Wie lenkt Gott unser Leben?

Liebe Gemeinde, es gibt Menschen, die haben so locker vom Hocker und frisch von dem Tisch jede Menge Sprüche parat. Schon allein der Tonfall dieser Menschen verrät, dass sie es gewohnt sind immer Zuhörer zu haben. Eigentlich sprechen diese Menschen nicht mehr, sondern sie tragen vor.

Nein, diese Menschen unterhalten sich nicht mehr, sondern sie unterhalten uns. Und diese Menschen, fragen uns nicht mehr, sondern sie suchen unsere Bestätigung durch unser Nicken oder durch unsere Blicke.

Und manchmal können diese Menschen Situationen recht treffend kommentieren. Ich denke, wir alle kennen Beispiele, wo dies zutrifft.

Liebe Gemeinde, Sprichwörter können uns dazu verführen, über viele Dinge hinweg zu sehen, so dass wir ein schnelles Urteil fällen oder, dass wir nicht mehr genau hinschauen.

Dann allerdings können Sprichwörter uns ganz schön verunsichern und uns den Boden unter den Füßen wegreißen. Dann ist die Zukunft für uns etwas Ungewisses und dann täte es gut, wieder mit beiden Füßen auf festem Boden zu stehen.

In unserem Leben gibt es Situationen, in denen es uns schon hilfreich sein kann, dass wir uns daran erinnern, dass der Mensch denkt und Gott lenkt. — Doch wie lenkt Gott unser Leben? — Er kann uns helfen, mit dem fertig zu werden, was nicht mehr zu ändern ist.

Solche Situationen werden manchem von uns bewusst, wenn der Kalender das Jahresdatum wechselt. Scheinbar sind wir Irrwege gegangen und im Nachhinein wird uns dann bewusst, dass wir solche Wege gehen mussten, um durch die Erfahrungen, die wir gemacht haben, klüger zu werden.

Viele Völker der Erde haben ihre Erfahrungen, ihr Wissen, und ebenso ihre Weisheiten in Sprichwörtern gesammelt. Auch das Volk Israel hat dies getan. König Salomo hat sie für uns im Buch der Sprüche aufgeschrieben.

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An einer Zeitenwende, wenn der Kalender das Jahresdatum wechselt, dann gehören wohl gute Vorsätze bei uns allen überall dazu. Und im Blick auf unsere Vergangenheit wird uns dann bewusst, was Gott uns geschenkt hat. Ganz deutlich wird uns dann klar, was uns gelungen oder was uns misslungen ist und wo wir gefehlt haben.

Erinnern wir uns noch an unsere Kinderzeit? Als die Mutter oder der Vater uns bei der Hand nahmen und führten? Oder als die Mutter uns im Arm hielt als wir weinten?

Und alles war gut – die Angst wich, die Tränen wurden getrocknet. Erinnern wir uns noch daran, dass wir irgendwann aufhörten, gegen verschlossene Türen zu rennen und dass sich ohne unser Dazutun eine neue Tür öffnete?

Im Blick auf die Zukunft machen wir Pläne. Wir nehmen uns vor, die alten Fehler nicht noch einmal zu machen. Wir nehmen uns vor den Erfolg des Neuen positiv umzusetzen.

Und genau an dieser Stelle, liebe Gemeinde, setzt unser heutiger Predigttext, die Sprüche des Salomos, ein. Sind es nicht ganz einfache Erfahrungen, dass unsere guten Absichten, oder unsere schönen Pläne für dieses neue Jahr gelingen werden?

Wir wissen ja nicht einmal, ob wir am Ende dieses Jahres noch leben werden. Unser Menschenherz, liebe Gemeinde, macht Pläne – ob sie ausgeführt werden, dass liegt bei Gott.

Die Sprüche Salomos, unser heutige Predigttext, sagt uns bei weitem mehr, als die Menschen damals uns sagen konnten. Die Menschen damals, sie wussten um die Treue und um die Macht Gottes.

Und dies ist auch ganz bestimmt unser Gott, den wir als den Vater Jesu Christi bekennen, der seinen Sohn zu uns in unsere Welt sandte. Ja, unsere Zukunft, liebe Gemeinde, liegt in Gottes Händen. Gott, der Vater will, dass allen Menschen dieser Erde geholfen wird. Das ist eine Zusage, die weit über das neue Jahr, ja weit über unseren Tod hinausreicht.

Gottes Wort greift in unser menschliches Leben ein. Seine Worte sind nie theoretisch. Und darum will Gott von uns, dass wir unsere Entscheidungen und Wege, unsere freundschaftlichen, nachbarlichen und unsere familiären, sowie politischen Beziehungen unter sein Urteil stellen.

Wir Christen sollen uns darin auszeichnen, dass wir zunächst zuhören können und erst dann reden, wenn Gott uns die Rede frei gibt.

So sehr hier unser Temperament eine Rolle spielen mag, so sehr müssen wir uns doch fragen lassen, ob wir nicht all zu gerne von unserem Erfolg zehren.

Wer so lebt, merkt überhaupt nicht, wie sehr er oder sie sich selber zuhört; wie ergriffen wir uns selbst hören. Und wie eintönig unsere Rede wird, wenn wir uns ständig selbst meinen, obwohl wir ständig andere anreden.

Es kommt also schon darauf an, dass wir an einem guten Weg für uns und unsere Nächsten arbeiten.

Herr, gefallen dir meine Wege? Sind sie vor dir richtig?

Eltern, Kinder, Chefs, Auszubildende, ja wir alle müssen so fragen. Erst wer so fragt und sich durch des Herrn Wort korrigieren lässt, der wird entdecken, dass mein Gegenüber plötzlich anders reagiert, und dass wir selbst zu unseren Nächsten ein neues Verhältnis gewinnen.

Noch wissen wir nicht, was uns das neue Jahr bringen wird. Noch kennen wir den Weg, den wir gehen werden nicht. Ja, das Menschenherz macht Pläne ─ ob sie ausgeführt werden, das liegt bei Gott.

Es gehört zu unserer Verantwortung über unseren Weg nachzudenken und ihn zu planen. Das Gelingen aber steht nicht in unserer Macht. Wir sind zwar verantwortlich für unseren Weg in die Zukunft, aber die Zukunft steht nicht in unserer Hand.

Nur Gott überschaut das Ganze. Er allein kennt das Ziel. Er lenkt die Schritte. Er hat das erste und das letzte Wort über unseren Weg. Gott ist unser Anfang und unsere Hilfe. Er ist treu, er geht mit uns. Wir gehören ihm, und er wird uns nicht loslassen.

Was wird er mit uns anfangen, wie wird er uns helfen? Wir wissen es nicht. Wir sind nicht in der Lage, das Ganze zu überblicken.

Nein, so schlau und intelligent sind wir nicht. Wir können Gott nur danken, dass er uns bis hierher geleitet hat und wir können ihn nur bitten, dass er uns auch weiterhin Kraft und Glauben schenken möge.

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