Und wie frei bist du heute?

<i>Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen</i>

(Der Predigttext wurde als Evangelium gelesen. Predigt für 4 Sprecher)

<i>Wie frei bist du wirklich? Bist du frei, zu tun und zu lassen, was du willst? Bist du frei zu denken, was du magst? Bist du frei, ja zu sagen oder nein?

Wenn euch nun der Sohn frei macht, sagt Jesus, dann seid ihr recht frei. Und du? Wie frei bist du wirklich?</i>

Sprecher: Ich bin frei, ich passe in Größe 36 – das ist Freiheit! Ich kann anziehen, was ich will, mir passt alles und mir steht auch alles. Ich kann in ein Geschäft gehen und aussuchen. Nichts muss geändert werden. Vor einiger Zeit hatte ich noch Kleidergröße 42, das war schrecklich. Ich hatte Angst, mich zu zeigen. Ich schämte mich, wenn ich in die Sauna ging. Jetzt ist es besser, so fühle ich mich gut. Und wie frei bist du heute?

Sprecher: Ich fühle mich frei, ich hab mir zwischen den Tagen ein neues Auto gekauft, noch schnell vor der Mehrwertsteuererhöhung. Das alte war doch nur noch eine Gurke mit durchgescheuerten Sitzen, unzuverlässig und teuer im Verbrauch. Ich bin richtig froh, dass das mit der Finanzierung noch geklappt hat, mir ist eine Last und eine Sorge von der Seele genommen. Ich fühl mich frei. Und du?

Sprecher: Ich bin endlich frei. Der ganze Familientrubel zu Weihnachten ist mir auf die Nerven gegangen, der ganze Streß mit den Geschenken, nichts war richtig diesmal. Meine Eltern und Schwiegereltern und Onkel und Tanten, man kommt zu nichts, schon gar nicht zur Ruhe. Nun ist es geschafft – ich bin wieder frei, kann lesen, Musik machen, fernsehen. Ich bin befreit von dem Rummel.

<i>Wie frei bist du wirklich? Was meinst du, wenn du von Freiheit sprichst? Wonach sehnst du dich? Und wovor hast du wirklich Angst?„Wenn euch nun der Sohn frei macht,“ sagt Jesus, „dann seid ihr recht frei.“</i>

Sprecher: Ich bin krank. Mir tut alles weh, kann kaum noch laufen. Für jeden Kleinkram muss ich jemanden bitten. Und einfach mal so spontan eine Runde spazieren gehen kann ich schon lange nicht mehr. Manchmal fühle ich mich in meiner Wohnung richtig eingesperrt, kann das gar nicht mehr aushalten. Bin ich nicht sogar ein Gefangener im eigenen Körper? Mir geht´s nicht gut. Ich bin nicht frei.

Sprecher: Und ich liebe zu sehr. Ich kann an nichts anderes mehr denken als an den geliebten Menschen. Er sagt, damit schnüre ich ihm die Luft ab und ich verstehe das und kann es doch nicht ändern. Ich bin verzweifelt und weiß keinen Ausweg. Ich bin nicht mehr frei, ich bin nicht einmal mehr ich selber. Was soll ich tun?

Sprecher: Ich fühle mich einfach überfordert. Schwiegermutter ist krank und braucht Hilfe, meine Frau hat einen neuen Job und ist kaum zu Hause und die Kinder machen zu Hause keinen Handschlag. Und irgendwie muss ich meine Arbeit in der Firma auch noch schaffen. Jeder will immer nur was von mir, ich funktioniere nur noch. Und dann kommen noch die Nachbarn und kannste mal, haste mal – ich merke, dass ich am Ende mit meiner Kraft bin.

<i>Jesus sagt: Wenn euch nun der Sohn frei macht, dann seid ihr recht frei. Er sagt nicht: Ich befreie euch aus allen Fesseln. Er verspricht nicht, dass wir ohne Sorge und Angst leben werden. Die Freiheit Jesu antwortet nicht auf die Frage „wovon?“ sondern auf die Frage „wozu?“</i>

Sprecher: Früher war mir mein Aussehen ungeheuer wichtig. Ich dachte, wenn ich dick oder hässlich bin, dann bin ich allein, niemand würde mich mögen. Aber das ist Unsinn. Gott hat mich gemacht wie ich bin, ich bin okay, das spüre ich jetzt genau. Ich kann wieder lachen, feiern und genießen, weil Gott mich liebt und mich annimmt wie ich bin. Ich bin frei.

Sprecher: Ich hab mir früher soviel Sorgen gemacht, hatte ständig Angst, meinen Job zu verlieren, das Auto nicht halten zu können, kein Geld für die Reparatur zu haben. Aber ich habe gemerkt: Es geht immer irgendwie weiter. Gott führt mich und er lässt mich nicht fallen. Was kann mir schon geschehen? Mein Leben ist in Gottes Hand. Dort ist es gut aufgehoben.

Sprecher: Wir haben in der Familie einige Gespräche geführt. Ich hab mich endlich getraut zu sagen, was mich stört. Das war gar nicht leicht, für alle nicht. Wir haben jetzt regelmäßiger Kontakt, nicht nur zur Weihnachtszeit. Das ganze ist etwas entkrampft. Wie es dazu gekommen ist? Ich hab im Gebet die Kraft zu diesen Gesprächen gefunden. Auf einmal wurde mir klar, dass sie notwendig sind. Und dann habe ich mich auf Gott verlassen und er hat mir geholfen.

<i>„Wenn euch nun der Sohn frei macht, dann seid ihr recht frei.“ Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes ist keine Beziehungslosigkeit und schon gar kein Egoismus. Die Kinder Gottes haben einen weiten Horizont und die, die an Jesus glauben, haben eine Blick mit Aussicht auf die Ewigkeit.</i>

Sprecher: Ich bin krank, mir tut alles weh. Aber ich habe mir vorgenommen, jeden Tag mit einem Dank zu beginnen. Seitdem hat sich mein Leben verändert. Ich danke Gott am Morgen, wenn das Knie nur halb so weh tut wie am Vortag. Ich danke ihm für das Singen der Vögel oder für den besorgten Anruf der Nachbarin. Irgendetwas finde ich immer. Und je mehr mir einfällt, desto mehr kann ich mich wieder freuen.

Sprecher: Meine Liebe ist ein Geschenk Gottes. Sie ist Gottes Geschenk für mich, nicht für den anderen. Ich lerne, zu welch tiefen Gefühlen ich fähig bin. Ich leide auch, aber ich spüre, wie lebendig ich bin und wie viel ich geben kann. Den geliebten Menschen musste ich loslassen lernen – jetzt aber danke ich Gott dafür, dass ich ihm nah sein durfte.

Sprecher: Dann bleibt halt mal was liegen, na und? Schwiegermutter ist da ganz pragmatisch und gar nicht so fordernd wie ich dachte. Die Kinder helfen inzwischen auch im Haushalt, sie müssen nur genau Bescheid kriegen, was zu tun ist. Ich lass halt einfach was liegen zu Hause und die Nachbarn schicke ich auch mal zum Nächsten. Das ist doch keine Schande, deswegen bin ich doch kein schlechter Mensch! Ich brauche einfach auch Zeit für mich, für Ruhe und für´s Gebet, sonst geht irgendwann gar nichts mehr, das habe ich gelernt.

<i>Freiheit ist keine Staatsform, sondern eine Geisteshaltung. Freiheit ist nichts, was wir uns verdienen, was wir erkämpfen oder erstreiten müssen. Zur Freiheit der Kinder Gottes reifen wir heran. Denn der Glaube weitet die Horizonte, Gott ist größer als unsere kleine Welt und seine Ewigkeit umfängt unser kurzes Leben. Anfang und Ende hält er in seiner Hand.

So schreibt Paulus: Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte. Zur Freiheit hat euch Christus befreit.

In dieser Freiheit leben wir Christen miteinander und helfen einander so gut es geht. Wo Christus uns frei macht, finden wir Wege und Lösungen, die allen helfen. Wenn wir recht frei sind, gibt es keine Fessel, die die Flügel unserer Seele lähmen könnte.

„Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.“ Und Gott spricht in der Jahreslosung: „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht?“

Zur Freiheit der Kinder Gottes reifen wir heran. Vielleicht nicht in diesem Jahr, vielleicht auch nicht im nächsten. Aber irgendwann mit Gottes Hilfe ganz bestimmt.</i>

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