Schritt für Schritt

Liebe Gemeinde,

heute am Buß- und Bettag denken wir darüber nach, welche Veränderungen wir in unserem Leben brauchen und wie wir die bewerkstelligen können. Unser Predigttext aus der Offenbarung des Johannes lädt eine Gemeinde ein sich grundlegend zu verändern. Ich hoffe das wird uns helfen zu entdecken, wo wir uns verändern können.

Ich lese Offenbarung 3,14-22 nach Luther:

[TEXT]

Die Stadt Laodizea war eine reiche Stadt, und die christliche Gemeinde in ihr war wohl auch reich. Berühmt war die Stadt für ihr Bankwesen, ihren Wollhandel und ihre Ärzteschule. Daran knüpft das Schreiben an die Gemeinde in Laodizea an. Es sagt: Ihr glaubt wohl, dass ihr reich seid, denn ihr habt viele Banken, bei euch fließt eine Menge Geld durch. Aber ihr irrt euch, in Wirklichkeit seid ihr arm. Ihr glaubt wohl, ihr habt tolle Kleider, euer Wollhandel ist berühmt, aber ihr irrt euch, ihr seid nackt! Ihr glaubt wohl ihr seid gesund, ihr habt gesunde Augen und seht die Dinge richtig, schließlich gibt es bei euch genug gute Ärzte, die für die Gesundheit sorgen. Ihr irrt euch, in Wirklichkeit seid ihr blind. Leidenschaftlich müsstet ihr euch für das Recht und die Gerechtigkeit Gottes einsetzen, leidenschaftlich müsstet ihr an Jesus Christus glauben. In Wirklichkeit seid ihr halbherzig und arrangiert euch mit den Verhältnissen.

Aber das muss nicht so bleiben. Was ihr braucht gibt es in eurem Glauben. Es gibt da Gold, weiße Kleider und Augensalbe. Es gibt Reichtum an Freude und Liebe, es gibt Vergebung der Schuld, eure Schande kann bedeckt werden. Es gibt Medizin, ihr könnt lernen die Dinge so zu sehen wie sie sind. Jesus Christus steht vor der Tür eures Herzens. Wenn ihr ihn einlasst und ihn in euch wirken lasst, dann wird etwas Neues entstehen. Ihr werdet eine Gemeinschaft erleben, die trägt. Ihr werdet die wirklichen Gewinner im Leben sein. Die, die ihr jetzt für die Gewinner haltet sind es nicht. Sie sind nur scheinbar reich und mächtig. In Wirklichkeit aber plagt sie der Zweifel und Fragen nach dem Sinn ihres Lebens. Es zerbrechen ihnen die Beziehungen zu ihren Ehepartnern und Kindern. Ihre Macht ist nur scheinbar solange ihnen Liebe und Leidenschaft in ihrem Leben fehlen.

Spannend was dieser Text sagt: Oder?

Er lockt uns in eine Veränderung, die uns gut tun wird. Umkehr, Buße ist nichts Trauriges oder Schweres. Es ist nichts anderes als der Liebe Gottes in uns und für uns Raum zu geben. Meistens müssen dafür ein paar Hindernisse weggeräumt werden. Aber das ist auch nichts Schweres sondern eine große Erleichterung. Stellen Sie sich vor, Jesus Christus steht an der Tür ihres Herzens und klopft. Hören Sie hin! Wie könnte das gehen, ihm die Tür zu öffnen, und was würde dann geschehen? Ich möchte es Ihnen erzählen an einem Beispiel:

Es ist eine alte Liebesgeschichte: Die beiden haben sich schon lange gekannt. Manchmal sind sie nachts zusammen im Park spazieren gegangen. Manchmal haben sie sich in einer Kneipe verabredet, wo ein Tischfußballspiel stand. Hand in Hand zu gehen war schön. Sie haben in einer Universitätsstadt gelebt und das gleiche Fach studiert, ihnen ging der Gesprächsstoff nie aus. Man sah sich in Seminaren, bei Festen. Aber irgendwie ist nichts daraus geworden. Sie hat einmal versucht, ihn zu küssen, aber er konnte sich nicht entscheiden. Ist sie auch die Richtige? Und auch sie hat sich gefragt: ist das jetzt die Liebe? Er ist in eine andere Stadt gezogen. Sie haben noch lockeren Kontakt gehalten. Wenn man sich zufällig irgendwo gesehen hätte, hätte man sich gefreut und freundlich miteinander unterhalten. Es gab keine Veränderung mehr.

Wie ist doch noch eine Liebesgeschichte daraus geworden? Das kam so: Unterwegs zu einem anderen Termin hat sie gedacht. Ach er wohnt doch praktisch auf halber Strecke, da kann ich eine Pause machen und mal bei ihm vorsehen. Sie haben gemeinsam Kaffee getrunken. Und er hat gemerkt: Sie hat mir gefehlt.

Ich glaube das ist immer der erste Schritt zur Veränderung: Ich muss merken, hier läuft etwas falsch, mir fehlt etwas. Ich möchte etwas anders haben. Der erste Schritt ist die eigene Sehnsucht erkennen und ernst nehmen. Am besten noch sich auch vor jemand anderem dazu bekennen, es im Gespräch zugeben und damit sich selbst zugestehen. Es soll sich etwas ändern. In unserem Predigttext wird zu diesem Zweck Augensalbe empfohlen. Die Gemeinde soll nicht mehr blind sein sondern sehen lernen, welche Veränderung sie braucht. Bei unserem jungen Mann war es so, er hat mit einem Freund darüber geredet wie sehr ihm die junge Frau fehlt.

Er hat also gemerkt, dass er gerne mit ihr zusammen sein möchte. Als sie auf dem Rückweg von ihrem Termin wieder zum Kaffee vorbei kam, hat er den Arm um sie gelegt. Und sie hat sich in seinen Arm fallen lassen.

Das ist der zweite Schritt der Veränderung: Sich entscheiden. Er hat sich für sie entschieden und sie sich für ihn. In unserem Predigttext wird empfohlen Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert wurde. Den Reichtum der Liebe wollen und dafür auch ein Risiko eingehen, Schmerz in Kauf nehmen, Scheitern riskieren, wagen sich zu öffnen und damit verletzlich zu machen. Wenn man lau bleibt, ist man immer auf der sicheren Seite. Leidenschaft ist gefährlich. Sich auf eine andere Person wirklich einzulassen, ändert das ganze Leben. Für Jesus Christus sein Herz zu öffnen auch. Möglicherweise wird sich mehr ändern als bequem ist. Mit der Entscheidung wird ein Prozess in Gang gesetzt, den wir nicht mehr unter Kontrolle haben. Es ist wie in einer Liebesgeschichte. Sie kann zu Ehen und Kindern und Enkeln und jeder Menge anderer Verwicklungen führen.

Ja, kommen wir zurück zu unserem Liebespaar. Wie Sie sich vorstellen können, war mit der romantischen Szene am Kaffeetisch keineswegs alles gut und alles klar. Es begann eine Zeit in der die beiden sich aufeinander einstellen mussten. Wie oft hat sie in dieser Zeit gedacht, hätte ich mich doch nicht auf diese Geschichte eingelassen. Es war eine leidenschaftliche Liebe. Aber die Veränderungen waren schwer zu verkraften. Obwohl sich die beiden schon lange kannten, haben sie sich doch noch einmal anders kennen gelernt und es hat ihnen nicht alles aneinander gefallen. Und sie haben sich gegenseitig verletzt. Ihr gefiel die Herkunftsfamilie ihres Freundes nicht besonders. Er fühlte sich deshalb von ihr abgelehnt. Sie wollte auch einmal etwas alleine machen und er reagierte darauf eifersüchtig. Sie fühlte sich eingeschränkt und war gekränkt durch sein Misstrauen. Immer wieder mussten die beiden aufeinander zugehen, mit den Verletzungen fertig werden. Neu anfangen. Der Liebe Raum geben und nicht dem was schief gelaufen ist. Das ist der dritte Schritt der Veränderung: Schwierigkeiten überwinden. Unser Predigttext empfiehlt weiße Kleider zu kaufen, um damit seine Nacktheit zu bedecken. Weiße Kleider sind ein Zeichen für Reinheit und Unschuld. Unschuld entsteht, wenn die Schuld beseitigt wird. Mit Schuld werden wir nur fertig durch Vergebung. Indem wir dem anderen vergeben und selbst Vergebung empfangen können wir die Schwierigkeiten überwinden, die die Beziehung gefährden und die Liebe abkühlen lassen. Das ist ein Prozess mit dem wir ein Leben lang niemals fertig sein werden. Aber er führt weiter. Er führt zu Liebe und Leidenschaft, und vielleicht zu Kindern und Enkeln und Reichtum an Freude und Lebensglück. So ist es auch, wenn wir die Tür unseres Herzens für Jesus Christus einen Spalt weiter öffnen als bisher. Wir werden Vergebung brauchen und auch anderen vergeben müssen. Auch das führt weiter. In unserem Predigttext steht. „Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.“

Es wird zu Gemeinschaft führen. Und am Ende werden wir zu den Gewinnern gehören, zu denen, die das Leben gewonnen haben hier und jetzt und in der Zukunft Gottes.

Und was ist aus unserem Paar geworden? Es ist noch nicht lange her, da hat es Silberhochzeit gefeiert. Die beiden Söhne sind groß. Aber an der Liebe in ihrem und seinem Blick bei dem Gottesdienst zur Silberhochzeit, daran werde ich mich noch lange freuen.

Der Vergleich zwischen der Liebe Gottes zu uns und der Liebe zwischen einem Mann und einer Frau ist nicht abwegig. Es geht um das Gleiche. Es geht um Sehnsucht, um Leidenschaft und Entscheidung und darum Schwierigkeiten zu überwinden und eine Gemeinsamkeit entstehen zu lassen. Das ganze ist ein lebenslanger Prozess der Veränderung. Die Bibel nennt so eine Veränderung Umkehr, die Tradition Buße. Dies ist die Chance, wenn wir die Tür unseres Herzens für Jesus Christus immer wieder ein Stück weiter zu öffnen, um die Liebe Gottes unser Leben verändern zu lassen. Unser Glaube wird wirksamer werden und wird im Alltag immer mehr helfen und das eigene Leben formen. Wir werden dabei viel gewinnen – Kraft, leidenschaftliche Liebe und Gemeinsamkeit mit anderen Menschen und mit Gott. Langsam Schritt für Schritt wird das geschehen. Den Anfang dieses Prozesse erleben wir schon jetzt. Das Ende wird jenseits unseres jetzigen Lebens liegen. Ich lade Sie ein das im Abendmahl zu feiern.

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