Ich bin …

Liebe Gemeinde!

In den letzten Tagen wird überall Rückblick gehalten: Was ist in den letzten 12 Monaten geschehen?

Viele ziehen Bilanz. Firmen und Banken präsentieren ihre Ergebnisse und hoffen auf Zustimmung ihrer Aktionäre. Und auch im kleinen Kreis wird oftmals gefragt. Was ist gelungen? Was ist misslungen im vergangenen Jahr? Viele Erinnerungen stellen sich ein: Eine Geburt, eine Konfirmation, eine Hochzeit, ein Jubiläum, ein Auszug, ein Umzug, ein Abschluss, Verlust des Arbeitsplatzes nach 27 Jahren, die vergebliche Suche nach neuer Arbeit, eine unverhoffte neue Stelle, eine Operation, ein Pflegefall, ein Dahinsiechen, ein unerwarteter Tod, eine Erlösung nach langem Leiden.

Was wird 2007 sein? Was haben wir zu erwarten? Was trägt mich? Was gibt mir Halt?

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Jesus ermutigt eine/n jede/n von uns an der Schwelle des neuen Jahres, an der manche mit Angst und Sorge zurück oder/ und nach vorn blicken, in seiner Rede zu bleiben.

Warum?

Sie bietet gleichsam Geborgenheit und Heimat. Sie öffnet Horizont und schenkt Zuversicht.

Wieso?

Seine Rede möchte ich mit den sieben „Ich–bin“ Worten, die das Johannesevangelium überliefert, beschreiben.

1. Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)

In diesem Jahr wurden 20 Kinder (12 in W/ 8 in G) getauft. Bei jeder Taufe wurde eine Kerze entzündet und an dieses Wort Jesu erinnert. Wir haben – ob Kind oder Greis – einen Wegweiser. Wir haben eine Zukunft, auch wenn so vieles im Dunkel und Ungewissen liegen mag. In Jesus haben wir eine verlässliche Orientierung.

2. Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh 6,35)

In diesem Jahr wurden 27 Konfirmanden/innen (14 in W/13 in G) eingesegnet. Sie haben – wie in früheren Generationen oftmals gesagt wurde, „ihre eiserne Ration“ mitbekommen. Sie dürfen wissen, bei Jesus gibt es ein Brot, das niemals hart und schimmlig wird. Es ist das Brot des Lebens, das nicht gekauft oder durch besondere Leistung erst erworben werden muss wie bei Sportveranstaltungen der Siegespokal. Jesus schenkt es umsonst, damit wir nicht umsonst uns abmühen. Es schenkt Kraft und Zuversicht, wohin uns unsere Lebensreise auch führt. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr um Jahr.

3. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. (Joh 10,9)

In diesem Jahr wurden 6 Paare (1 in W/ 4 in G und 1 G auswärts) kirchlich getraut. Möge dieses Wort Jesu ihnen zum Leitwort werden, dass wir bei ihm eine offene Tür finden und darum auch unserem Partner, unserer Partnerin immer wieder die Tür zu unserem Innersten öffnen. Nur so kann und wird eine Ehe gelingen. Zugleich denken wir am heutigen Abend auch an diejenigen, die sich entfremdet haben, die Tür zugeschlagen haben. Endgültig – besiegelt mit der Scheidung. Es steht uns nicht an darüber zu richten, vielmehr steht uns an darum zu beten, dass sich ihnen eine Tür auftut, damit sie neu aufatmen dürfen, dass sie Neuland gewinnen können.

4. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh 14,6)

Auch in diesem Jahr haben Menschen unsere Kirchengemeinde verlassen. 3 (1 in W/ 2 in G) haben ihren Austritt erklärt. Leider bleiben uns ihre Beweggründe verborgen. Wir können nur vermuten, warum sie es getan haben. Doch wir sollten es nicht nur einfach hinnehmen, sondern umso mehr davon erzählen, was uns bewegt, in der Kirche zu bleiben. Wir können von Jesus erzählen, der uns befreit und lebenstüchtig macht. Umso mehr freuen wir uns, wenn umgekehrt Menschen wieder ja zur Kirche sagen und neu entdecken, was Jesus verheißt. „Ich bin der Weg …“ (1 Eintritt in W)

5. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Joh 15,5)

Wie schon in den vergangenen Jahren wurden viele goldene und eine diamantene Hochzeit mit einem Gottesdienst gefeiert. Gelegenheit zum Innehalten und zum Staunen: „In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!“ (EG 316,3) Gelegenheit Bilanz zu ziehen und Gott zu danken.

1556 wurde durch die Kurpfalz die Reformation eingeleitet und durch Visitation das reformierte Bekenntnis in G. eingeführt. Ist das kein Grund zur Dankbarkeit, dass durch die Generationen hindurch der Glaube weitergeben wurde und lebendig geblieben ist?

Führwahr auch für das Gemeindeleben in seiner großen Vielfalt, gilt es heute Abend einfach Danke zu sagen. Danke, dass Sie bleiben in der Rede Jesu, bleiben am Weinstock unseres Herrn.

6. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. (Joh 11,25-26)

In diesem Jahr haben wir von 29 Gemeindegliedern Abschied nehmen müssen. Immer wieder haben wir an jedem Grab unseren Glauben bekannt, dass der Tod nicht das letzte, alles zermalmende Wort ist, sondern Gott selbst das Lebenswort spricht. Immer wieder bleiben Menschen erschüttert zurück. Denn der Tod trifft nicht nur am Ende eines langen Lebens ein, sondern oft unvermittelt und unerwartet mitten im Leben und reißt Wunden, die die Zeit nicht heilen kann. Da ist es gut zu wissen, was mein einziger Trost im Leben und Sterben ist: „Dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.“ (Heidelberger Katechismus zu Frage 1)

Liebe Gemeinde, in welchem Wort Jesu Sie sich persönlich geborgen fühlten oder fühlen, mit welchem Wort Jesu Sie dankbar befreit aufatmen konnten oder können, in welchem Wort Jesu Sie gern geblieben sind oder bleiben wollen, ist Ihre Entscheidung. Ein jedes Wort Jesu schenkt Leben, gibt Orientierung und Maßstab. So finde ich wahre Freiheit, die mich bei aller Sorge und Angst daran erinnert, was im Wechsel der Jahre, im Wechsel meines Lebens bleibt: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ (Hebr 13,8)

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