Leben im Vertrauen auf Gott

Liebe Gemeinde,

nach der ganzen Weihnachtsaufregung, den großen Gottesdiensten, den Geschenken, den Silvesterfeiern ist der Alltag wieder da. Gott sei Dank! Der Weihnachtsbaum ist weggeräumt. Die Kirche sieht wieder normal aus. Und wir haben heute Zeit, um uns in einen wunderbaren Bibeltext zu vertiefen. Ich lese

Johannes 4,5-14 nach der Bibel in gerechter Sprache:

Er kam also in ein Dorf in Samaria, das Sychar heißt, in der Nähe von dem Grundstück, das Jakob seinem Sohn Josef gegeben hatte. Dort war die Quelle Jakobs. Jesus war von der Wanderung müde und setzte sich deshalb an die Quelle. Es war ungefähr zwölf Uhr mittags. Da kam eine Frau aus Samaria um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jüngerinnen und Jünger waren nämlich weggegangen in das Dorf, um Essen einzukaufen. Die Frau aus Samarien nun sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude von mir zu trinken erbitten, wo ich doch eine samaritanische Frau bin?“ Jüdische und samaritanische Menschen haben nämlich keine Gemeinschaft miteinander. Jesus antwortete und sagte ihr: „Wenn du das Geschenk Gottes kennen würdest und wer es ist, der dir sagt: „Gib mir zu trinken!“ dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Die Frau sagte ihm: „Rabbi du hasten keinen Schöpfeimer und der Brunnen ist tief. Woher also hast du das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab und selbst aus ihm trank und seine Kinder und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr und sagte: „Alle, die von diesem Wasser trinken werden wieder durstig werden. Alle dagegen, die von dem Wasser trinken, das ich ihnen gebe, werden bis in Ewigkeit nicht mehr durstig sein, sondern das Wasser, das ich ihnen geben werde, wird in ihnen zu einer Quelle sprudelnden Wassers für das ewige Leben werden.“

Jesus ist vor einer Auseinandersetzung mit den Pharisäern geflüchtet. Die Frommen der Zeit machen ihm Schwierigkeiten. Hier im fremden Gebiet, bei Menschen die nur sehr am Rande den Glauben Israels teilen, geschieht etwas, was Jesus aufbaut und ermutigt. In der Fortsetzung wird er zwei Tage in dem Dorf bleiben, dort lehren und das ganze Dorf wird ihn als den Messias, den von Gott gesandten Retter anerkennen. Soviel Vertrauen wird ihm nirgendwo anders entgegengebracht werden. Sehen wir uns den Anfang dieser Begegnung an. Ein Ort mit einer großen gemeinsamen Geschichte spielt eine Rolle, die Quelle Jakobs. Jakob ist ein gemeinsamer Vorfahre, der von Juden und Samaritanern geehrt wird. Im Ort der Begegnung liegt schon die Chance auf eine Verständigung. Aber es muss noch etwas dazu kommen.

Jesus spricht die Frau an, weil er etwas von ihr will. Er braucht sie. Er bittet sie um Wasser. Er nimmt den Kontakt auf als Bedürftiger und so kommen sie ins Gespräch. Und das Gespräch fängt da an, wo alle sind. Bevor Verständigung stattfinden kann muss erst einmal auf den Tisch, was los ist. Juden und Samaritaner haben keine Gemeinschaft miteinander. Das ist die Lage. Da gibt es viele gegenseitige Vorurteile, da gibt es gegenseitige Verachtung. Das darf nicht ungenannt bleiben, wenn man aufeinander zugeht. Aber Juden und Samaritaner haben auch einen Teil ihrer Geschichte gemeinsam und sie haben auch gemeinsame Bedürfnisse. Sie brauchen an einem heißen Tag um 12 Uhr Mittags Wasser. Wasser ist das, worüber sich Jesus und Frau verständigen. Sie brauchen beide Wasser, um in der Wüste nicht zu verdursten. Und sie brauchen beide auch lebensrettendes Wasser im übertragenen Sinne. Juden und Samaritaner warten beide auf den Messias, den Retter. Und der ist mit Jesus jetzt da. Das versucht Jesus der Frau zu sagen, indem er mit ihr über Wasser redet. Und diese Frau lässt sich darauf ein. Sie fordert ihn heraus: Bist Du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab? Wo bekommst Du das Quellwasser, was Du mir versprichst und was endgültig meinen Durst löschen wird, her?

Jesus nimmt die Herausforderung an und übertrifft in seiner Antwort alle Erwartungen. Er sagt nicht nur: Ja, ich bin mehr als unser gemeinsamer Vorfahre Jakob. Er sagt auch: Du kannst mehr werden als Jakob, wenn Du dir von mir das schenken lässt, was ich dir anbiete. In dir wird das Leben spendende Wasser entspringen, wenn Du mich darum bittest. Das muss die Frau umgehauen haben. Soviel hat ihr mit Sicherheit noch nie jemand zugetraut. Jesus setzt Vertrauen in eine wildfremde Frau, mit der er erst zwei Sätze gewechselt hat. Er traut ihr zu, zu einer Quelle der Rettung für viele zu werden. Und er täuscht sich nicht. Genau das wird später in dem Ort Sychar passieren.

Jesus spricht die samaritanische Frau an und er traut ihr Wichtiges zu und dass obwohl er einiges über sie weiß.

Warum kommt eine Frau in der größten Mittagshitze zum Brunnen. Dafür kann es nur einen Grund geben. Sie möchte nicht mit den anderen Frauen sprechen, die abends wenn es kühler geworden ist ihr Wasser holen. Die anderen Frauen holen gemeinsam Wasser. Der Brunnen ist der Ort, wo man Neuigkeiten austauscht, den neuesten Tratsch durchhechelt und sich verabredet. Warum sollte man die schweren Krüge alleine schleppen? Es ist angenehmer, wenn man sich dabei unterhalten kann. Offensichtlich zieht es unsere Frau vor, nicht auf die anderen Frauen des Ortes zu treffen. Sie ist alleine und sie kommt zu einer Zeit an den Brunnen, in der sie sicher sein kann, dass sie auch alleine bleibt. Später wird klar warum, sie war schon fünfmal verheiratet und hat niemand gefunden, der sie noch einmal heiraten würde, sie lebt jetzt unverheiratet mit einem Mann zusammen. Warum das so ist darüber kann man nur spekulieren. Vielleicht haben die Männer sich scheiden lassen, vielleicht sind sie gestorben und sie gilt als eine, die Unglück bringt. Keine Ahnung. Jedenfalls wird diese ausgeschlossene Frau diejenige, die Jesus im Ort Sychar bekannt macht und wesentlich dafür sorgt, dass er dort als der Messias anerkannt wird. Dadurch wird ihr Leben sich ändern. Sie, die vorher am Rand war, rückt nun in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Sie wird auch in Zukunft diejenige sein, die Jesus in ihren Ort gebracht hat und damit eine geachtete Person sein.

Gerade dieser Frau von der Jesus weiß, dass etwas nicht mit ihr stimmt, dieser Frau traut er zu, dass ihr Inneres zu einer Quelle des ewigen Lebens wird. Und er irrt sich nicht. Was für ein Vertrauen.

Das Dorf Sychar wird Jesus vertrauen. Und das beginnt damit, dass Jesus gegen allen Augenschein dieser ausgeschlossenen Frau zutraut, dass in ihr die Gegenwart Gottes aufscheinen kann. Er vertraut darauf, dass Gott in dieser Frau genauso rettend wirksam werden kann wie in ihm. Jesus sagt: „Alle dagegen, die von dem Wasser trinken, das ich ihnen gebe, werden bis in Ewigkeit nicht mehr durstig sein, sondern das Wasser, das ich ihnen geben werde, wird in ihnen zu einer Quelle sprudelnden Wassers für das ewige Leben werden“ und er meint damit auch in Dir kann es so sein.

Seit diesem Mittag am Jakobsbrunnen in der Nähe des Dorfes Sychar können wir uns nicht mehr mit unserer Unfähigkeit herausreden. Jesus setzt genauso viel Vertrauen in uns wie in diese Frau. Sollte er sich dabei irren?

Vielleicht denkt jetzt die eine oder der andere: Ja, als Pfarrerin hat sie gut reden, sie kümmert sich ja den ganzen Tag um Religion, aber ich, ich habe zu Hause noch etwas anderes zu tun. Erinnern Sie sich an den Anfang der Geschichte: Wer bekommt es nicht geregelt, Jesus zu vertrauen und ihn zu akzeptieren, die Frommen, die Pharisäer, die die sich den ganzen Tag um Religion gekümmert haben. Und wer bekommt es geregelt, ein samaritanisches Dorf, Leute, die noch nicht einmal die gleiche Religion wie Jesus hatten. Mit mangelnder Frömmigkeit oder Zeit uns um den Glauben zu kümmern können wir uns nicht herausreden. Jesus traut jedem einzelnen und jeder einzelnen hier zu, dass wir im inneren zu einer Quelle sprudelnden Wassers für das ewige Leben werden. Niemand ist dafür zu groß zu klein zu müde zu unfähig zu sündig zu gut, zu krank zu gesund zu fit zu dick zu dünn, zu männlich oder zu weiblich zu fromm oder zu ungläubig zu wichtig oder zu unwichtig.

Jede und jeder kann im inneren zu einer Quelle sprudelnden Wassers für das ewige Leben werden. Was meint Jesus eigentlich damit?

Wasser ist in der heißen und trockenen Gegend, in der Jesus herumzieht wichtiger als bei uns im regenreichen Mitteleuropa. Und Quellwasser, lebendiges Wasser ist im Vergleich zu Wasser aus der Zisterne sicheres gutes sauberes Wasser, Leben spendendes Wasser von dem man nicht krank wird. Man braucht es um zu überleben, zum Trinken zum Backen und Kochen zum Waschen. Quellwasser ist das Bild für ein gutes gesegnetes und von Gott beschütztes Leben. Wenn die Quelle solchen Wassers in uns selbst entspringt, dann wird unser Leben unabhängig von äußeren Umständen. Dann ist unser Leben ein Leben aus der Fülle Gottes, das seinen Sinn in sich selbst trägt. Dann müssen wir uns nicht mehr sorgen. Und wir können darauf vertrauen, was immer auf uns zukommt, wir werden damit umgehen können. Es wird ein Leben aus dem grundlegenden Vertrauen sein. Wir werden zu vertrauenden Menschen werden.

Aber wie geht das? Wie wird aus uns misstrauischen und missgünstigen und ängstlichen Personen jemand, aus dessen inneren lebendiges Wasser sprudelt?

Jesus ist da deutlich: Jesus fordert die Frau auf, ihn um dieses Wasser zu bitten. In dem nächsten Satz, der an unseren Predigttext anschließt tut sie das, wenn auch ein wenig scherzhaft. Aber das reicht schon.

Wir können Jesus um das lebendige Wasser bitten. Er traut uns zu, dass wir in Menschen verwandelt werden können, die vertrauen. Er wird uns dieses vertrauensvolle Leben geben, wenn wir ihn darum bitten. Also was hindert uns daran, ihn zu bitten. Was hindert uns daran uns für ein Leben im Vertrauen auf Gott zu öffnen?

Ich weiß nicht, was Sie daran hindert. Möglicherweise gar nichts. Vielleicht leben sie ja schon längst in diesem großen Vertrauen. Manchmal gelingt mir das auch, aber oft will ich mich lieber beklagen als mich verändern zu lassen. Dann finde ich mich lieber damit ab, dass jemand feindselig ist anstatt zu versuchen noch einmal anders auf ihn zuzugehen. Dann finde ich mich lieber damit ab, dass ich halt etwas Wichtiges nicht kann, anstatt mich vom Zutrauen Jesu beflügeln zu lassen und es noch zu lernen. Klagen ist halt einfacher als die Chancen wahrzunehmen, die ich geschenkt bekomme. Klagen ist oft auch einfacher als das Gute sehen zu lernen, das ich schon geschenkt bekommen habe. Vertrauen wächst halt auch aus guten Erfahrungen. Und gute Erfahrungen mache ich dann, wenn ich mich für das öffne, was mir von Gott entgegen kommt?

Also, was sollte uns daran hindern, uns für ein Leben im Vertrauen auf Gott zu öffnen? Gar nichts muss uns daran hindern. Die Hindernisse werden überwunden, wenn wir Jesus Christus darum bitten, uns Vertrauen zu schenken. Vielleicht müssen wir dann noch ein wenig warten und brauchen etwas Geduld. Aber letztendlich wird er es tun. Und wir werden aus diesem Vertrauen leben können, nicht ohne Rückschläge aber jeden Tag ein wenig mehr.

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