Das Licht haben wir nicht

Weihnachten liegt jetzt schon einen guten Monat hinter uns. Trotzdem steht bei etlichen Familien noch der Weihnachtsbaum. Vielleicht der katholischen Tradition gemäß bis Mariä Lichtmess. Vielleicht auch, weil man sich von dem Licht nicht trennen will, von dem Wunder des Lichtes, das in unser Leben scheint.

Licht brauchen wir für das Leben. Wie wesentlich das ist merken manche schon in dieser Winterzeit, wenn die Winterdepression kommt. Mit wurde erzählt am Polarkreis gäbe es zu Zeiten, in denen es nie richtig Tag wird, die meisten Selbsttötungen.

Für die christliche Gemeinde war schon früh klar: Jesus ist für sie das Licht, das ihnen hilft, ihre Depressionen zu überwinden, fertig zu werden mit dem, was sie täglich Niederschmetterndes erleben. Der Weihnachtsbaum, die vielen Lichter zu Advent und Weihnachten sind ein Symbol dafür. Jesu Worte sind der Anlass dafür:

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Ein etwas enttäuschender Schluss dieser Rede. Jesus lässt sich auf keine Diskussion ein. Er geht weg und versteckt sich. Vielleicht, weil er spürt, dass er die Menschen, die ihm zuhören überfordert. Sie verstehen nicht oder nicht richtig.

Es bleibt ihnen verborgen, dass Jesus hier eine Aussage über seine irdische Zeit hinaus macht. Sie wollen mit ihm über Unsterblichkeit reden und er redet mit ihnen über Tod und Auferstehung.

Die Menschen haben nicht verstanden, dass Jesus hier vom Ende seiner Irdischen Existenz aber nicht vom Ende seines Seins für uns spricht.

Unser Text endet auch nicht in einer Mahnung, sondern in dem Angebot, das Licht anzunehmen.

Im Grunde ist unser kurzer Text schon teil der Abschiedsreden Jesu. Jesus redet hier von seinem Tod, von seinem Kreuz. Und die Botschaft vom Kreuz ist eigentlich unverständlich – nicht nu für die Menschen, die damals Jesus zugehört haben. Es bleibt ein Anstoß, dass Gottes Sohn leiden und sterben muss. Das ist so sinnlos.

Das Kreuz ist Beides: das dunkelste Tal dessen, was Menschen erleben können und das Licht, weil hinter dem Kreuz die Auferstehung und die Vergebung der Sünden steht. Das Volk versteht nicht – was verstehen wir???

So wenig Weihnachten mit dem reinen Verstand zu begreifen ist, so wenig insgesamt Jesu Sein für uns – sein Licht.

Für viele Menschen ist Jesus nicht zu verstehen. Es macht dem bloßen Verstand wenig Sinn, dass Gottes Sohn im Elend geboren wird und unter Folterqualen stirbt. Sie erwarten eher den herrlichen Sohn Gottes, der als Befreier einzieht und die Unterdrücker, die Folterer vertreibt und sein friedensreich aufrichtet. Sie erwarten den starken Mann, den Messias, der das Schwert führt und alle Probleme kurz und klein schlägt.

Die Kritiker sehen Jesus bei den Schwachen und wollen ihn loswerden. Das Verlangen nach einem starken Mann aber ist das unchristliche Verlangen nach einem Licht, das alle kleinen Lichter erschlägt. Hier bietet sich der schwache Sohn Gottes, der Gekreuzigte, das Kind in der Krippe als das wahre Licht an, das in der Schwäche leuchtet.

Jesus ermutigt die Menschen das Licht zu ergreifen, das sie sehen. Er ermutigt uns, das Licht anzunehmen, in dem er sich uns schenkt. Ich denke dabei an viele Menschen, die ich kenne, an das junge Ehepaar, das sich so auf sein Kind gefreut hat – und es starb, an den Mann, gerade im Ruhestand der im Krankenhaus zur Bestrahlung ist. Er kämpft und spürt doch zugleich, dass sein Kampf verloren sein könnte, an die Frau, deren 40-jähriger Sohn verunglückte und die nun Halt sucht.

Es herrscht viel Finsternis auf dieser Erde, mitten unter uns. Und wenn ich mich hier im Gottesdienst umschaue, dann ahne ich auch hier einiges davon, dass etlicher gekommen sind, nicht weil es ihnen zu gut geht, sondern weil sie schwere Lasten tragen. Ihnen möchte ich die Anfrage der Freundinnen und Freunde Jesu so übersetzen: ‚Wir haben gehört, dass der Sohn Gottes immer bei uns ist. Wieso spüren wir so selten deine Gegenwart, wieso bist du soweit weg von unserem Leid?‘.

Mir selber fällt es immer wieder schwer die Gegenwart des Sohnes Gottes zu glauben. Manchmal scheint es so, als wäre der Sohn Gottes entweder ein niedliches Kleines Kind geblieben oder im Grab geblieben. So harmlos, so unwichtig scheint er manchmal in unserer Gegenwart. Aber er ist erwachsen geworden ans Kreuz gegangen und ins Grab gelegt worden – und er ist auferstanden und aufgefahren zum Vater. Das alles gehört zusammen.

Jesus spricht hier zu den Menschen vom Ende seiner irdischen Existenz. Und gleichzeitig davon, dass er für immer Licht der Welt sein will. Er begegnet unserem Unverständnis mit seiner Liebe, darum endet unser Text auch nicht in einer Mahnung, sondern in dem Angebot, das Licht anzunehmen. Wenn wir auf dem Altar die Kerzen anzünden und das Osterlicht leuchtet, dann verkünden wir bildhaft dieses Licht, das er für uns ist.

Es gibt kaltes und warmes Licht – nicht jedes Licht ist gut – tut gut. Das kalte Licht ist jenes Licht, das alles grell hervorholt und ausleuchtet. Und was es nicht vollständig erklären kann, das gibt es nicht. Das warme Licht verbreitet auch einen Schein von Unerklärbarem. Es bringt nicht alles ans Licht, sondern es lässt auch manchmal Dinge im Unklaren. Aber es ist Licht, das uns Menschen gut tut, Licht mit dem wir leben können. Das andere macht Menschen manchmal sogar krank.

Das ewige Licht gibt der Menschensohn als der am Kreuz Erhöhte. Sein Kreuzestod ist Vollendung seiner Geburt in Bethlehem. Gott als der, der den Menschen im finsteren Tal sein Licht schenkt.

Das Licht haben wir nicht – wir müssen es uns aufstecken lassen – es kommt zu uns.

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