Wir haben eine Erwartung

Wochenspruch (Lukas 21,28): Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Diese Verheißung haben wir. Aber was ist Erlösung. Wie sieht sie aus, diese Erlösung, die da naht. Ist es die Beseitigung von Krankheit, Armut, Krieg oder Hunger, die Beendigung des Kriegs im Irak und der Zwangsprostitution in Deutschland – oder ist diese Erlösung ein jenseitiges Geschehen, mit dem wir uns manchmal auch selbst nur beruhigen – dann wird alles gut? Was erwarte ich eigentlich wirklich von der Zukunft: Haus, Auto, Wohlstand und Gesundheit – oder den Advent Gottes?

Gott wird kommen zu besuchen sein Volk, von dieser Verheißung lebt der Advent. Aber was ist damit konkret gemeint? Die Bibel jedenfalls erwartet etwas von Gott und von den Menschen, die an ihn glauben. Davon erzählt schon das Buch des Propheten Jesaja:

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Wir selber sind es, die Advent leben dürfen und mitteilen dürfen – wird sind die Kerzen und wir sind das Licht. Das ist keine Anweisung und kein Befehl, das ist eine Verheißung und eine Ansage: Ihr seid das und ihr könnt das. So etwas wird uns zugesprochen und zugetraut.

Advent ist Zeit des Wartens, Zeit der Vorbereitung, aber auch Zeit der Verheißung. Allerdings einer ganz besonderen Verheißung: Nicht Ihr werdet sein, sondern Ihr seid! Ihr seid mein Advent, Botinnen und Boten meines Kommens.

Diese Verheißung hören wir heute in unserer Zeit. Sie ist zwar etwa 2500 Jahre alt, aber sie wurde uns überliefert, dass wir sie uns heute zu eigen machen. Vielleicht kann es mir ja gut tun, wenn ich die Einladung höre, Müde zu stärken, Fallende wieder aufzurichten und der kranken Umwelt zu helfen. Es kann mir auf jeden fall dann Angst machen, wen ich dahinter den Anspruch höre, ich müsste alles heil machen. Aber davon ist nicht die Rede. Tu das, was du kannst. Und dann?:

‚Fürchtet Euch nicht’ ist der adventliche (weihnachtliche) Grundtenor. Advent zu feiern heißt zu der Gewissheit zu finden: Wir haben eine Erwartung – es wird etwas passieren, das steht außerhalb unserer Macht – es wird großartig! – und wir dürfen daran mittun. Advent heißt: wir müssen nicht alles machen, aber wir dürfen anfangen zu hoffen und aus der Hoffnung heraus die ersten Schritte wagen.

Das sagt sich alles ganz einfach – und doch wissen wir, wie schwer es oft ist, noch etwas zu erwarten in einer Zeit des sozialen und ökologischen Klimawandels.

Ich erinnere mich an Martin Luther King, wie er in den Zeiten schlimmer Diskriminierung die unterdrückten und ausgepowerten Schwarzen ermutigte mit seiner Rede, die begann ‚Ich habe einen Traum …’ – und es folgten Visionen von einer Gesellschaft auf dem Weg zur Gerechtigkeit und es wuchs eine große Bewegung, die Vieles veränderte – vielleicht auch mit Gottes Hilfe, was Menschen zu Beginn für nicht veränderbar gehalten haben.

Wir sind sicher noch lange nicht am Ziel dieses Weges. Aber wir haben die Verheißung, dass unser Herr kommt: Nicht Vernichtung und Untergang sind sein letztes Wort, sondern Heil und Bewahrung.

Ziel seines Advents ist, dass wir ihn erwarten, seine Wiederkunft, seinen ‚zweiten Advent’. Und wir dürfen ihm den Weg bereiten. Unser Hoffen und Erwarten heißt ja nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen, sondern, dass wir das Unsere tun können und den Rest in seine Hand legen.

‚Die Herren dieser Welt gehen, aber unser Herr kommt’, so hat Gustav Heinemann, Bundespräsident vor 40 Jahren, es formuliert. Dieser Satz ist heute noch genauso aktuell. Wir dürfen etwas erwarten, auch wenn wir spüren, wie sehr uns gerade die Bosse der Kapitalgesellschaften im Griff haben, wie sehr uns die so genannte Globalisierung mit all ihren weltweiten Schäden belastet. Wir dürfen immer noch den Advent Gottes feiern, auch wenn wir den Eindruck haben, die ganze Welt hat sich gegen den Willen Gottes verschworen.

In Jesus Christus ist das endgültige Ja Gottes zu den Menschen gesagt, das hier im Alten Testament schon angekündigt ist.

Gott schafft einen Weg für den Menschen zu leben in allem, was so vorläufig, so unfertig ist. Er hilft ihm auch mit den eigenen Fehlern und dem eigenen Versagen fertig zu werden.

Er lädt ihn ein, seinen Advent zu leben – und er kommt.

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