Gottesvergiftung der Menschen, er weiß, wie ihr Schicksal, ihre Erlebnisse von Krieg und Gefangenschaft ihnen die Beziehung zu Gott kaputt macht, darum erzählt er ihnen das Wort des Lebens.

Er hat dabei einen Gedanken, der leider allzu oft gebraucht wird nicht um Menschen zu trösten, sondern um sie zu vertrösten: ‚meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR’.

Das ist kein Satz, um Menschen ruhig zu stellen, sondern ein Hoffnungssatz und ein Vertrauenssatz: Gottes Wege sind anders als unsere Wege. Wir dürfen ihm vertrauen, auch dort wo wir ihn nicht verstehen, wir dürfen ihm unsere Wege befehlen, auch wenn uns manches so eigenartig anmutet, ja eine Zumutung erscheint. Wir dürfen hoffen, dass auch dort wo wir alles kaputt machen Gott noch eine Weg findet, daraus Segen werden zu lassen. Er ist nahe, das heißt, der Ruf zu ihm geht nicht ins Leere.

Gott will sich finden lassen. Nicht nur in Kirchen und auf Wallfahrten, sondern in meinem Alltag, in meinem Beruf und meiner Wohnung, bei meinen Freunden und Kollegen und auch bei meinen Feinden. Gott sendet mir Engel, Menschen, die mit mir gehen, mich verstehen, die bei mir bleiben, auch dort, wo ich unerträglich werde, mir ihre Hilfe anbieten, auch dort wo ich zu stolz bin, Hilfe anzunehmen.

Uns sind Worte geschenkt, mit denen wir für Menschen zu Engeln werden können. Wir müssen sie nur gebrauchen – und manchmal auch nichts sagen, weil auch Sprachlosigkeit geteilt werden will. Wir müssen Gemeinde werden, die andere einlädt, durch diese Tür zu gehen, um den Gott zu finden, der immer wieder Menschen sucht, der sein Wort aussendet um Menschen zu trösten und ihnen zu helfen.

Gottes Wort sendet uns in die Welt, sendet uns zu den Menschen, die Hilfe brauchen, auch Hilfe zu glauben. Es lässt uns nicht ruhig bleiben, sondern bringt uns dazu Menschen zu helfen, mit ihrem Schicksal fertig zu werden.

Wenn wir Gott jetzt suchen, will er sich von uns finden lassen, will Zeit haben für uns. Vielleicht lohnt es sich auch darum, dass wir uns in diesem Gottesdienst Zeit genommen haben für ihn.

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