Gott hat sich auf den Weg gemacht

Es ist ein Ros entsprungen: Ein Ros = ein Reis. Das Bild das dahinter steht, kennen wir vielleicht: Bäume sind abgeknickt oder verbrannt. Die großen Stürme oder Waldbrände kommen uns in den Sinn. Alles sieht aus wie zerstört. Stumpfe recken sich gen Himmel, totes Holz. Alles sieht kaputt aus. Und dann – ein Jahr später wächst aus dem toten Holz neues Leben, reckt sich ein Reis, ein Zweiglein gen Himmel, zwei grüne Blätter, die uns zeigen: Neues Leben kommt aus dem alten Holz. Da ist noch Leben wo alles so tot aussieht. Dieses Bild ist uralt. Es wurde schon im Altes Testament benutzt für die Hoffnung auch noch nach der schlimmsten Niederlage. Im Neuen Testament diente diese Hoffnung dazu zu illustrieren, was in der Geburt Jesu geschehen ist.

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Das Ziel ist mit Weihnachten nicht erreicht, aber Gott hat sich mit uns auf einen Weg begeben, indem er mit uns und für uns Weihnachten feiert. Das Heil kommt! Diese Verheißung haben wir. Weihnachten ist nicht das Ende der Verheißung, sondern ein neuer Anfang – das Abendmahl ein Fest der Versöhnung ein Zeichen, dass da etwas in uns und mit uns angefangen hat.

Das Ziel dieses Weges ist eine Schöpfung voller Frieden, den wir so nicht schaffen können. Auch für die Hirten wurde nicht Frieden und sie konnten ihn auch nicht schaffen, aber vielleicht begann ein neues Leben für sie. Auf jeden Fall eine neue Perspektive. Diese Außenseiter der menschlichen Gesellschaft wurden plötzlich zu Insidern – zu Menschen, die die Geheimnisse Gottes erkannten, weil sie von ihm als Erste besucht wurden. Die Ausgestoßenen begegnen Gott, weil er zu ihnen kommt.

In dem Bild des Propheten Jesaja sind es die bedrohlichsten Tiere im Alltag der Menschen, die zu den Gefährdetsten gehen und ihnen den shalom anbieten – der Wolf zum Lamm.

Alles passiert weil ein neuer König ankommt. Diese Ankunft ist nicht nur nett. Die Ankunft eines neuen Königs, muss die erschrecken, die aktuell die Macht haben. Herodes wird provoziert von diesem Text. Keiner soll meinen, das Friedensreich Gottes träfe nur auf Gegenliebe bei den Menschen. Es wir Hass provozieren, sogar einen tausendfachen Kindermord. Und die Frage bleibt brennend: Wo bin ich? Auf welcher Seite stehe ich? Habe ich etwas zu verlieren, wenn das Friedensreich hereinbricht?

Mitten in einer Welt der Hoffnungslosigkeit die Hoffnung nicht verlieren.

Die Hoffnung kann damit beginnen, dass der Stärkere den Schwachen bei sich aufnimmt wie der Wolf das Lamm bei sich wohnen lässt. Der Löwe kann seine Fressgewohnheiten ändern. Der Mensch kann lernen Frieden zu schaffen

Das Kind in der Krippe ist die Hoffnung der Welt.

Es wird ein Reis … Das ist Zukunft – wir dürfen hoffen, das ist für unser Glaubensbekenntnis zugleich Vergangenheit: Uns ist bereits geschenkt …

Eine schöne Utopie, die uns fragen kann, was wir feiern, was wir glauben, was wir beten. Sie kann uns beflügeln, etwas zu erwarten, etwas zu erhoffen etwas zu erbeten.

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